Grenchen
Der Marktplatz soll mit einer Markthalle an Attraktivität gewinnen

Matthias Meier-Moreno (CVP) reichte eine Motion ein, in der er eine die ganze Woche hindurch geöffnete und belebte Markthalle fordert. Baudirektion, Standortförderung und GVG haben Stellung bezogen und der Gemeinderat wird sich am Dienstagabend mit der Frage auseinandersetzen.

Oliver Menge
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Die Attraktivierung soll weiter vorangetrieben werden.

Die Attraktivierung soll weiter vorangetrieben werden.

Andreas Toggweiler

Anfang Jahr reichte CVP-Gemeinderat Matthias Meier-Moreno die Motion ein, auf dem Gebiet des Marktplatzes eine Markthalle zu planen. Meier-Moreno begründete den Auftrag damit, dass der Gemeinderat den Kompass neu ausgerichtet und dabei Leben und Wohnen ins Zentrum gestellt habe. «Um diesem Umstand gerecht zu werden, wurde bisher mit kleineren Elementen, wie den farbigen Stühlen, dem offenen Bücherschrank, dem Sandkasten und versetzbaren Bäumen die Innenstadt leicht aufgewertet.»

Aber damit die Attraktivierung weiter vorangetrieben werde, brauche es zusätzliche Verbesserungen. Die Idee einer Markthalle auf dem Marktplatz stammt ursprünglich aus der Feder des ehemaligen Präsidenten des Gewerbeverbands Grenchen, GVG, Ruedi Spielmann, schreibt Meier-Moreno in seiner Erläuterung.

Er selber verfolge das Thema seit einem Besuch in Madrid vor zehn Jahren, als er dort den «Mercado San Miguel» entdeckt habe, eine alte Markthalle aus dem Jahr 1911, in der nicht nur verschiedene regionale Frischprodukte zum Verkauf feilgeboten werden. Die modernisierte und architektonisch aufgewertete Markthalle sei auch Treffpunkt mit diversen Bars und Tapas-Ständen. Schon damals sei er davon überzeugt gewesen, dass es auch in Grenchen eine polyvalent nutzbare Markthalle geben müsste.

Seit mehreren Jahren gebe es zudem in Basel eine gut funktionierende und vielfältig genutzte Markthalle. Auch sei das Thema für die Grenchner Bevölkerung immer noch aktuell, wie sich beim Wettbewerb «Mi Märetplatz» gezeigt habe, den das «Grenchner Tagblatt» vor fünf Jahren lancierte. Und auch anlässlich der letzten Wohntage sei die Idee wieder aufgetaucht. Meier-Moreno bezeichnet die «etwas in Vergessenheit geratene Idee» als Leuchtturmprojekt, das dem Standort Grenchen, dem Gewerbe und den Bauern guttun würde. Eine die ganze Woche hindurch offene und zugängliche Halle, ein Treffpunkt mit Charme, prägend für das Stadtbild und ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Leben und Wohnen.

Nicht grundsätzlich gegen die Idee, aber ...

Auf zwei A4-Seiten nehmen Baudirektion, Standortförderung, GVG und Stadtschreiberin Stellung. Am positivsten wird die Motion von der Standortförderung aufgenommen, welche die Idee einer Markthalle unterstützt und als «konkreten Beitrag zur Zentrumsbelebung» erachtet. Frisches aus der Region in Marktatmosphäre einzukaufen, entspreche dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit.

Der GVG steht der Idee einer überdachten Halle positiv gegenüber, sieht aber kaum die Möglichkeiten, eine Markthalle dauerhaft mit Marktfahrern zu bespielen. «Es wäre schade, wenn zu einem schwach frequentierten Marktplatz noch eine leere Markthalle dazu käme.»

Die Baudirektion ist der Meinung, dass die Idee einer Markthalle bei den kommenden Überlegungen zur Zentrumsentwicklung durchaus mitberücksichtigt werden könne. Allerdings im Rahmen einer Gesamtbetrachtung und nicht als isoliertes Einzelprojekt. Weiter heisst es in der Stellungnahme: «In Ländern, in denen die Institution der Markthalle soziokulturell und wirtschaftlich verankert ist, wird ihre Funktion durch eine über Jahrhunderte gewachsene Verhaltensweise der Konsumenten mit ihrer entsprechenden Nachfrage legitimiert.» Ein ähnliches Kaufverhalten der Grenchner Konsumenten müsste geprüft und nachgewiesen werden.

Den Standort Marktplatz für eine Halle zu wählen, widerspreche dem Gesamtkonzept zur Gestaltung des Marktplatzes, dessen ungewöhnlich grosser, öffentlicher Raum nicht unterteilt werden soll. Gestaltungsmassnahmen müssten ganz im Gegenteil die für eine Kleinstadt grosse Ausdehnung und die flexible Nutzungsmöglichkeit unterstützen. Am Rand des Platzes sei eine Halle aber durchaus denkbar.

Stadtschreiberin Luzia Meister ergänzte, dass der Begriff «Markthalle» unterschiedliche, allenfalls falsche Vorstellungen wecke. Die meisten in der Schweiz noch existierenden Markthallen würden längst nicht mehr als solche genutzt. Angesichts der diffusen Vorstellungen und Unklarheiten sei die Motion in ein Postulat umzuwandeln die bessere Option.

An der Gemeinderatssitzung vom Dienstag können sich die Fraktionen zur Idee einer Markthalle auf dem Marktplatz äussern.