Farne, Ahornbäumchen, Moos und weitere Pflanzen in verschiedenen Grüntönen umrahmen den japanischen Garten von Colette Baumgartner. Kies bedeckt den Boden und Steinstufen führen zu einer kleinen Anhöhe empor. Dabei tröpfelt sachte Wasser aus einem Bambusrohr hinunter in den Tsukubai, in einen ausgehöhlten Naturstein, der als Wasserbecken dient. Daneben steht eine Laterne aus Stein. Der japanische Garten ist ein Ort der Ruhe, der einem für jeden Tag etwas mitgeben soll. So wie die Gärten angelegt werden, entsteht ein Gefühl von Weite. Auch bei einem kleinen Garten.

Vor fast einem Jahr rief die Grenchnerin die Firma «Oki-Japangarten GmbH» ins Leben. Sie ist sehr verbunden mit Japan, denn ihr Urgrossvater, Paul Ritter, war der erste japanische Botschafter der Schweiz und sein Sohn heiratete eine Japanerin. Der Name «Oki» hat für Baumgartner einen speziellen Wert. So lautete der Familienname ihrer Grossmutter. Doch er passt zufälligerweise auch zum Garten-Metier: «Oki» besteht aus zwei japanischen Schriftzeichen, die zusammengesetzt «grosser Baum» bedeuten.

Schon lange faszinierte Baumgartner die japanische Gartenkunst, sodass sie schliesslich die Initiative ergriff und ihre eigene Firma gründete. Damit erfüllte sich die Kindergärtnerin einen Traum. Ihr Ziel: Interessenten der Schweiz die Möglichkeit zu geben, einen japanischen Garten anzulegen. «Ich habe festgestellt, dass es dazu einige Angebote in der Schweiz gibt, doch dass sie meist wenig mit den richtigen japanischen Gärten zu tun haben», führt Baumgartner aus. In japanischen Gärten stünden beispielsweise keine Figuren. Auch nicht ein Buddha. (siehe Kasten rechts).

Eine Kunstform

Japanische Gärten anzulegen, wird in Japan als Kunst verstanden und muss gelernt sein. Baumgartner arbeitet deshalb mit Seiko Aizawa zusammen, die in Japan lebt. Aizawa kann auf jahrzehntelanges Wissen zurückblicken und führt eine Firma, die unter anderem auf japanische Gärten spezialisiert ist. Bei einem Auftrag reist Aizawa mit einigen Angestellten in die Schweiz.

Sie ist für die Planung und Umsetzung zuständig. Baumgartner führt den Kundenkontakt, übernimmt die Organisation und wählt mit Aizawa die Materialien aus. Man kann sich an den traditionellen Gärten orientieren oder eine freiere Variante wählen.

Der traditionelle Teegarten beispielsweise enthält keine Blumen und Blütenbäume, dazu gehört das Tsukubai mit dem Bambusrohr und der Bambusschöpfkelle. Bei der japanischen Teezeremonie wäscht man sich dort für die Seelenreinigung Mund und Hände.

Produkte aus der Region

Das Material und die Pflanzen werden grösstenteils aus der Region bezogen. Die Pflanzen müssen an das Klima der Schweiz gewöhnt sein, um zu überleben. Baumgartner will regionale Firmen unterstützen. Von der Lysser Baumschule von Dach stammen die Pflanzen, die Steine von der Firma Schwab (Leuzigen/Arch). Nur die speziellen Laternen, die ebenfalls aus Stein bestehen, werden aus Japan geliefert.

Einen japanischen Garten in Auftrag zu geben, hat natürlich seinen Preis. Auch ein kleiner Garten. Nach einigen Jahren sollte man ihn professionell zurechtschneiden lassen, da er ansonsten verwildert und nicht mehr japanisch aussieht. Baumgartner hatte im vergangenen Frühling ihren ersten Kunden. «Der Garten ist sehr schön geworden», beschreibt sie zufrieden.