Bevor man bei einem Unentschieden ein Penaltyschiessen durchführte, waren Wiederholungsspiele, Münzwürfe oder Losziehungen die Regel. Mit dem offiziell 50. Uhrencup soll nun auch das Penaltyschiessen als Spielentscheid seinen 49. Geburtstag feiern. Das sagt zumindest der Grenchner Kurt Weissbrodt, welcher die Erfindung des Penaltys für sich beansprucht. Ein Blick ins Zeitungsarchiv gibt ihm Recht.

Blick zurück in die Anfänge des Uhrencups

Blick zurück ins Jahr 1962: Der FC Grenchen ist eine nationale Topmannschaft und spielt schon mehr als 20 Jahre in der Nationalliga A. Es sit noch nicht lange her, da verbuchte man mit dem Cuptitel (1:0 gegen Servette) den bis anhin grössten Sieg der Klubgeschichte. Solche Erfolge benötigen ein modernes Stadion, da sind sich die Grenchner einig.

So ändert sich in Grenchen vieles. Im Stadion Brühl werden eine neue Tribüne und eine Flutlichtanlage errichtet. Zur Einweihung dieser baulichen Neuerungen entscheiden sich die Grenchner Klub-Mitglieder, darunter auch Kurt Weissbrodt, einen Cup zu veranstalten. Für diesen «Uhrencup» fordern sie bei der Fifa und dem Schweizer Fussballverband ein Turnierreglement an.

Penaltys als kräfteschonende Massnahme

«Man stelle sich vor, der Uhrencup war in der Vorsaison anberaumt und als Vorbereitungsturnier gedacht. Die Spieler hätten sich mit Wiederholungsspielen nur geschwächt», erzählt Kurt Weissbrodt. Vor 49 Jahren setzte er sich zusammen mit Max Schneider, dem damaligen Präsidenten des FC Grenchen, zusammen und suchte eine Lösung. Diese war schnell gefunden. Bei Unentschieden sollte ein Spieler jeder Mannschaft zu fünf Penaltys nacheinander antreten. Das Penaltyschiessen als Entscheidung war geboren. Der Verband erlaubte diese Reglementsänderung.

Premiere am ersten Turnier

Gleich am ersten Uhrencup kam es zur Premiere. Nachdem Grenchen zum Auftakt gegen Biel gewonnen hatte, spielte der Royal Club Brugeois gegen die AC Como. Dieser Match blieb unentschieden und es kam zum ersten Penaltyschiessen der Geschichte. Der Royal Club Brugeois traf besser und zog in den grossen Final gegen Grenchen ein.

«Das ist ein Witz und eine Frechheit!»

Damit wäre die Story des Penaltyschiessens eigentlich erzählt. Wenn da nicht ein bayrischer Schiedsrichter namens Karl Wald wäre. Die Geschichtsbücher sprechen nämlich eine andere Sprache: Wald hat 1970, also acht Jahre nach Weissbrodt, an einem Verbandstag in Bayern das Penaltyschiessen als reguläre Entscheidung vorgeschlagen. Er gilt deshalb als dessen Erfinder. «Das ist ein Witz und eine Frechheit», kommentiert Kurt Weissbrodt. «Wir waren die Ersten!»

Angesichts dieser «Frechheit» hat Weissbrodt den Verband angefragt und im klubeigenen Archiv gesucht, doch das damalige Reglement sei nirgends auffindbar. Das Einzige, was ihm noch bleibt, ist das «Grenchner Tagblatt» vom 17. August 1962. Und dieses gibt ihm Recht. «Brügge siegt durch Penaltieschiessen», heisst es da. Sogar das abgeänderte Reglement wird erwähnt. Anscheinend führte es zu «Konfusion» auf dem Platz, nachdem es nach der regulären Spielzeit unentschieden gestanden hatte.

Somit ist bewiesen, dass die Grenchner um Kurt Weissbrodt definitiv die Erfinder des Penaltyschiessens als Spielentscheidung sind. Die Geschichtsbücher müssen also zwingend umgeschrieben werden.

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