Mehrheitlich fällt das Urteil positiv aus, vor allem die direkt betroffenen Städte Biel und Brugdorf finden lobende Worte für den Grossratsentscheid. In der Stadt Bern hingegen reagiert man etwas konsterniert.

Tschäppät: «Regionalpolitik vor Bildungspolitik gestellt»

Bei den Entscheiden des Berner Kantonsparlaments zur Fachhochschule sei die Regional- der Bildungspolitik vorangestellt worden, sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät am Donnerstag auf Anfrage.

Der Kanton habe eigentlich eine Konzentration der Fachhochschule angestrebt, «nun macht man praktisch das Gegenteil», führte Tschäppät aus.

Der Grosse Rat habe ein Bekenntnis zu Burgdorf abgegeben, ohne zu wissen, welche Abteilungen der Fachhochschule er von Bern nach Burgdorf abziehen wolle. Ein solches Unterfangen dürfte bei der konkreten Umsetzung nicht einfach werden, vermutet Tschäppät.

«Guter Entscheid für ganzen Kanton Bern»

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr hat die Entscheide des Grossen Rats zu den künftigen Standorten der Berner Fachhochschule mit Freude aufgenommen. Er spricht von einem guten Tag nicht nur für die Stadt Biel, sondern auch für den ganzen Kanton Bern.

Der Grosse Rat habe Entscheide getroffen, die Klarheit schafften und trotzdem auf die regionalpolitischen Gegebenheiten Rücksicht nähmen. Fehr zeigte sich auch froh darüber, dass die Entscheide deutlich ausgefallen sind.

Gut seien die Entscheide für den Kanton Bern auch, weil Burgdorf Hand geboten habe für neue Aufteilungen der Berner Fachhochschule. Das scheine ihm die Gewähr dafür, dass für die Fachhochschule eine gute Zukunft möglich sei.

«Etappensieg der Vernunft»

In der Region Biel ist die Freude über die Entscheide des Berner Kantonsparlaments zur Fachhochschule gross. Das Komitee Campus Biel/Bienne spricht von «einem Sieg der Vernunft».

Das Parlament habe bildungs- und wirtschaftspolitische Kriterien höher gewichtet als die regionalpolitischen Komponenten, sagte Sibylle Thomke Präsidentin der Wirtschaftskammer Biel-Seeland und Co- Präsidentin des Komitees Campus Biel/Bienne am Donnerstag laut Mitteilung.

Mit den Entscheiden werde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Fachhochschule gestärkt, sondern auch konkrete Massnahmen gegen den Fachkräftemangel im Kanton Bern eingeleitet.

«Ein Freudentag»

Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) hat sich nach dem Entscheid des Grossen Rates überglücklich gezeigt: «Das ist ein Freudentag für das ganze Emmental und den Oberaargau», sagte Zäch der Nachrichtenagentur sda.

Dass die Standort-Frage hoch umstritten sei, zeige genau die Bedeutung der Fachhochschule für eine Region. Mit dem Bekenntnis des Parlaments zu Burgdorf «haben wir nun ein Pfand für die weiteren Planungsarbeiten in der Hand».

Die Regierung wollte den Standort Burgdorf ursprünglich aufgeben. In der vorberatenden Kommission sei ihr dann klar geworden, dass sich das Ruder noch herumreissen lasse, berichtete Zäch. Denn trotz stundenlanger Propaganda der Regierung sei immer mehr Grossräten klar geworden, dass der Regierungsrat kein sinnvolles Konzept habe.

Als sich die Kommission zwar für Burgdorf ausgesprochen habe, aber zugleich den Campus Biel reduzieren wollte, sei ihr klar geworden, dass es eine Burgdorf-Biel-Achse im Grossen Rat brauche. Dass das Resultat am Ende so deutlich zugunsten Biel und Burgdorf ausgefallen sei, erstaune aber sogar sie.

Zäch betonte, Burgdorf beharre im Prinzip auf dem Wortlaut der Planungserklärung: «Wir wollen BFH-Standort bleiben.» Man lasse sich nicht mit irgendwelchen Kompensationen abspeisen. Denkbar sei aber, dass sich im Lauf der Planung eine valable Alternative zum Fachhochschul-Standort ergebe. (sda/edi)