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Der Fondue-König muss in den Ruhestand gehen

Lange hat er in der Lebensmittelbranche überlebt. Jetzt gibt Fred Fischer auf. Der Fondue-König geht in den Ruhestand. Die Zukunft der Chäsi ist derweil ungewiss.

Patrick Furrer
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Fondue-König

Fondue-König

az Langenthaler Tagblatt

86 Jahre lang hat die einstige Milchzentrale der Bauern überlebt. Der vife und innovative Fred Fischer hätte nächstes Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum in der Grenchner Chäsi feiern können, 1996 übernahm der heute 50-Jährige den Betrieb und wurde Geschäftsinhaber. Mit seinen rund fünfzig Fonduerezepten hat er sich einen Namen gemacht. Doch jetzt hat der «Fondue-Papst» genug vom Kämpfen.

Sanierung nötig

Das Überleben sei immer schwieriger geworden, der Umsatz nahm stetig ab. «Deshalb habe ich auf Ende Mai 2012 gekündigt, und bereits im Herbst dieses Jahres werde ich ausserorts eine andere Arbeit antreten», bestätigt Fred Fischer. Er sei in einem Alter, in dem er sich definitiv Gedanken machen müsse um die Zukunft. Ob Grenchen weiterhin eine Stadtkäserei haben wird, ist ungewiss. Eine Nachfolge ist jedenfalls noch nicht gefunden.

Besitzerin der Liegenschaft ist die Milchgenossenschaft Grenchen. Sekretär Urs Affolter sagt, man bedaure den Entscheid Fischers natürlich sehr. «Darauf haben wir nun wirklich nicht gewartet, aber irgendwie war es auch vorhersehbar, dass der Moment eines Tages kommt.» Da die Kündigung eben erst erfolgt sei, sei alles noch sehr frisch. Wie es weitergehen soll, sei noch nicht klar, ausserdem sei eine Genossenschaft ein relativ träges Gebilde. «Wir wollen sicher versuchen», sagt Urs Affolter, «eine Anschlusslösung zu finden.» Ob sich eine finden lässt, erachtet allerdings auch er als grosse Herausforderung. Ausserdem, gibt er zu, wären zumindest an der Fassade, bei der Gebäudetechnik und eventuell in der über der Chäsi liegenden Wohnung, noch Sanierungsarbeiten nötig.

«Standort massiv verschlechtert»

Seine Chäsi aufgeben wollte Fred Fischer eigentlich nicht. Lange haben er und seine Angestellten für den Erhalt gekämpft. Mit seinen Fonduekreationen und Events feiert Fischer Erfolge, auch finanziell. Das alleine reicht aber nicht. Notgedrungen habe er sich nach etwas anderem umschauen müssen, erklärt Fischer. Mehrere Gründe hätten zum Entscheid geführt.

«Wir haben zwar eine treue und wertvolle Stammkundschaft, aber der Umsatz im Laden sinkt. Die Zeiten, als man bei uns noch für den täglichen Bedarf einkaufte, sind definitiv vorbei.» Letztes Jahr etwa habe die Chäsi mit dem Fondueverkauf Gewinn erzielt, der Ladenverkauf hingegen war defizitär. «Und quersubventionieren will ich den Laden nicht mehr länger.» Der Standort habe sich zudem massiv verschlechtert.

Bauern sperrten sich früher gegen Verkauf

Früher waren Beck, Metzger, Chäsi, Blumenladen et cetera noch alles beisammen, jetzt gebe es nur noch ihn und Metzger Guex an der Ecke Schild-Rust-Strasse und Centralstrasse. Auch auf dem Marktplatz hat sich alles, inklusive dem Markt selber, nach Süden verlagert. Laufkundschaft gibt es fast nicht mehr. «Kommt hinzu, dass ich nie wusste, was mit dem in die Jahre gekommen Gebäude passiert», sagt Fred Fischer.

In den 80er-Jahren war sogar einmal angedacht, eine Durchgangsstrasse zur Kirchstrasse zu bauen, auch eine Gesamtüberbauung für das danebenstehende Gebäude der Milchgenossenschaft und das nördlich davon liegende Haus einer Erbgemeinschaft war schon Thema. Milchgenossenschaftssekretär Urs Affolter sagt, im Gegensatz zu früher sperrten sich die Bauern nicht mehr grundsätzlich gegen einen Verkauf ihrer beiden Liegenschaften. Möglich also, dass man sich auch über das ganze Areal, das im Volksmund auch als «Grenchner Altstadt» bezeichnet wird, Gedanken machen wird.

Lebt und arbeitet bald woanders

Die einjährige Kündigungsfrist mit der Besitzerin, der Milchgenossenschaft Grenchen, hält die Chäsi und den Laden vorerst am Leben. «Die Chäsi wird bis auf weiteres im bisherigen Umfang bestehen bleiben«, versichert Fischer. Die bisherige Stellvertreterin Daniela Meister wird das Geschäft ab September führen, denn Fred Fischer tritt im Herbst eine neue Arbeitsstelle als Lager- und Logistikchef in einer Käsehandelsfirma der Emmi-Gruppe in Zollikofen an und zieht nach Büren. Die Verantwortung für die Grenchner Chäsi bleibt aber bis zum Schluss bei Fischer selbst.

Bei der Suche nach einem Nachfolger würde er der Milchgenossenschaft noch helfen. Denn an der Chäsi liege ihm viel, sagt Fischer, und auch an seiner Arbeit. «Deshalb wird mein Fondue bestimmt nicht ganz aus Grenchen verschwinden.» Was das genau heisst, will er noch nicht verraten. An einem professionellen Internetshop jedenfalls wird bereits gearbeitet.

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