Sicherheit

Der Flughafen Grenchen erachtet einen «Flugzeug-Fänger» als nicht sinnvoll

Im 2018 ist ein Lichtflugzeug über das Pistenende hinaus über die Kantonsstrasse gerollt.

Im 2018 ist ein Lichtflugzeug über das Pistenende hinaus über die Kantonsstrasse gerollt.

Die Verwaltung der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG nimmt Stellung auf den Bericht der schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle, in welchem die Sicherheitsmassnahmen bei den umliegenden Strassen in Frage gestellt werden.

Der Verwaltungsrat der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG sieht in Sachen Sicherheit keinen Handlungsbedarf. Der Vorfall vom 28. September 2018, als ein Leichtflugzeug über das Pistenende hinaus über die Kantonsstrasse gerollt war, sei «seit Bestehen des Flugplatzes 1931 einmalig und erstmalig», schreibt Conrad Stampfli. Der Verwaltungsratsvizepräsident reagiert in einer Mitteilung auf den Bericht der schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust.

Die Bundesexperten hatten kritisiert, dass im Falle Grenchen die Archstrasse/Kantonsstrasse zwar Bestandteil der für zertifizierte Flughäfen vorgeschriebenen Gefahrenbibliothek sei, dass aber «konkrete Massnahmen, die zu einer Verringerung der für die Benutzer dieser Kantonsstrasse herrschenden Gefährlichkeit führen, bisher weder vom Bundesamt für Zivilluftfahrt noch vom Flughafen-Betreiber getroffen wurden».

In ihrem Bericht hatte die Sust weiter festgehalten, dass sie die am Strassenrand aufgestellten Warntafeln als nicht ausreichende Massnahme erachtet, weil damit «alleine keine Minderung der eigentlichen Gefährdung erreicht werden kann». Als geeignete Massnahme nannte die Sust die Installation eines technischen Rückhaltesystems (Engineered Materials Arrestor System EMAS), das ein überrollendes Flugzeug aufhalten könnte.

Gutachten von 2016 verneint Handlungsbedarf

Für den Flughafen Grenchen seien «schon mehrmals Gefahrenanalysen durchgeführt» worden, nimmt Stampfli Stellung. Ein auf Verkehrssicherheit spezialisiertes Fachunternehmen habe im Auftrag des Kantons die Drittgefährdung auf der Archstrasse untersucht und sei im Dezember 2016 zum Schluss gekommen, dass «grundsätzlich keine Massnahmen zur Reduktion des Risikos für die Verkehrsteilnehmer (...) notwendig» seien. Der Sust sei dieses Papier zur Verfügung gestellt worden, in ihrem Bericht «erwähnt sie das Gutachten nicht einmal», bemängelt Stampfli.

Gar nichts wissen wollen die Flughafen-Verantwortlichen von der Installation des Rückhaltesystems EMAS: Die Sust nenne ein EMAS im Bericht zum Vorfall in Grenchen «als Beispiel einer möglichen Vorkehrung für grössere Flugplätze». Es handle sich dabei aber nicht um eine eigentliche Empfehlung. Stampfli: «Aufgrund früherer Abklärungen erachtet der Flugplatz Grenchen die Vorkehr als nicht geeignet und nicht vertretbar.» Die unbefestigte Fläche zwischen Pistenende und Strasse sei «sehr gross» und vermöge ein schnelles, überraschendes Preschen eines Flugzeugs auf die Strasse zu verhindern. Automobilisten könnten so bei Bedarf sicher noch rechtzeitig anhalten. (ums.)

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