Grenchen/Le Locle

Der Inbegriff der robusten Uhr: Certina wird 130 Jahre alt

Bis 1984 war Certina, das heute zur Swatch Group gehört, in Grenchen an der Bahnhofstrasse zuhause. Die beliebte Modellinie DS Podium wurde 2004 lanciert.

Bis 1984 war Certina, das heute zur Swatch Group gehört, in Grenchen an der Bahnhofstrasse zuhause. Die beliebte Modellinie DS Podium wurde 2004 lanciert.

Die Uhrenmarke Certina feiert an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld ihr 130-Jahre-Jubiläum. Sie blickt dabei auf eine bewegte Firmen- respektive Markengeschichte zurück.

Bis 1984 war das Unternehmen, das heute zur Swatch Group gehört, in Grenchen an der Bahnhofstrasse zuhause. Hier war die Firma 1888 von den Brüdern Adolf und Alfred Kurth in ihrem Elternhaus gegründet worden. Die Eltern betrieben dort eine Hutmacherei. Seit der Uhrenkrise ist Certina in Le Locle domiziliert.

Jede Firma prüft die Stosssicherheit und Dichtigkeit ihrer Uhren, indem sie sie aus der Höhe auf unterschiedliche Böden fallenlässt und im Wasser versenkt, doch Certina ging diese Untersuchungen nicht nur wissenschaftlich, sondern zusätzlich kreativ an. Die Verpflichtung zur Verlässlichkeit und Qualität tragen die Zeitmesser schliesslich in ihrem Namen: «Certina» leitet sich vom lateinischen «certus» ab, was «sicher» heisst. Dabei wurden die Produkte, die sich später weltweit einen Namen als leistungsstarke Sportuhren machen sollten, gar nicht als Certina-Uhren aus der Taufe gehoben.

Die ersten Uhren hiessen Grana

Doch der Reihe nach. Die Brüder Kurth erkannten rasch, dass die Fertigung von Komponenten und Rohwerken ihnen wohl ein Auskommen, aber kaum betriebliches Wachstum bieten würde. So verlegten sie sich mit den ersten drei Angestellten auf die Fertigung ganzer Uhren. Vermarktet wurden diese ab 1906 unter anderem und aufgrund des Markenerfolgs zunehmend unter dem Namen «Grana». Auch dieser Begriff, abgeleitet vom Grenchner Ortsnamen Granacus, wurzelt im Lateinischen und schlug zudem eine Brücke zum französischen Granges.

Weniger vorteilhaft waren die Assoziationen von Grana auf Italienisch (Streit) und Spanisch (grano heisst Furunkel), sodass die Marke an der Schwelle zum Zweiten Weltkrieg allmählich vom Begriff «Certina» abgelöst wurde, dessen Assoziationen in allen europäischen Sprachen für «sicher» standen. Dass ausgerechnet Deutsch nicht mithalten kann, störte in der französisch und zunehmend italienisch geprägten Uhrenmetropole niemanden.

Bis zu 600'000 Uhren im Jahr

Die Firma wuchs. 1963, beim 75-Jahr-Jubiläum, verzeichnete sie 800 Angestellte und eine Jahresproduktion von 500’000 Uhren. Neun Jahre später, am Vorabend der Krise, erreichte die Firma mit 900 Angestellten und rund 600’000 Uhren Jahresproduktion ihre grösste Ausdehnung. Die Einrichtung einer betriebseigenen Krankenkasse 1906 und die Gründung des FC Grana nach dem Zweiten Weltkrieg, zeugen einerseits vom sozialen Gewissen der Besitzerfamilie und andererseits vom Zusammenhalt der Belegschaft.

Die Uhr im Eishockey-Puck

Unter den zahlreichen technischen Neuerungen in der Firmengeschichte wurde die Abkürzung DS zum Zauberwort. DS steht für doppelte Sicherheit, eine Kombination aus einem Gummiring und Luftpolsterung des Uhrwerks im Gehäuse, samt verstärktem Gehäuseboden und armiertem Glas. Die DS-Uhrenlinie lancierte Certina 1958. 1960 begleiteten DS-Uhren zwei Bergsteigerteams im Himalaja bei der Besteigung des Dhaulagiri (8222 m). 1976 kam die erste DS Quarz auf den Markt.

Zusätzlich zu den Belastungstests im Labor inszenierte Certina die DS spielerisch und publikumswirksam: Ein Exemplar wurde für ein Eishockeyspiel in den Puck gepackt, ein anderes fuhr in der Radnabe eines Rennautos mit. In einem Fall wurde aus dem «Hau-den-Lukas» auf dem Jahrmarkt ein «Hau-die-DS» und schliesslich wurde eine DS aus zirka 120 Metern Höhe (400 Fuss) aus einem Helikopter abgeworfen. Alle Uhren sollen den Härtetest mit Bravour gemeistert haben.

Dass der Held der britischen Fernsehserie «Mit Schirm, Charme und Melone», John Steed, eine Certina trug, wie Wikipedia vermeldet, passt da perfekt zum Image.

Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld mit verschiedenen Herstellern aus der Region öffnet heute auf dem Messegelände Basel ihre Tore. Bis 27. März

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