Grenchen
Der jetzige Zustand ist «weder ökonomisch noch ökologisch»

Der Flughafen Grenchen will auf Druck der Unternehmen in der Umgebung ausbauen. Breitling, Mathys und Co. wollen gewerblich fliegen – und stossen bei der Infrastruktur des Flughafens Grenchen an Grenzen.

Lea Durrer
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Für Freizeitflieger reicht die Piste in der jetzigen Länge. felix gerber Für Freizeitflieger reicht die Piste in der jetzigen Länge. felix gerber

Für Freizeitflieger reicht die Piste in der jetzigen Länge. felix gerber Für Freizeitflieger reicht die Piste in der jetzigen Länge. felix gerber

Solothurner Zeitung

Die Start- und Landebahn ist 1000 Meter lang, was für die Freizeitfliegerei völlig ausreicht. Flugzeuge, die gewerblich Personen transportieren, dürfen aber wegen der weltweit gültigen Normen nur knapp zwei Drittel der Piste für Start und Landung nutzen. Die Piste auf dem Flughafen Grenchen ist deshalb nicht lang genug – 1450 Meter müsste sie sein.

Viele kommerzielle Flugzeuge werden daher nur mit beschränkter Nutzlast durchgeführt und müssen mit halb vollem Tank starten, um dann an einem anderen Flughafen zum Nachtanken zwischenzulanden. «Dies ist weder ökonomisch noch ökologisch», bemerkt Andreas Wegier, Leiter des Regionalflughafens Grenchen.

Unternehmen wandern ab

Immer mehr international tätige Unternehmen kehren dem viertgrössten Flughafen der Schweiz den Rücken und weichen auf andere Flugplätze, wie Bern-Belp, Genf oder Zürich aus. «Dahin fahren die Kunden oft mit dem Auto und verlieren wertvolle Zeit», so Wegier. Gleichzeitig muss auch das halb leere Flugzeug von Grenchen zum Ausweichflugplatz überflogen werden.

Um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen und die Unternehmen wieder nach Grenchen zu lotsen, hat der Verwaltungsrat des Flughafens einen «Masterplan 2020» entwickelt und im Sommer 2009 vorgestellt. Die Piste wird um 450 Meter verlängert, womit die Start- und Landefläche auch für geschäftlichen Flugverkehr zugänglich gemacht wird – ohne die Nutzlast einzuschränken.

«Wir wollen die Geschäftsfliegerei nicht aus den Händen verlieren», erklärt Wegier das Ziel des «Masterplans». Dies fordert ebenso die Wirtschaft: 27 Firmen sind bis heute dem Verein Pro Regionalflughafen Grenchen beigetreten. «Die Zahl nimmt stetig zu», informiert Jürg Möri von der Geschäftsstelle. So weibeln Breitling, Synthes und Trösch Glas mit anderen Wirtschaftsvertretern für die Pistenverlängerung.

«Der Flughafen Grenchen ist ein Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und ein wichtiger Standortvorteil für Unternehmen», meinen die Vereinsmitglieder.

Lebensqualität sinkt

Doch auch die Gegner machen sich bemerkbar, wenn auch teilweise anonym. So hat ein Bewohner aus Altreu unter «R.B.» den Blog «Nein zur Pistenverlängerung in Grenchen» ins Leben gerufen. Seit Anfang September 2009 wehrt sich R.B. vehement gegen den Fluglärm und die Zerstörung von Kulturland in der Witi. «Flugzeuge würden dann in Altreu direkt über unsere Köpfe hinwegdonnern», klagt er. «Das ist nicht nur ein Lärmproblem, sondern auch ein Sicherheitsproblem. Wir Betroffenen verlieren mit diesem Vorhaben ein gutes Stück Lebensqualität.»

Auch Selzach steht dem Projekt kritisch gegenüber, will aber noch nicht offiziell Stellung beziehen. Vielmehr hat der Gemeinderat vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich mit dem Vorhaben auseinandersetzt. Den Fragekatalog an das Amt für Raumplanung und die Flughafendirektion blieb bis heute unbeantwortet. Für Selzach stehe aber schon fest, dass der Weiler Altreu nicht überflogen werden dürfe, teilt Gemeindepräsident Viktor Stüdeli mit.

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