Hinter dem Kinderheim Bachtelen liegt ein schmucker, gut gepflegter Rebberg. Rund 600 Stöcke, 400 Riesling×Silvaner und 200 Blauburgunder, schwer behangen mit Weintrauben, die in der warmen Altweibersommer-Sonne noch ein paar Tage reifen, bevor sie am nächsten Wochenende geerntet werden. Die «Läset» soll aller Voraussicht nach beim Weissen am Freitag stattfinden, dem Roten gibt man noch ein paar Wochen Zeit.

Um den Rebberg und die Weinherstellung kümmert sich der Rebbauverein Bachtelen, den es inzwischen schon über 25 Jahre gibt. Die Mehrzahl der Mitglieder sind mit dem Bachtelen verbandelt, haben hier gearbeitet oder tun das noch immer. Vier der Vereinsmitglieder haben sich am Montag getroffen, um nochmals im Rebberg letzte Arbeiten vor der Ernte auszuführen: Ruth Zurschmiede, Beatrice Ris – sie sind die Rebbäuerinnen des Vereins, Rolf Neuenschwander und Thomas Frey.

Alter Plan gab den Ausschlag

Begonnen hatte das Projekt «Bachtelenrebberg» mit einem alten Plan Grenchens, den Thomas Frey erhielt, auf dem auf dem Gebiet des damaligen Bachtelenbades ein Weinberg eingezeichnet war. Wie alt der Plan ist, der im Gemeinschaftsraum im Kinderheim Bachtelen hängt, kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Er stammt aber aus einer Zeit, in der man noch mit «Fuss» und «Schuh» mass.

Urs Siegrist, der heutige Präsident des Vereins, hatte selber mit Reben experimentiert und fragte 1985 den damaligen Heimleiter des Bachtelen, Anton Meier, ob es eine Möglichkeit gebe, Land des Bachtelen zu pachten und Reben anzubauen. Denn das gehöre doch eigentlich zum Bachtelen, wie der Plan beweise. Man vereinbarte einen Pachtvertrag, der dem Bachtelen einen Zehnten des Ertrags in Flaschenform als Pachtzins sicherte und pflanzte 1986 die ersten Rebstöcke. Schon zwei Jahre später konnte man den ersten Tropfen Riesling×Silvaner geniessen. Ein paar Jahre später kamen dann die Blauburgunder-Rebstöcke dazu. Im Schnitt ergibt der Rebberg zwischen 400 und 500 Liter Riesling×Silvaner und etwa 300 Liter Pinot Noir. «Wir hatten auch schon mal eine Rekordernte beim Weissen: ganze 750 Liter Weisswein konnten wir keltern», sagt Thomas Frey. Allerdings sei der Wein eher wässrig gewesen.

Gute Aussichten

«Dieser Jahrgang verspricht, gut zu werden», sagt Rolf Neuenschwander, das aktuell jüngste Mitglied des Vereins. Eben zurück aus Spanien, wo er bei einem Weinbauern in der Nähe von Valencia auf dessen Gut bei der Ernte mitgeholfen und viel dazugelernt hat, wie er sagt, erklärt, dass die Verarbeitung der weissen Trauben wesentlich einfacher sei, als die Herstellung von Rotwein. «Der Weisse gelingt eigentlich fast immer, beim Roten ist es bedeutend anspruchsvoller, und da ist auch immer eine Menge Glück mit dabei, damit er gut gelingt.» Ein wichtiger Wert mit hoher Aussagekraft über die spätere Qualität sind die Oechsle, die Masseinheit für das Mostgewicht des Traubenmostes. «In Spanien erreicht man Oechslewerte von 125 Grad und mehr. Hier haben wir vor einer Woche bei den weissen Trauben 71 Grad gemessen, das ist noch zu wenig.»

Allerdings hat die Herbstsonne der letzten Tage kräftig mitgeholfen, wie die Messung wenig später beweist: 75 Grad Oechsle beim Riesling und sogar 81 Grad beim Pinot Noir. «Eine gute Ernte ist nicht selbstverständlich bei diesem nassen Sommer», sind sich die vier Vereinsmitglieder einig. Überhaupt sei man in diesem Jahr von Krankheiten und Fäulnis verschont geblieben. «Auch Wespen gibt es wenig in diesem Jahr. Das ist gut für die Trauben. Denn jede Beere, die von einer Wespe angefressen ist, wird sauer.»

Um eine Woche verschoben

Eigentlich war die Ernte schon für letztes Wochenende angesetzt, aber angesichts der ausgezeichneten Wetterprognosen beschloss man, noch eine Woche zuzuwarten. Und damit der Dachs nicht wieder die gesamte Ernte des Pinot Noirs wenige Tage vor der Ernte wegfrisst, wie er das auch schon fertiggebracht hat, ist der gesamte Rebberg rundherum mit einem Elektrozaun geschützt. Vögel haben eh keine Chance, an die süssen Beeren zu gelangen, ein Netz schützt den Rebberg.

Am kommenden Freitag werden die weissen Trauben geerntet, am Samstag gepresst und am Sonntag mit Hefe geimpft. Danach beginnt die Gärung für zwei bis drei Wochen. Dann wird der Grobschlamm entfernt und der Saft luftdicht weitergegärt. Mit Schwefelsäure wird die Oxidation gestoppt und der Wein bis März, April im nächsten Jahr gelagert, bevor man ihn in Flaschen abfüllt. Aus den Traubenhäuten wird übrigens ein edler Marc gebrannt.

Letztes Jahr machte der Verein ein Experiment: Man kelterte erstmals einen spritzigen Rosé, der bei den Vereinsmitgliedern helle Begeisterung hervorrief. Sogar Neuenschwander, der sagt, er sei im Grunde kein Freund von Rosé, ist damit einverstanden, das Experiment unter Umständen in diesem Jahr zu wiederholen.

Der Wein wird übrigens – nach Abgabe des «Zehnten» ans Bachtelen – nicht verkauft, sondern unter den Vereinsmitgliedern verteilt, nach einem Schlüssel, abhängig von der geleisteten Arbeit im Rebberg. Ein paar Flaschen werden am traditionellen Treberwurstessen getrunken, das der Verein für die Mitarbeitenden des Bachtelen organisiert, ebenfalls ein Bestandteil des Pachtvertrags.