Ursprünglich war das Grundstück dreimal so gross aber nicht halb so schön. Zum früheren Bauernhaus an der Bettlachstrasse 67 gehörte beim Bau 1879 noch eine Heuwiese. Heute umfasst Hedi Schilds Garten etwa 320 Quadratmeter. Genug Arbeit für die agile Rentnerin und mehr als genug Freude.

«Mein Garten ist mein ein und alles», sagt sie lächelnd. «Ich gehe nicht oft weg. Warum auch? Die Blumen, der Rasen, die Früchte und das Beet mit dem Suppengemüse beschäftigen mich im Sommer den ganzen Tag. Im Winter schaufle ich beim Hauseingang und auf der Strasse Schnee - manchmal auch ziemlich ausgiebig. Da geht die Zeit im Nu vorbei», erklärt sie, während der Duft des Minzentees in der Laube sich mit dem des Apfelkuchens mischt, den sie extra für den Besuch gebacken hat. Die Gravensteiner-Äpfel stammen ebenso wie die Pfefferminze aus ihrem kleinen Reich, über das neben einem Brunnen mit Umwälzpumpe einige Zwergenfiguren wachen.

Schon zur Kindheit gehörte ein Garten

Jede Ecke hat eine eigene Geschichte. Den Hortensienstrauch habe sie vor 42 Jahren gepflanzt. Ähnlich alt seien die Rosen- und Geranienstöcke, erzählt Hedi Schild. Zehn Jahre früher sei der Ökonomieteil des Hauses abgerissen und durch ein Uhrenatelier ersetzt worden. «Das Atelier ermöglichte es mir, Heimarbeit zu machen. Ich habe zum Beispiel Zahlen auf Zifferblätter gemalt, und manchmal hatte ich es so streng, dass ich in der Nacht nur drei Stunden geschlafen habe.»

Hedi Schild stammt aus dem Emmental. «Von meiner Kindheit her habe ich den Garten im Blut. In jener Zeit ist man mit Gemüse und Früchten aus eigener Produktion aufgewachsen, und natürlich mussten wir Kinder im Garten helfen.» Damals hätten die Kinder im Wald dürres Laub gesammelt, um die Einstreu des Viehs zu strecken und die Eltern das Strassenbord gemäht, um den Heuvorrat der eigenen Matte zu ergänzen. «Wir hatten nicht einmal ein Radio. «Wir hatten nie das Gefühl etwas zu vermissen, und schon gar nicht die Idee, dass ein anderes Leben besser sein könnte.»

Dachse auf der Gartenmauer

1949 kam Hedi Schild nach der Bürolehre in Utzenstorf in die ASSA, in die Zahltagsabteilung. 1952 heiratete sie und zog zu ihrem Mann an die Bettlachstrasse ins Haus, das dessen Grossvater gebaut hatte. Heute leben auf dem Grundstück drei Generationen der Familie. Nachdenklich schaut Hedi Schild sich im Garten um und deutet auf einen Baum am östlichen Rand: «Schauen wir nach, ob wir eine reife Feige finden.» An der ersten Frucht, die von unten vielversprechend aussieht, tun sich schon die Fliegen gütlich. Die Zweite ist perfekt, bräunlich und saftig. Hedi Schild holt die Früchte, die für sie zu hoch hängen, mit einer langstieligen Pflückhilfe vom Baum.

Wie hat sich der viele Regen im Juli ausgewirkt? «Nicht speziell. Ich habe nicht das Gefühl, dass viel kaputtgegangen ist», antwortet sie. «Ich habe sogar die Himbeeren trocken ernten können, und die sind ja eher heikel.»

Für den Fall, dass Hedi Schild doch einmal Ferien machen will, schauen ihre Verwandten zum Garten. Aber das kommt «so alle zwei Jahre einmal vor, für ein paar Tage», überlegt sie. «Hier ist es am allerschönsten. Füchse kommen herein, und manchmal kann ich sogar Dachse beobachten, wie sie auf der Gartenmauer balancieren. Das sind herrliche Tiere, und wo gibt es die sonst schon im Abstand von wenigen Metern zu sehen?»