Berufsmesse
Den «Ruf des dreckigen Handwerkers» auslöschen — IB Live findet zum 10. Mal statt

Regionale Industrieunternehmen öffnen ihre Türen für Schulen, Lehrpersonen und Eltern. Neu sind dieses Jahr auch die Berufsmatur und Berufe aus der Gebäudetechnik vertreten.

Lara Enggist
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Von Jung zu Jung Lernende erklärten den Schülerinnen und Schülern bereits an der IBLive 2014 ihren Beruf.

Von Jung zu Jung Lernende erklärten den Schülerinnen und Schülern bereits an der IBLive 2014 ihren Beruf.

Oliver Menge

Anlageführer, Mikrozeichner, Uhrmacher. Von diesen Industrieberufen haben wohl viele schon gehört, können sich aber nicht viel darunter vorstellen. Dies soll die Berufsmesse «Industrieberufe Live 18 Grenchen» ändern. Vom 1. bis zum 5. Mai öffnen zum sechsten Mal regionale Firmen in Grenchen, Selzach und Bettlach ihre Türen für interessierte Jugendliche, Lehrpersonen und Eltern. «Das Hauptziel ist, Berufslehren zu bewerben», sagt Reto Kohli, Präsident der Stiftung Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung (IHVG). Es gehe aber auch darum, Vorurteile gegenüber Industrieberufen zu beseitigen. Der Ruf des dreckigen Handwerkers hafte noch immer an Industrieberufen. Dem will man laut Kohli entgegenwirken.

Reto Kohli, Präsident der Stiftung IHVG.

Reto Kohli, Präsident der Stiftung IHVG.

Oliver Menge

Das Spezielle an der Messe: Sie findet nicht in einer Halle statt, sondern die Firmen laden die Jugendlichen ins Unternehmen ein. Die Lernenden dieser Firmen erzählen aus ihrem Berufsalltag und die Jugendlichen können vor Ort leichtere Aufgaben übernehmen, Maschinen ausprobieren, erste Berufsluft schnuppern und sich vor allem ein Bild von den verschiedenen Industrieberufen machen. Die Lernenden sollen die Berufe möglichst authentisch vermitteln. «Mit allem Stolz und allen Sorgen können sie den Jugendlichen ihre Erfahrungen im Berufsleben mitteilen», sagt Reto Kohli. Dies sei der Grund, warum auch Lernende die Jugendlichen durch die Berufe führen und nicht nur ausgebildete Fachleute. «Die Erfahrungen sollen möglichst ungefiltert ausgetauscht werden.» Das klappe viel besser, wenn der Altersunterschied nicht so gross sei.

Berufswahl in drei Schritten

Die Messe ist in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch Schulklassen besucht worden. In einem ersten Schritt thematisieren Lehrpersonen die Berufswahl bereits vor dem Messebesuch mit der Klasse. Dafür stellt die Stiftung IHVG Broschüren, Fragebögen und Berufsbeschriebe zur Verfügung. Während des Besuchs in den Firmen werden die Jugendlichen schliesslich von den Lernenden durch die verschiedenen Berufe geführt. Dabei geht es aber nicht nur ums Zuhören und Zuschauen. Wer wolle, dürfe sich an die Maschinen heranwagen: bohren, stanzen und bedrucken. «Natürlich nichts Gefährliches», die Sicherheit habe oberste Priorität. Wer sich für einen Beruf besonders interessiere, könne sich noch vor Ort für einen Schnuppertag bei einer Firma anmelden.

Doch die Messe soll nicht nur Jugendliche der Berufslehre näherbringen, auch den Eltern soll ein positives Bild vermittelt werden. «Mit einer Berufslehre kann man heute Karriere machen», so Kohli. Sie gelte als gute Basisausbildung für weiterführende Wege. Deshalb hat sich die Stiftung IHVG dieses Jahr entschieden, in Selzach einen Informationsstand zur integrierten Berufsmaturität einzurichten. Die Kombination aus Berufslehre und Berufsmaturität ist laut Kohli eine gute Alternative zum Gymnasium, da sie den Zugang zu Hochschulen ermögliche.

IBLive in Grenchen
18 Bilder
Wie setzt man die drei Teile zusammen?
Nur einmal drücken, bitte...
Jedes Teil kommt an seinen Platz.
Jede Schülerin notiert den Namen für die Gravur.
Interessierte Zuhörer beim Werkzeugmacher.
Hier wird die Uhrenschale des Give-aways gestempelt.
Geschafft - die Feder ist raus...
Für Joel Franz aus Biel ist schon fast klar: Er möchte Uhrmacher werden.
Feinmotorik ist gefragt...
Fähigkeitstest: Welches Bild passt zu welchem Satz?
Erklärungen zur CNC-Maschine...
Eine Klasse aus Derendingen beim Kunststofftechnologen.
Dort könnt ihr eure Namen hinterlegen.
Die Ladys begutachten ihr Give-away, einen gravierten Rotor, der später auf eine Uhrenschale montiert wird.
Das Interesse hält sich hier in Grenzen...
Der Rotor wird zurechtgeschnitten.
3-D-Uhrwerk, das auseinandergenommen werden kann.

IBLive in Grenchen

Oliver Menge

Bekannt bedeutet beliebt

Besonders beliebt seien Mechanikerberufe und diejenigen aus der Uhrenbranche. Die Beliebtheit der einzelnen Berufe hängt laut Kohli in erster Linie vom Bekanntheitsgrad ab. Das sei auch der Grund, warum Berufe wie Mikrozeichner oder Drucktechnologe eher unbeliebt seien. «Konstruktionsberufe sind weniger nachgefragt. Dies hat mit dem Angebot an Ausbildungsplätzen zu tun», so Kohli. Grundsätzlich beobachte er, dass die Unkenntnis gegenüber Industrieberufen nicht mehr so gross sei, wie noch vor einigen Jahren. Dennoch bestünden nach wie vor Vorurteile und Wissenslücken welche man mit der Berufsmesse füllen möchte.

Für eine bessere Übersicht sorgt die neue Einteilung der vier Standorte nach Branchen. Bei der «DePuy Synthes» in Bettlach dreht sich alles um die Berufe aus dem Werkzeugbau, der Medizinal- und Stanztechnik. Auch in der «Stryker GmbH» in Selzach kann man sich mit Berufen aus der Medizinaltechnik, aber auch mit Mediengestaltung auseinandersetzen. Die zwei weiteren Standorte befinden sich beide in Grenchen. Berufe aus der Uhrenindustrie werden in der «ETA SA» vorgestellt. Berufe rund um die Gebäudetechnik und Druckfarben werden in der «Rotoflex AG» vorgestellt. Diese Aufteilung in vier Standorte ist kein Zufall. «Ein Polymechaniker in der Uhrenbranche hat andere Aufgabengebiete als ein Polymechaniker in der Medizinaltechnik», sagt Kohli.

200 Schnuppertage vermittelt

Die Rückmeldungen zur Messe seien vonseiten der Lehrpersonen, Firmen und Eltern stets positiv ausgefallen. «Letztes Jahr sind durch die IBLive Grenchen 200 Schnuppertage vermittelt worden», betont Reto Kohli. Man erwartet auch dieses Jahr wieder eine hohe Besucherzahl: Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich schon 2400 Besucher angemeldet. Für individuelle Besuche ohne Anmeldung empfiehlt er die ersten beiden Nachmittage sowie den Samstagmorgen.

Weitere Informationen: www.iblive.ch

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