Das Velodrome Suisse ist schon von der Form und den Dimensionen ein aussergewöhnliches Projekt. Auch der Terminplan ist ambitiös: Vom Spatenstich bis zum Datum der Eröffnung sind nur gerade 12 Monate geplant.

Es ist kalt, der Himmel ist grau, ab und zu fallen ein paar Flocken. «Wenn das Wetter die nächsten zwei bis drei Wochen mitmacht, dann sind wir mit den Arbeiten zeitmässig im Plan». Beat Zbinden, Projektleiter Velodrome Suisse, ist zuversichtlich. Zwar habe man etwas Rückstand auf den Zeitplan, was auf ein paar kalte und schneereiche Tage im Dezember zurückzuführen sei, aber diese Verspätung habe man in der Rechnung, wie Zbinden sagt. Auch der aktuelle Kälteeinbruch führe zu keiner Verzögerung.

50 Arbeiter und Handwerker im Ensatz

Rund 50 Arbeiter und Handwerker sind im Einsatz auf der Grossbaustelle. «Die Leute sind nicht zu beneiden», sagt Zbinden. «Sie arbeiten bei jedem Wetter und leisten wirklich gute ‹Büez›, auch bei diesen kalten Temperaturen. Nur wenn es unter 5 Grad Minus wird, müssen wir die Arbeiten an gewissen Orten einstellen.»

Die Betonierarbeiten sind inzwischen fast vollständig abgeschlossen, oder zumindest weit fortgeschritten. Die Bauten, die zukünftig Swiss Cycling beherbergen (Nordostseite) und das Hotel auf der Südostseite, der Tribünentrakt und der grösste Teil des Betontrasses, auf dem die Rennbahn später zu liegen kommt, sind im Rohbau fertiggestellt. Nur auf der Nordseite klafft im Trassee noch eine Lücke, die Zufahrt zur Baustelle muss offen bleiben.

Der Rundgang mit dem Projektleiter führt durch das zukünftige Fitnesscenter zum Bereich mit den Garderoben, dem Sanitätszimmer und dem Doping-Kontrollraum. «Wir haben in diesem Bau fast keine gerade Linien, dementsprechend schwierig war es, zu mauern und zu betonieren. Aber die Arbeiter haben das so gut hingekriegt, dass wir im Fitnessraum eine Wand roh sein lassen werden.»

Im Gang entlang des Garderobenbereichs unterhalb der Tribüne auf der Westseite sind Handwerker damit beschäftigt, Lüftungskanäle zu verlegen. Sanitärinstallateure und Elektriker sind ebenfalls am Arbeiten. Ein Blick in eine der zahlreichen Garderoben verrät, dass sich die Handwerker und Bauarbeiter hier warme Pausen- und Werkstatträume eingerichtet haben.

Gastrobereich mit Küche, Bar, Lounge und Restaurant

In der Südost-Ecke im Erdgeschoss befinden sich die Räumlichkeiten für den gesamten Gastrobereich mit Küche, Bar, Lounge und Restaurant mit rund 120 Sitzplätzen. Eine Vielzahl von Stützen sichert die Decke.

Auf der Südseite befinden sich der Haupteingang mit Aufgang zur Tribüne und zum Hotel und der Zugang zum «Showcase», dem Ausstellungsraum für Fahrräder mit Velowerkstatt.

Im Geschoss darüber entstehen 14 Hotelzimmer für insgesamt 30 Gäste, und über dem Restaurant werden eine VIP-Lounge und Seminarräume entstehen. Noch sind hier Bauarbeiter damit beschäftigt, Schalungselemente zu entfernen. Unmittelbar daneben wird die Südwest-Tribüne Stufe für Stufe betoniert, Nord- und Mittelteil sind bereits fertig. Darauf montiert werden später Schalensitze. «Ein einziger wird golden sein und kommt in die Mitte der Tribüne. Was es damit genau auf sich hat, wird noch nicht verraten», schmunzelt Zbinden. Aber er könne sich durchaus vorstellen, dass derjenige Zuschauer, der zufällig diesen Sitzplatz kaufe, zum Beispiel einen Preis gewinne. Jedenfalls sei der Sitz für niemanden reserviert, obwohl sich vielleicht Spekulationen aufdrängten.

Der Blick von oben auf die Baustelle zeigt die Ausmasse des Bauwerks. Im ovalen Mittelteil, der späteren Sporthalle, stehen die beiden Kräne. Darum herum liegen Schalungselemente, Armierungseisen und andere Baumaterialien.

«In den nächsten Tagen beginnt man auf der Ostseite mit dem Einbringen der Trägersäulen für das Dach. Darauf kommen die Trägerelemente aus Metall, dann die Leimbinder - 70 Meter lange gebogene Trägerbalken aus Holz - auf die dann das Dach montiert wird», erklärt Zbinden.

Fenster müssen noch etwas warten

Erst, wenn das Dach fertiggestellt, die Aussenverkleidung der Halle mit isolierten Alupanels und die Fenster eingesetzt sind, die Halle also komplett geschlossen ist, wird das eigentliche Herzstück, die Rennbahn eingebaut. «Das wird Mitte März geschehen», sagt Zbinden, «die Bahnbauer haben vier bis fünf Wochen Zeit dafür. Mit Walter von Lütcken haben wir einen Spezialisten ins Boot geholt, eine Koryphäe auf dem Gebiet.»

In Grenchen will der deutsche Radrennbahnbauer die schnellste Bahn Europas bauen. Für den harten Belag wird langsam wachsende Fichte aus Sibirien, für die Vollholz-Unterkonstruktion finnisches Fichtenholz verwendet.

Die 250 Meter lange Bahn hat lange Geraden und enge Steilwandkurven, eine Herausforderung für den Bahnbauer, denn die Übergänge müssen genau stimmen, damit die Fahrer nicht ins Trudeln kommen. Und um die Bahn schnell zu machen, müssen die Hölzer, die in von Lütckens eigener Zimmerei in Bremerhafen zurechtgeschnitten werden, alle in derselben Wuchsrichtung verlegt werden.

Bis Ende April sollte der grösste Teil des Innenausbaus fertiggestellt sein, so Zbinden. Am 5. Mai will man der Grenchner Bevölkerung die Möglichkeit geben, die Halle zu besichtigen, auch wenn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles fertig ist.

Anschliessend wird von Mitte Mai bis Anfang Juni die mia die Halle beziehen. «Am 21. Juni werden wir die Radrennbahn im Beisein vieler Prominenter mit einem offiziellen Akt eröffnen. Unter anderem hat Bundespräsident Ueli Maurer zugesagt und Alt-Bundesrat Adolf Ogi wird ebenfalls kommen», so Zbinden.