Jubiläum
Der grosse Wurf: In Grenchen hat sich einer der erfolgreichsten Judo Clubs etabliert

60 Jahre nach der Gründung hat sich der Judo Club Grenchen etabliert. Zum Jubiläumsfest kamen neben Stadtpräsident Francois Scheidegger auch der Präsident des Schweizer Judoverbands.

Rico Candrian
Merken
Drucken
Teilen
Judo-Demonstration für das Publikum an der Jubiläumsfeier in der Halden-Turnhalle.

Judo-Demonstration für das Publikum an der Jubiläumsfeier in der Halden-Turnhalle.

Hansjörg Sahli

Dass Judo nicht draussen betrieben wird, wird in Anbetracht der regnerischen Bedingungen wohl viele Anwesende gefreut haben; als Schauplatz für das 60 Jahre Jubiläum diente die Turnhalle des Schulhauses Halden. Darin präparierte der Club eine Matte, auf der Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Sportarten Judo und Jiu Jitsu präsentierten. Die Judoka führten einige Würfe vor, machten einen Kata (darstellerische Form) und zeigten einen Kampf. Auch die Kleinen zeigten sich bereits geübt, sicher und gelenkig und präsentierten sich fast schon wie die Grossen. Beim Jiu Jitsu, das mehr auf Selbstverteidigung ausgerichtet ist, wurden unter anderem Entwaffnungstechniken bei Messern und Stöcken demonstriert. Im Anschluss daran lud der Verein zu einem ausgiebigen Apero ein. Für die geladenen Gäste ging es danach noch in die Tennishalle für ein gemeinsames Nachtessen.

Grenchen feierte viele Erfolge

Anwesend waren unter anderem der Präsident des Schweizer Judoverbands und der Liechtensteiner Nati-Trainer sowie Stadtpräsident Francois Scheidegger. Der wohl prominenteste Gast war aber der Jurassier Eric Hänni. Neben vielen nationalen Titeln holte er sich an den Olympischen Sommerspielen 1964 sensationell die Silber-Medaille. Der fast 80-Jährige besitzt den 9. Dan des schwarzen Gürtels und ist somit der am höchsten rangierte Judoka der ganzen Schweiz. Ob er den 10. Dan, die höchste mögliche Rangierung, anstreben will, weiss er noch nicht: «Für diesen müsste ich noch bis mindestens 90 Judo machen. Ich schaue noch, wie es sich entwickelt.»

Der Judo Club Grenchen wurde am 1. Oktober 1958 gegründet. Die Grenchner etablierten sich in der Schweiz und schafften immer wieder vereinzelte kleine Erfolge. Im Jahr 1973 gelang Grenchen mit dem Cupsieg schliesslich der ersehnte Coup. Danach ging es konstant bergauf, Grenchen erlebte seine goldigen Jahre. In den Achtzigerjahren gewann der Club zahlreiche Cupsiege, wurde viermal Schweizer Meister und stellte über Jahre die Mehrzahl der Schweizer Nationalmannschaft. Auch im Europacup konnte Grenchen mithalten, erreichte einmal gar die Viertelfinals. Marc Willemin, Mitglied des damaligen Grenchner Glanz-Teams, erzählt: «Im Europacup machten Metropolen wie Paris oder Frankfurt mit. Die hatten unzählige Profis in ihren Teams, wir keinen einzigen. Wenn man dabei noch beachtet, wie klein Grenchen im Gegensatz zu diesen Städten ist, haben wir da ziemlich gut abgeschnitten.»

Die erste Mannschaft der Grenchner wurde aber auch älter, nach und nach hörten die Judoka mit dem Kämpfen auf. «Um diesen Level halten zu können, sollte ein Club zwei bis drei Mannschaften im Hintergrund haben, um austretende Kämpfer der ersten Mannschaft zu ersetzen. Das benötigt Geld und Personal, was für uns aber unmöglich war. So konnten wir danach im Gegensatz zu breiteren, reicheren Vereinen nicht an der Spitze bleiben.»

Heute feiern die Grenchner Junioren wieder regelmässig Erfolge und haben einige Talente in ihren Reihen. Präsident Willemin zeigt sich kämpferisch: «Grenchen hatte schon immer kämpferisches Blut. Wir wollen den Sieg!»

«Kinder lieben das Judo»

Mit rund 60 Kindern und 50 Erwachsenen zählt der Club sicher nicht zu den Kleinsten der Schweiz. Durch mündliche Werbung und Projekte wie dem Ferienpass stossen immer wieder Kinder hinzu. «Kinder lieben in der Regel Judo, da sie sich austoben und mit anderen messen können. Dabei lernen sie Anstand, Fairness und den Umgang mit Gewinnen und Verlieren», meint Willemin. «Ein Umzug des Trainingslokals in die Sportstättenzone von Grenchen wäre sicher eine grosse Herausforderung und zugleich eine Chance für die Zukunft.»