Obergrenchenberg

Der Berg wurde als Mülldeponie missbraucht

Eine der drei Dolinen, in denen illegal Abfall deponiert wurde, liegt direkt neben dem Hof.

Eine der drei Dolinen, in denen illegal Abfall deponiert wurde, liegt direkt neben dem Hof.

In mehreren Dolinen auf dem Obergrenchenberg wurden alte Pneus und Siedlungsabfälle gefunden. Wer den Abfall dorthin gebracht hat, ist nicht bekannt.

«Eine absolute Schweinerei, die da oben passiert ist», meint der Informant, der anonym bleiben will, dieser Zeitung gegenüber. Bereits Mitte Mai waren in mehreren Dolinen auf dem Obergrenchenberg Siedlungsabfälle, alte Autoreifen, Bauschutt, Rasenschnitt und Ascherückstände entdeckt worden. Zwischen der ersten und zweiten Jurakette findet man beim Obergrenchenberg rund dreissig dieser Dolinen, sie stehen alle unter kantonalem Naturschutz und liegen in einem Grundwasser-Einzugsgebiet. Dolinen sind Karsttrichter von mehreren Metern Durchmessern, die durch Lösung und Ausspülung des Oberflächengesteins entstehen.

Wer den Abfall dort deponiert hat, ist bisher unbekannt. Aber die Bürgergemeinde Grenchen, welche Grundeigentümerin der Grenchenberge ist, erfuhr davon und reagierte sofort. Sie nahm das Gespräch mit dem Pächter des Obergrenchenbergs, Alfred Schmidig, auf. Denn die drei betroffenen Dolinen liegen in unmittelbarer Nähe zum Restaurant und dem südöstlich davon gelegenen Stall. Wenn jemand etwas über die illegalen Deponien wusste, dann der Pächter. Doch Schmidig hatte keine Kenntnis davon, wie Renato Müller, Verwalter der Bürgergemeinde, auf Anfrage bestätigte.

Laut Müller ist offen, wer für die Deponien verantwortlich ist, denn möglicherweise seien über einen längeren Zeitraum Dinge in den Dolinen gelandet, die dort nicht hingehören. Man sei nun bestrebt, die ganze Angelegenheit in Absprache mit dem Amt für Umwelt und der Einwohnergemeinde so rasch als möglich zu erledigen und den Schaden zu beheben.

Gegenüber dieser Zeitung wollte sich Schmidig laut Aussage seiner Frau nicht äussern.

«Eine höchst unerfreuliche und unangenehme Sache», sagte Müller, denn dieser Vorfall beunruhige auch die Bürgergemeinde und man habe den Fall intern diskutiert. «Das ist ein schwarzer Tolggen im Reinheft der Bürgergemeinde.»

Untersuchung durch Spezialisten

Richard Schild von der Fachstelle Abfallwirtschaft bestätigt auf Anfrage diese Informationen. Das Amt für Umwelt (AfU) habe Ende Mai davon erfahren und Anfang Juli hätten Spezialisten die Sache besichtigt. Mehrere Fachstellen sind betroffen: Die Fachstelle Boden, Abfall und, da die Dolinen im Grundwassereinzugsgebiet liegen, auch die Fachstelle für Gewässerschutz. Weil laut Schild nicht klar ist, ob die Ascherückstände auf Verbrennungen vor Ort zurückzuführen sind, wurde auch die Fachstelle für Luftreinhaltung beigezogen.

Das Amt für Umwelt fand in den drei Dolinen rund 15 Kubikmeter Abfall und Bauschutt. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt Schild, aber der Kanton habe letzte Woche die Gemeinde Grenchen schriftlich aufgefordert, den Abfall fachgerecht zu beseitigen. Dieselbe Aufforderung sei auch an die Bürgergemeinde als Besitzerin ergangen. Und in nächster Zeit werde man auch mit der Stadt und der Bürgergemeinde zusammensitzen und die Sache besprechen.

Teil der Untersuchungen sei auch eine Strafanzeige gegen unbekannt. Ob bereits eine solche ergangen ist, darüber konnte Schild keine Auskunft geben. Aber es sei grundsätzlich verboten, irgendetwas in die Dolinen zu werfen, auch kein Holz, Rasenschnitt oder andere Dinge.

Bürgergemeinde muss bezahlen

Jürg Vifian, stellvertretender Leiter der Baudirektion, hat letzten Freitag ein Schreiben des Kantons erhalten. Der Kanton setzt darin der Gemeinde eine Frist bis zum 31. August, um die illegalen Deponien zu entfernen. Noch sei der Müll oben, davon geht Vifian aus. Der Werkhof werde in den nächsten Tagen das Material unter Beizug des Amtes für Umwelt fachgerecht entsorgen, denn die Stadt sei grundsätzlich für die Abfallbeseitigung zuständig, sagt Vifian. Und es gebe keinen Grund, länger zuzuwarten.

Für die Kosten muss allerdings die Bürgergemeinde als Grundeigentümerin aufkommen, dies hat der Rechtsdienst in den letzten Tagen abgeklärt. «Aber da es sich offensichtlich um eine Straftat handelt, wird man die Kosten am Ende dem Verursacher in Rechnung stellen, sollte man ihn finden», so Vifian.

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