Militärflieger
Der erste Grenchner Aviatiker Ernst Knab flog in der Dewoitine

Der Grenchner Aviatiker Ernst Knab flog in den 30er-Jahren mehrmals das Militärflugzeug Dewoitine D.26 «Stadt Grenchen».

Peter Brotschi
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Ernst Knab flog die Dewoitine «Stadt Grenchen»
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Ernst Knab (in Zivil) mit seinen Militärpilotenkameraden vor der Dewoitine D.26 am Eröffnungsflugtag des Flugplatzes Grenchen, Juli 1931.
Ein Foto eines original Flugrapportes.

Ernst Knab flog die Dewoitine «Stadt Grenchen»

Peter Brotschi

Ernst Knab, der erste Pilot und Fluglehrer von Grenchen, war auch Militärflieger. Von seinen Nachkommen sind nun die militärischen Flugrapporte dem Verein «Hangar 31» zur Auswertung übergeben worden. Und es zeigt sich: Der erste Grenchner Aviatiker flog in den 1930er Jahren im Militärdienst mehrmals die heutige Dewoitine «Stadt Grenchen».

Die Dewoitine D.26 «Stadt Grenchen» wurde 1931 von der Eidgenössischen Konstruktionswerkstätte in Thun an die Fliegertruppe ausgeliefert. Aus der Militärdienstzeit, die bis 1948 dauerte, existieren leider keine schriftlichen Unterlagen mehr. Das erste Papier fand sich nun im Nachlass eines Militärpiloten, der zu Grenchen einen sehr starken Bezug hat: Ernst Knab, der mit einer Landung am 12. April 1931 den Grenchner Flugplatz eröffnete.

Knab in der neuen Dewoitine

Nur zehn Tage, nachdem die Grenchner Dewoitine HB-RAG abgeliefert wurde, flog sie Ernst Knab im Wiederholungskurs der Jagdfliegerkompanie 14. Die Kompanie absolvierte ihren Dienst auf dem Flugplatz Spreitenbach, wo heute das Limmattal mit Einkaufszentren zubetoniert ist. Am 1. September 1931 machte er mit der Dewoitine, welche heute noch die militärische Nummer 286 trägt, einen ersten Flug. Es scheint fast so, als habe Ernst Knab geahnt, dass dieses Flugzeug Jahrzehnte später einen Bezug zu seinem damaligen Wohnort erhalten wird: Die 286 war während der ganzen Dauer des Wiederholungskurses sein persönlich zugeteiltes Flugzeug. Zwischen dem 1. und 14. September flog er mit diesem Flugzeug nicht weniger als 26 Missionen. Offenbar waren Manöver im Gange, denn mehrmals berichtet er, dass ein Absuchen der Front der Flugauftrag war. Neben Spreitenbach landete er auch in Luzern und lieferte die Dewoitine mit einem siebenminütigen Flug am 14. September 1931 wieder in Dübendorf ab, von wo er die Maschine für die Dauer des Wiederholungskurses geholt hatte.

Die 38 Büchlein im Format A6 mit Flugrapporten aus dem Nachlass von Oberleutnant Ernst Knab sind ein wahrer Fundus für den Luftfahrthistoriker. Sie geben Aufschluss über die fliegerischen Tätigkeiten eines Militärpiloten von 1928 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Zeit und Ort sowie der verwendete Flugzeugtyp und der Flugauftrag sind präzise nachzuvollziehen.

In der Uhrenindustrie tätig

Der aus Waldenburg (BL) stammende Ernst Knab wurde 1904 geboren und 1927 zum Militärpiloten brevetiert. Er arbeitete als Techniker in der Grenchner Uhrenindustrie. Gemäss den im Bundesarchiv vorhandenen Akten wohnte Knab 1935 in Grenchen an der Alpenstrasse 12. Später ist die Breitengasse 11 dokumentiert, wo sich heute das Heilpädagogische Schulzentrum befindet. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg zog Ernst Knab aus beruflichen Gründen mit seiner Familie nach Winterthur um. Er blieb mit Grenchen aber zeitlebens eng verbunden und besuchte noch im hohen Alter die fliegerischen Anlässe und die Generalversammlungen der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen und des Aero-Clubs Grenchen. Er verstarb 1998.

Einer seiner letzten Besuche in Grenchen fand anlässlich der General Aviation Show im Juni 1991 statt. Damals konnte der Autor dieses Beitrags ihn und seine Frau Maria vor der Lausanner Dewoitine D.26 HB-RAI/284 fotografieren (die Grenchner Dewoitine war damals noch ein flugunfähiges Wrack). Ganz der alte Grandseigneur und Offizier versteckte er während der Aufnahme seinen Gehstock hinter seinem Rücken. Er selber wusste damals wohl selber nicht mehr, dass er genau dieses Flugzeug mit der Nummer 284 am 22. Februar 1933 in zwei Flügen ab Thun benutzt hatte. Dank seinen fein säuberlich geschriebenen Rapporten ist dies heute noch dokumentiert...

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