Bäckerei-Konkurs
Der Grenchner Bäcker Werner Rüegsegger ist der Verlierer

Der Konkurs der Bäckerei-Kette von Werner Rüegsegger dürfte lediglich für «vier bis fünf» der zuletzt noch 68 Mitarbeiter mit der Arbeitslosigkeit enden. Für die Filiale Grenchen erhielt die Jürg Jaeggi gehörende Back-Caffee AG vom kantonalen Konkursamt den Zuschlag.

Bruno Utz
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Werner Rüegsegger (r.) wünscht seinem Nachfolger in Grenchen, Jürg Jaeggi, viel Glück.

Werner Rüegsegger (r.) wünscht seinem Nachfolger in Grenchen, Jürg Jaeggi, viel Glück.

Oliver Menge

Der Vertrag wurde gestern unterschrieben. «Damit erfülle ich einen von meinen Kunden regelmässig geäusserten Wunsch nach einem weiteren Standort möglichst in Zentrumsnähe», sagt Jaeggi.

Laden und Kaffee seien sehr gepflegt, Umbauten in der gemieteten Liegenschaft nicht nötig. «Deshalb wird Grenchen nach einem einzigen Schliessungstag bereits am 2. Mai wieder geöffnet.» Dem Personal habe er die Weiterbeschäftigung angeboten. Einzelgespräche hätten aber noch nicht stattgefunden.

Oberaargauer übernimmt

An der Filiale Biel sind mehrere Parteien interessiert. In Solothurn wussten gestern die acht Mitarbeitenden bereits, wer künftig der Patron sein soll. Es handelt sich um einen Bäcker aus dem Oberaargau. «Die Aussichten sind gut, aber noch ist nichts fix», sagt der Kaufwillige auf Anfrage. Die Vertragsunterzeichnung sei mit dem Konkursamt auf übermorgen Montag vereinbart. Vorher dürfe sein Name nicht genannt werden.

Übers Wochenende werde er mit allen betroffenen Rüegsegger-Mitarbeitenden Einzelgespräche führen. Seine Produktionsanlagen reichten aus, um auch die neuen Filialen im Solothurnischen zu beliefern. Er benötige jedoch zusätzliches Personal und sei deshalb an der Anstellung mehrer Mitarbeiter der Rüegsegger-Bäckerei in Nidau interessiert. Nach der Übernahme werde er die 17 und 31 Jahre alten Ladeneinrichtungen mit einem Facelifting auffrischen. Der Oberaargauer rechnet mit einer zwei- bis dreiwöchigen Umbauzeit in Solothurn und Zuchwil. «Die Kunden sollen merken, dass ein neuer Bäcker da ist.»

Am Montag letztmals offen

Definitiv geschlossen wird die Produktion in Mühledorf und Nidau. Auch der Laden in Mühledorf hat am Montag letztmals offen. Auf den in seinem Wohnhaus eingerichteten Produktionsanlagen stellte Rüegsegger noch Meitschibei und Biberli her. «Die Anlagen und das Produktions-Know-how verwertet das Konkursamt», sagt der Mühledörfer. Die Vertragsunterzeichnung finde nächste Woche statt.

Der Käufer habe ihm zugesagt, er wolle seine Erfahrung nutzen und ihn anstellen, sagt Rüegsegger, der Ende Juni das Pensionsalter erreicht. Als Einzelunternehmer sei auch sein Privatvermögen vom Konkurs betroffen. «Ich weiss heute nicht, ob und allenfalls wie lange wir noch in Mühledorf bleiben können», sagt Rüegsegger mit Blick auf die bevorstehende Verwertung seines Wohnhauses. Endgültig gehe der Ofen in der Bäckerei Nidau aus. Dort seien für die Rüegsegger-Läden und -Kaffees sämtliche Brote, Kleinbackwaren, Torten und Konditoreiwaren produziert worden. Die Rezepte für die etwa 15 Tiefkühlprodukte würden verkauft.

AHV verlangte den Konkurs

Im vergangenen Jahr habe er noch einen Umsatz von 4,8 Millionen Franken erwirtschaftet. Wesentlich zur negativen Entwicklung habe die im November 2008 erfolgte Verlagerung der Produktion von Mühledorf nach Nidau beigetragen. Nach zwei Jahren mit tiefroten Zahlen habe sein Unternehmen seit September 2011 operativ wieder rentiert. Mit 1,4 Millionen Franken sei jedoch der Schuldenberg zu hoch gewesen. Es sei der Hauptgläubiger AHV gewesen, der das Konkursbegehren gestellt habe.

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