Grenchen
Der Bingo Schuh-Discount geht schon Ende Woche zu

Der Schuhdiscounter Bingo schliesst seinen Laden an der Maienstrasse in Grenchen Ende dieser Woche. Alle drei Mitarbeitenden verlieren ihre Stelle. Schuld an der Schliessung soll das Internet bzw. das veränderte Kaufverhalten sein.

Oliver Menge
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Der Bingo Schuh-Discount an der Maienstrasse neben «Otto» geht Ende Woche zu.

Der Bingo Schuh-Discount an der Maienstrasse neben «Otto» geht Ende Woche zu.

Oliver Menge

In diesen Tagen war in dieser Zeitung ein Inserat platziert, das auf die Totalliquidation beim Bingo Schuh-Discount an der Maienstrasse hinweist. Der Laden zwischen Otto und Migros-Outlet ist eine von rund 95 Filialen des Discounters und soll nun geschlossen werden. Auf der firmeneigenen Homepage figuriert eine Karte mit allen Standorten der Filialen in der Schweiz. Bezeichnenderweise fehlt die Filiale Grenchen dort schon jetzt.

Eine Mitarbeiterin des Ladens bestätigt auf Anfrage, dass nur noch diese Woche geöffnet sei und das Geschäft danach für immer schliesse. Alle drei Mitarbeitenden haben ihre Stelle verloren. Man habe ihnen zwar Jobangebote gemacht, sagt die Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, aber es habe nichts gepasst. «Entweder waren es zu wenige Stellenprozente oder dann der falsche Arbeitsort. Es hat für keine von uns gestimmt.» Sie selber habe glücklicherweise eine andere Stelle gefunden.

Grenchen sei nicht die einzige Filiale des Bingo Schuh-Discount, die schliessen müsse, so die Mitarbeiterin. Kirchberg und Zofingen seien bereits geschlossen worden, und es würden mit Bestimmtheit noch weitere Filialen folgen in den nächsten zwei Jahren.

Das Internet ist schuld

Bingo ist der Discount-Vertriebskanal der Firma Karl Vögele AG – nicht zu verwechseln mit dem Konzern Charles Vögele, der vom italienischen Modekonzern Oviesse OVS übernommen wurde und momentan in Auflösung begriffen ist. Die Karl Vögele AG ist ein Familienunternehmen, das bereits in dritter Generation im Schuhdetailhandel tätig ist (siehe Kasten). Unter den Namen «Vögele Shoes, Max Shoes und Bingo Shoe Discount» verkauft man schweizweit Schuhe diverser Marken.

Vögele ist nicht gleich Vögele

Die Karl Vögele AG ist ein eigenständiges Familienunternehmen. Die Aktiengesellschaft beschäftigt rund 1 700 Mitarbeiter. An ihrer Spitze stehen Adrian Grossholz als CEO und Max Manuel Vögele, Enkel von Karl Vögele, als Verwaltungsratspräsident. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der 1922 von Karl Vögele in Uznach eröffneten Schuhmacherei. 1955 weitete er auf den Schuhversandhandel aus. 1956 eröffnete er das erste Schuhmode-Geschäft in Chur. Die Gründung der Karl Vögele AG erfolgte 1960 durch den Eintritt des Sohnes Max Vögele – dessen Bruder gründete die Charles Vögele Holding AG, die letztes Jahr an OVS verkauft wurde.

Unter verschiedenen Markennamen vertreibt das Unternehmen Karl Vögele AG in der Schweiz ein Schuhsortiment über einen Online-Shop, über knapp 200 Filialen, 75 Verkaufsstellen und 13 Stores., darunter seit 1990 auch mehr als 95 Filialen der Tochterfirma «Bingo Shoe Discount».

Aktionäre sind die Geschwister Max Manuel Vögele, Alexander Vögele, Patricia Vögele, Paul Vögele und Hans-Peter Vögele. (om/ Wikipedia)

Die Karl Vögele AG musste in den letzten Jahren empfindliche Einbussen hinnehmen, so wie die meisten Unternehmen in diesem Bereich. Wie Vögele-Shoes-CEO Adrian Grossholz letztes Jahr dem «Blick» gegenüber äusserte, lag der jährliche Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich. Die Kunden wandern mehr und mehr ins Internet ab zu Zalando und Co. Auch Vögele Shoes musste reagieren und schloss rund ein Dutzend Filialen.

Die Grenchner Bingo-Filiale lief nach Angaben der hiesigen Mitarbeitenden eigentlich nicht schlecht. Aber eben auch nicht gut. «Wir haben den Umsatz in den letzten Jahren immer halten können, aber wir konnten ihn auch nicht steigern. Das war wahrscheinlich der Grund für die Schliessung», vermutet die Mitarbeiterin. Eine entsprechende Nachfrage beim Hauptsitz wird folgendermassen beantwortet: «Im Rahmen der normalen Standortoptimierung, fanden in Grenchen und Umgebung nach Marktbeobachtungen Bereinigungen statt.» Konkret: In Grenchen gibt es ausser der Bingo-Shoe-Filiale auch eine Filiale von Vögele Shoes im Coop-Gebäude auf der gleichen Etage wie das Restaurant. Am Hauptsitz in Uznach am Zürichsee hat man beschlossen, den Fokus künftig nur noch auf diese Filiale zu legen.

Seit Jahren ist man am Kämpfen

Im Jahr 2015 verkaufte das Unternehmen sämtliche Anteile an der im Jahr 1965 gegründeten österreichischen Tochter an die LMC Schuhe Österreich GmbH mit Sitz in Berlin. Rund 70 Läden wurden auf einen Schlag verkauft und man beschloss, sich auf den Schweizer Markt zu konzentrieren.

Ende 2015 begann man mit der Flucht nach vorne und dem Umbau einiger Filialen. Das neue Konzept, das man bis Ende 2017 in einem Teil der Filialen umsetzen will und das wahrscheinlich sehr viel Geld kostet, setzt voll auf die Schweizer Frauen. Sie können an Computerterminals und modernen Online-3D-Konfiguratoren ihre eigenen Schuhe designen.

Die Frage, inwiefern die Filiale im Coop Grenchen ebenfalls in den Genuss einer Modernisierung kommen könnte, wird vom Hauptsitz wie folgt beantwortet: «Der Zeitpunkt für eine Digitalisierung des Filialstandort Grenchen ist im Moment noch nicht definiert. Wir rüsten vorerst die Standorte digital auf, die zum Teil zentral in grösseren Bahnhöfen und in Flughäfen liegen. Auch Grenchen gehört zu den Standorten, die sich über erste digitale Umsetzungen der verkaufsunterstützenden Massnahmen via Tablets und App freuen dürfen». Mit anderen Worten: In Grenchen backt man kleine Brötchen, per App.

Am Samstag, 18. Februar 2017, ist der letzte Verkaufstag der Bingo-Shoe-Discount-Filiale an der Maienstrasse. Bis dahin gibt es auf das gesamte Sortiment im Laden 70 Prozent Rabatt.