Grenchen

«Der Apfel ist schuld» heisst das Programm des Sen-Trios

Der Apfel spielte optisch auf den Sündenfall im Paradies an.

Der Apfel spielte optisch auf den Sündenfall im Paradies an.

Das Sen-Trio begeistert und fordert das Publikum zum Thema Sünde im Kleintheater.

In ihrem Programm «Der Apfel ist schuld» betritt und bearbeitet das «Sen-Trio» das weite Feld der Sünde. Die divenhafte Sängerin Ulrike Andersen, der Poet Jens Nielsen sowie der Pianist und Sänger Hans Adolfsen – aus der letzten Silbe ihrer Nachnamen ergibt sich das Bühnenpseudonym – behandeln in Kurzgeschichten, Gedichten und viel Musik, das menschliche Scheitern, das Fallen in Sünde eben.

Vieles kommt philosophisch-heiter daher, einiges abstrus-skurril und wieder anderes bitterbös ironisierend. Nichts wirkt beliebig. Das Publikum ist denn auch gehörig gefordert, wird zu eigenen Assoziationswegen eingeladen. Dabei bleibt das Programm kurzweilig, die musikalische Bandbreite reicht von der Opernarie über Jazz und Kurt Weill bis zum selbst komponierten Choral.

Zwei Hauptstränge beanspruchen die Aufmerksamkeit des Publikums. In bekömmlichen Häppchen wird das Grimm-Märchen vom Machandelbaum erzählt, in welchem ein Vater unwissentlich seinen Sohn verspeist, nachdem dieser von der Stiefmutter zuerst gemeuchelt und dann kunstgerecht zu einem offensichtlich bekömmlichen Mahl zubereitet wird. Solches Tun kann natürlich nicht ungestraft bleiben. Die Stiefmutter wird ins Jenseits geschickt, der Sohn darf nach einer Metamorphose als Vogel wieder das Irdische betreten.

Episodenhaft «nervt» zudem Jens Nielsen seine Mitspielenden mit Betrachtungen zum Wesen und der höheren Bedeutung von Weihwasser. Darf es auch getrunken oder die Achselhöhlen damit befeuchtet werden? Ist die Wirkung abhängig von der Stellung eines christlichen Würdenträgers? Spielt die Distanz beim Besprühen eine Rolle?

Melancholischer Abgesang auf die Liebe

Dazwischen toben sich die Protagonisten mit absonderlichen, kuriosen, doppelsinnigen und herzerfrischenden Liedern und Texten so richtig aus. Ulrike Andersen brilliert mit laszivem, erotischem Gesang und mit einer mitreissend vorgetragenen Version der blutrünstigen Geschichte um den Grafen Stroganoff (Original: Friedrich Hollaender), in der endlich das Geheimnis um das gleichnamige Filet gelüftet wird. Die beiden anderen Akteure stehen ihr in nichts nach. Das Trio versteht es, thematische Übergänge wie selbstverständlich erscheinen zu lassen.

Ein melancholischer Abgesang auf die Liebe wird besungen, ein im Diesseits stets bescheidener Mensch wird im Jenseits zum Grossmaul, ein Verstorbener findet den Weg zurück in den offenen Sarg, ein Pantoffelheld kann nicht aus seiner Haut, ein Kind malträtiert den Nikolaus und andere; oder es wird die brisante Frage gestellt, ob Gott, da er ja auch Gletscher ist, ebenfalls dahinschmelzt.

Scharfzüngig kommt zudem die Abrechnung mit gewissen Banken und Bankern daher, in der aufgerechnet wird, wie viele Beutezüge es braucht, um nur schon die kolportierte Busse von 13 Millionen Franken auszugleichen (es sind an die 900). Brandaktuell wirkt der parodistische Text auf das Vegetarierwesen, in dem aus Fleischeslust «Fleisch-Esslust» wird. Schliesslich habe Gott die Tiere lecker gemacht und selber Schuld hat man auch sonst nicht, denn: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist zart.

Die drei Künstler sind auch solo unterwegs und erfolgreich. Im Trio verzückten sie das Publikum im sehr gut besetzten Kleintheater. In der vehement geforderten Zugabe zeigten sie nochmals ihr gesangliches und komödiantische Talent. Kurzerhand funktionieren sie dabei ein Nonnenkloster zur Musik aus Easy Ryder (The Fraternity of Man, «Dont Bogart that Joint») zum fidel-rauchenden Tollhaus um: «Roll another one/Just like the other one».

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