Anhand des Flughafens Grenchen und der Weissenstein-Kette des Juras ist die Orientierung in den beiden Vergleichsaufnahmen einfach. Die Hasenmatt, mit 1444 m ü. M. der höchste Punkt des Kantons Solothurn, thront auf beiden Bildern über den Gebäuden des Flugplatzes. Es ist eine Situation, wie sie ein Pilot im Anflug auf die Piste 07, also Richtung Osten, zu sehen bekommt. Allerdings sieht man dies nur im linken Augenwinkel, da der Blick in dieser Flugphase konzentriert auf die hier nicht abgebildete Piste gerichtet ist.

Das historische Bild ist nicht datiert, aber dürfte kurz vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen worden sein. Auf dem Boden ist der Doppeldecker De Havilland DH-60 Moth auszumachen, der laut der Registrierung HB-AFI im Jahr 1937 ins schweizerische Luftfahrzeugregister eingetragen wurde. Er gehörte der Aero Union AG. Ein Flugzeug des gleichen Typs ist eben am Starten. Noch fehlt die nach den vorhandenen Unterlagen im Jahr 1938 erstellte Halle der Firma Farner Flugzeugwerke an der Flughafenstrasse, die heute noch steht und auf dem aktuellen Bild hinter dem Airport Hotel gut auszumachen ist.

Auf dem Flugplatz trifft im Moment der Aufnahme eine Motorenwagenkolonne der Armee ein. Neben dem Militärhangar sind zwei Fliegerzelte aufgestellt, in denen die Jagd- und Aufklärungsflugzeuge untergestellt wurden. Offenbar ist es der Wiederholungskurs einer Fliegerkompanie, was in den 1930er-Jahren mehrmals der Fall war. Auch im Krieg war der Flugplatz vom Militär besetzt: Am 28. August 1939 rückte im Zuge der Mobilisation der Armee die Fliegerkompanie 12 in den Aktivdienst ein, die bis zum Frühling 1940 in Grenchen stationiert blieb. Dass es sich um eine Aufnahme dieses Datums handelt, ist unwahrscheinlich, da der zivile Flugbetrieb ab Mobilmachung sofort eingestellt respektive verboten wurde.

Keine Bäume und keine Häuser

Auf dem alten Foto fällt auf, wie die Witi einen sehr ausgeräumten Eindruck macht. Dies ist auf allen historischen Aufnahmen aus dieser Zeit ersichtlich. Heute hat es, zumindest entlang der Bachläufe, einen guten Bestand an Bäumen. Dafür hat es noch keine Gebäude in diesem wertvollen Landwirtschaftsland. Das neue Foto zeigt, dass schräg hinter dem Flughafen der Landwirtschaftsbetrieb Affolter erstellt wurde; es ist eine Aussiedlung aus dem Stadtzentrum, die Familie hatte ihren Bauernbetrieb ursprünglich an der Bachstrasse gleich neben dem heutigen Coop City. Links neben dem Bauernhof ist der Werkhof des Bauunternehmens Gurtner ersichtlich.

Die heutige Aufnahme zeigt zudem die Firmengebäude im Hundsacker entlang der Neckarsulmstrasse. Dahinter ist deutlich zu sehen, wie Grenchen und Bettlach siedlungsmässig zu einer einzigen Einheit zusammengewachsen sind. Im südlichen Bettlach sind ebenfalls heutige Firmengebäude auszumachen und das Mathys-Hochhaus, die natürlich auf dem historischen Foto noch fehlen.

Noch ein Wort zur Flughafenstrasse: Beim Neubau des Autobahnzubringers wurde sie abgezweigt in Richtung des heutigen «Starfighter-Kreisels». Die ehemalige Strasse entlang des Flugplatz-Areals, die auf dem alten Bild gut zu sehen ist, wurde renaturiert.