Der «Stadtbummler» zieht seinen schönsten Hut und streut Asche auf sein Haupt. Als nämlich im Frühjahr bekannt wurde, dass der Gemeinderat einen «Kompass Stadtentwicklung» unter Einbezug von Fachleuten und der Bevölkerung in Workshops etablieren wolle, dachte er insgeheim: «Na ja, da wird wohl wieder einmal ein gefrässiger Papiertiger genährt». Nada. Innert nur einem halben Jahr hat man ein erstaunliches Resultat erzielt. Und auch wenn noch nichts gewonnen ist, wohl noch der eine oder andere Stolperstein zu umgehen sein wird, ich wiederhole es gerne: «Chapeau, meine Damen und Herren Gemeinderäte!»

Der «Bummler» war übrigens besonders angetan vom Bild mit dem kolossalen Steuerrad, hinter welchem sich die Ratsmitglieder versammelten. Ein Relikt vom einst angedachten Aare- Schiff «Stadt Grenchen», welches dann doch von der «Siesta» in den frühzeitigen Ruhestand geschickt wurde? Oder hat der «Fliegende Holländer» bei seinem Besuch der Sommeroper ein Präsent hinterlassen? Nicht ganz. Aufgetrieben hat das Schmuckstück Gemeinderat Marc Willemin. Der ehemalige Mitarbeiter der Motorfahrzeugkontrolle, der auch für die Abnahme von Schiffen zuständig war, liess seine Kontakte spielen. Das Lenkrad stammt tatsächlich von einem «Holländer» und hat ob seiner schieren Grösse für einige Komplikationen beim Transport gesorgt, die der gewiefte Ex-MFKler selbstredend zu lösen wusste.

Apropos MFK: Diese Abkürzung wird geläufig sein. Aber können Sie noch etwas mit «KiBiBuTa» anfangen? Genau: Kinderbilderbuchtage. Sie sind leider aus Grenchens Kalender verschwunden. Ganz oben auf der Hitliste des «Bummlers» steht jedoch ein Kürzel aus den 1990er-Jahren:«Afgan». Obwohl seine (kurze) «Kiffer-Karriere» schon damals der Vergangenheit angehörte, stellte er sich assoziierend und schmunzelnd die Frage, ob die im Stadthaus jetzt auch auf den Geschmack gekommen seien oder ob es sich um ein wildes Tier handle. «Aufgabenanalyse» mit Massnahmenvorschlägen zur Sanierung der Stadtfinanzen lautete das Ding und dessen Zielsetzung ausgeschrieben. Manchmal wiederholt sich die Geschichte eben doch.

«Heute Gemeindeversammlung», heisst es im Dezember gleich zwei Mal im Parktheater. Einmal ist es die «echte» (am 5.), mit Budget, einmal jene des Komödianten Mike Müller (am 15.), die dem Vernehmen nach auch auf echten Beobachtungen fusst. Da kommt dem Stadtbummler der ketzerische Gedanke, wieso man die beiden nicht zusammengelegt hat, dem Publikumsaufmarsch an der «echten» hätte dies sicher gutgetan. Und ein weiteres, nicht allzu ernst zu nehmendes Gedankenspiel: Hat man den Kompass etwa deshalb gerade jetzt präsentiert, damit die Besucher den Weg an die richtige Versammlung finden?