Grenchenberg
Der Elektromotor siegt gegen die pure Muskelkraft

12 Kilometer, 763 Höhenmeter: Das Rennen am Grenchenberg fordert die Teilnehmer. Sie entscheiden selbst, wie viel Anstrengung sie auf sich nehmen. Die Strecke kann entweder mit purer Muskelkraft oder mit Hilfe eines Elektromotors zurückgelegt werden.

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Velobegeisterte warten bei der Holzerhütte auf den Start des Rennens
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Pure Muskelkraft gegen Elektromotor beim Spassrennen am Grenchenberg
...oder doch die «Elektromäuse» das Duell auf den Obergrenchenberg?
Schon unterhalb der «Bättlerchuchi» liegen die «Elektromäuse» Daniel Molliet, Reto Romano und Toni Roggo (von rechts nach links) voraus
Im Fahnenhang führen Molliet und Romano das Feld an.
Schliesslich gewinnt Molliet knapp vor Romano.
Fachsimpeln der «Muskelkater» im Ziel

Velobegeisterte warten bei der Holzerhütte auf den Start des Rennens

AZ

Der letzte BGU-Bus des Samstagkurses brachte gerade die Sonnenausflüger vom Grenchenberg ins Tal, als sich die rund 20 Velobegeisterten bei der Holzerhütte für das Plauschrennen «Muskelkater» gegen «Elektromäuse» vor der Startlinie versammelten.

Ursprünglich gings um eine Rösti

Vor den Teilnehmern lagen rund 12 Kilometer und 763 Höhenmeter bis auf den Obergrenchenberg. Zurückzulegen galt es diese auf zwei Rädern wahlweise mit oder ohne Elektromotor. «Der Elektromotor darf höchstens 250 Watt Leistung haben», erklärte Toni Roggo vom Grenchner Velogeschäft «hyperspace». Er organisierte wie schon im vergangenen Jahr das Plauschrennen auch heuer erneut.

In den Jahren zuvor war es vielmehr eine private Wette zwischen Roggo und dem Rennradfahrer Beni Eicher gewesen. «Es ging jeweils um eine Rösti im Bergrestaurant», so Roggo. Er gewann mit dem Elektrovelo jeweils hauchdünn, sodass man sich gezwungen sah, die Wette zu wiederholen. Nach mehreren Jahren des Wettkampfes im privaten Rahmen, entschied man sich 2011 erstmals, den Anlass öffentlich zu machen und mit der Velo-Expo bei der Holzerhütte zu kombinieren.

Entsprechend stammte auch heuer die Mehrheit der auf den Start wartenden Männer und Frauen aus der regionalen Veloszene oder dem Umfeld Roggos. Fast zuvorderst wartete Daniel Molliet vom «Velo Süd» auf den Start, zusammen mit einem klassischen «Flyer» aus seinem Shop. Er sei letztes Jahr noch als «Muskelkater» ohne Elektrounterstützung auf den Grenchenberg geradelt. «In der Zwischenzeit bin ich aber vierzig geworden, jetzt gönne ich mir die Batterieunterstützung», so Molliet lachend. Pünktlich um 18.15 Uhr ging für ihn und die restlichen Velobegeisterten das Rennen auf der gesperrten Grenchenbergstrasse los.

Fast ohne Schweiss

Schnell zeigte sich: Wer mit purer Muskelkraft zum gemeinsamen Nachtessen auf den Obergrenchenberg wollte, der hätte seine Bestellung gut und gerne den Elektromäusen mitgeben können. Letztere waren schon auf den ersten Metern voraus. Es entwickelte sich eine Spitzengruppe mit Daniel Molliet mit «Flyer» und Reto Romano auf einem «Sinus»-Velo - beide unterwegs mit einem 250 Watt starken Elektromotor.

«Mit seinem Akku war Romano in den Steigungen im Vorteil», erklärte Molliet später im Ziel. Trotzdem blieb der Mitinhaber von «Velo Süd» Romano fast immer am Hinterrad - bis zum Schlussspurt auf dem Obergrenchenberg. Auf der flacheren Strecke konnte Molliet mit seinem «Flyer» wieder Boden gutmachen. Er erreichte das Ziel mit einer Zeit von 30 Minuten und drei Sekunden knapp eine Sekunde vor Reto Romano, die «Muskelkater» waren einmal mehr geschlagen.

Den beiden «Elektromäusen» war praktisch keine Erschöpfung anzusehen. «Ich habe immer noch mehrere Striche», sagte Romano mit Blick auf seine verbleibende Akkuleistung.

Dafür kämpften die «Muskelkater», die nach und nach eintrafen: Der ehemalige Waffenläufer Martin «Tinu» Schöpfer war der erste, der die Strecke nur dank seiner Beinmuskulatur hinter sich brachte. Er kam nach 38 Minuten sogar noch vor Toni Roggos Kollege Beni Eicher ins Ziel. Ob Eicher nun Roggo trotzdem noch eine Rösti spendierte, ist nicht bekannt.