«Es bringt nichts, wenn wir mit dem Kopf durch die Wand rennen», sagt Alexander Kohli, Präsident der FDP Stadt Grenchen. Deshalb werde sich der Vorstand überlegen, das Rennen um die Stadtpräsidentenwahl wieder zu öffnen. «Der Vorstand muss sich klar darüber werden, wie die Partei im Sinne eines Gesamterfolges am besten vorgeht.» Auch wenn Kohli das nicht direkt sagt: Der Einervorschlag Hubert Bläsis wankt. François Scheideggers Chancen sind intakt.

In Stein gemeisselt ist bei den Liberalen plötzlich nichts mehr. Vielmehr scheint der Lehm, aus dem sie einen Kandidaten für die Stadtpräsidentenwahl im nächsten Jahr formen wollen, noch gar nicht trocken. Andere bürgerliche Parteien langen drein und kneten tüchtig mit. Nachdem der FDP-Vorstand vergangenen März seinen Einervorschlag des Vize-Stadtpräsidenten Hubert Bläsi vorstellte, verursachte dieser Mehrheitsentscheid aber nicht nur bei SVP, CVP und GLP, sondern auch intern einigen Aufruhr. Viele wünschten und wünschen sich noch den zweiten Mann, der im Spiel ist, als FDP-Kandidaten, und zwar François Scheidegger, früherer Stadtschreiber und heutiger Amtsgerichtspräsident Solothurn-Lebern (wir berichteten).

Notfalls als Gegenvorschlag

Kohli will nicht für den gesamten Vorstand sprechen, schliesslich habe er dort auch als Präsident nur eine Stimme. Es sei daher auch offen, mit welchem Vorschlag der Vorstand im Spätherbst an der Nominationsversammlung an die Mitglieder trete. Aber der Präsident nimmt die Bewegungen innerhalb der Partei ernst.

«Es kann nicht sein, dass wir intern polarisieren, sondern der Vorstand muss die Partei repräsentativ führen», erklärt er und spielt darauf auf die gehäuften Meinungen innerhalb der FDP an, welche mit dem bisherigen Einzelvorschlag ihres Vorstands nicht einverstanden sind, und sich daher bereits gruppiert haben, um notfalls François Scheidegger als Gegenkandidaten zu bringen.

Ziel der Gruppe ist es aber nicht, Unruhe zu stiften, oder die Partei zu entzweien, wie alt FDP-Kantonsrat Hans Graf – einer der Sympathisanten – auf Anfrage erklärt. «Wir wollen nun die Nominationsveranstaltung abwarten und schauen, was der Vorstand macht.» Überdenkt dieser tatsächlich sein forsches Vorgehen mit Alleinvorschlag Hubert Bläsi, wäre man zufrieden. Wenn nicht, soll François Scheidegger aus der Versammlung heraus als Gegenkandidat vorgeschlagen werden. «So lange Scheidegger zur Verfügung steht, werden wir ihn mit Bestimmtheit vorschlagen, das steht fest», sagt Graf stellvertretend für die weiteren Gruppenmitglieder. François Scheidegger selbst gibt sich zweideutig. Er hat aber schon mehrfach erklärt, dass er derzeit nicht Kandidat sei – der Partei aber durchaus zur Verfügung stehe, wenn sie ihn wolle.

Scheidegger bleibt Favorit

Aus Sicht der Gruppe ist es richtig, dass der FDP-Vorstand nochmals über die Bücher geht. Die anderen bürgerlichen Parteien bekräftigten gestern auf Nachfrage ihre bisherige Haltung, und dass Scheidegger weiterhin Wunschkandidat bleibt. Eric von Schulthess (GLP) will sich im Falle einer Einzelkandidatur Bläsi als Sprengkandidat aufstellen, Richard Aschberger (SVP) hält klar an Scheidegger fest. Viele Freisinnige hoffen, dass die Partei nun doch geeint in die Nominationsveranstaltung und die Wahlen starten kann.

Sicher: Wollen die Bürgerlichen eine Chance haben, müssen sie sich gemeinsam ins Gefecht ums Stadtpräsidium stürzen. Das sagt selbst Ruedi de Toffol (FDP), ehemaliger Finanzverwalter und Mitglied der Gruppe, die sich für Scheidegger einsetzt. Er habe grundsätzlich gegen keinen der beiden Kandidaten etwas. «Ich bin aber der Meinung, dass ein bürgerlicher Kandidat nur dann eine Chance hat, wenn alle bürgerlichen Parteien hinter ihm stehen. Diese Tatsache muss die Partei ernst nehmen.»