Grenchen
Dem «Sunnepark» neues Leben einhauchen

Christoph Künzli ist der neue Geschäftsführer des Gesundheits- und Pflegezentrums «Sunnepark». Er will dem Spital mit dem Zentrum und Wohnungen für Senioren und Familien neues Leben einhauchen.

Patrick Furrer
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Der neue Geschäftsführer Christoph Künzli vor seinem neuen Arbeitsplatz auf dem Spitalareal.

Der neue Geschäftsführer Christoph Künzli vor seinem neuen Arbeitsplatz auf dem Spitalareal.

Patrick Furrer

Eine Araberin mit Kinderwagen irrt im Eingangsbereich herum. Sie ist neu in Grenchen. Verunsichert wendet sie sich an den adretten Herrn im dunklen Anzug und fragt, ob das hier denn nicht das Spital sei, sie müsse nämlich zu einem Arzt. Der Empfang allerdings ist verlassen, von Angestellten und einem funktionierenden Spitalbetrieb ist weit und breit nichts zu sehen. Der Mann - auch er ist neu in Grenchen - sagt ihr, dass das Spital so nicht mehr existiert und erklärt ihr den Weg zu einem Arzt in der Nähe. Die Frau bedankt sich und verlässt das Gebäude wieder.

Eine Szene, die verdeutlicht, wie brachial sich die Dinge auf dem Spitalareal Grenchen geändert haben. Die Solothurner Spitäler AG (soH) und der Kanton haben den Standort aufgegeben, nun will die Sunnepark Grenchen AG auf dem Spitalareal ein Gesundheits-, Pflege- und Weiterbildungszentrum sowie 100 hindernisfreie Wohnungen für Senioren und Familien realisieren. Der neue Mann in ihren Reihen ist der Herr im dunklen Anzug: Christoph Künzli.

Im Altersheim aufgewachsen

Fast alle Gänge und Zimmer im Spitalgebäude Grenchen sind leer und verlassen, als der Geschäftsführer sie beim Rundgang vorführt. Nur eine Frauenärztin, die Physiotherapie, der SRK-Blutspendedienst und einige Spezialärzte der Solothurner Spitäler AG (soH), die in Grenchen weiter Sprechstunden anbieten, arbeiten noch hier.

Willi Gyger: «Wir wollen der Sache nicht vorgreifen»

Entgegen der Ankündigung von Anfang März wird die Sunnepark Grenchen AG ihr Vorhaben nun doch nicht an der Mittelländer Ausstellung mia präsentieren. Verwaltungsratspräsident Willi Gyger bestätigte die Absage gestern auf Nachfrage. In Absprache mit dem Architekten sei man zum Schluss gekommen, erst die Genehmigung des Gestaltungsplans abzuwarten, bevor man an die Öffentlichkeit gehe. Nur Visionen vorzustellen, die noch ändern könnten, mache zu wenig Sinn. «Wir wollen der Sache nicht vorgreifen», erklärt Willi Gyger.

So viel ist von den Plänen aber durch Information der Bauherrin bereits bekannt: Die Sunnepark Grenchen AG wird auf dem ehemaligen Spitalareal ein Gesundheits-, Pflege- und Weiterbildungszentrum realisieren. Im Endausbau soll ein geriatrisches Begegnungs- und Kompetenzzentrum mit rund 75 Betten für Langzeitpflege, Pflege bei Demenz, Übergangspflege sowie Ambulanter Pflege entstehen. Geplant ist weiter der Aufbau eines interdisziplinären Gesundheitszentrums mit Angeboten aus der Schul- und Alternativmedizin sowie ein Weiterbildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen.

Auf dem nörldichen Spitalareal werden zudem rund 100 hindernisfreie Wohnungen für Senioren und Familien realisiert. Der Bezug der ersten Wohnungen ist auf Sommer 2014 geplant. Die Gesamtinvestitionen werden vom Mutterkonzern Solviva AG auf 25 bis 30 Mio. Franken geschätzt. Mindestens 60 neue Arbeitsplätze werden geschaffen. (fup)

Künzli war erst ein paar Mal in Grenchen. Seit dieser Woche ist das Neue Spital der Arbeitsplatz des 46-jährigen Unternehmers aus dem Luzernischen Meggen. Künzli wurde per 1. Mai zum neuen Geschäftsführer ernannt. Damit beginnt für ihn nicht nur eine Pendlerphase mit einem Arbeitsweg von rund 75 Minuten, sondern auch eine Herausforderung, die «Challenge» des geplanten Grossprojekts.

«Ich verstehe gut, dass die Grenchnerinnen und Grenchner nach wie vor ihrem Spital nachtrauern», sagt Künzli. Und auch wenn das Spitalambiente etwas vom ersten ist, was er beseitigen will, verspricht er: «Das Spitalareal wird wieder ein Ort der Begegnung werden.»

«Projekt, das zu Grenchen passt»

Künzli bringt viel Erfahrung mit: Nach der kaufmännischen Berufslehrer auf einer Bank baute er mit 25 Jahren sein erstes Bildungs- und Tageszentrum auf. Der Alters- und Pflegebereich wurde ihm in die Wiege gelegt. «Ich wuchs in einem Altersheim auf», erzählt der 46-Jährige. Die Grosseltern führten ein Alters- und Pflegeheim, später auch Künzlis Eltern. Seinen Eltern gehörte die Tertianum-Gruppe, welche in Solothurn die Sphinxmatte realisiert hat. Nachdem die Familie das Unternehmen verkaufte, wechselte auch Christoph Künzli bald seinen Arbeitsplatz. «Ich vermisste die operative Arbeit, die Arbeit mit Menschen», sagt er. So kam er zur Sunnepark Grenchen AG. Ein Unternehmen, welches sich über den Neuzugang freut. Verwaltungsratspräsident Willi Gyger: «Mit Christoph Künzli konnten wir einen erfahrenen und engagierten Mann für unsere Sache gewinnen.»

Künzli sagt: «In Grenchen werden wir etwas realisieren, das zu Stadt und Region passt.» Sowohl von der wohnlichen Ausstattung, wie auch von der Preisgestaltung her. Als Heimleiter und Geschäftsführer führte er diverse stationäre Gesundheitseinrichtungen und war als operativer Gesamtleiter für ein Dutzend Alterseinrichtungen verantwortlich. Zuletzt arbeitete er als selbstständiger Berater im Gesundheitswesen.

Und weil Künzli gut versteht, dass die Grenchner nach wie vor eine spezielle Beziehung zum Areal haben liegt ihm auch am Herzen, persönlichen Kontakt zur Bevölkerung, lokalen Institutionen und den Behörden aufzubauen.

Der Hauswart des ehemaligen Spitals habe ihm erklärt, dass im Spital Grenchen früher eine sehr familiäre Atmosphäre geherrscht habe. Die sei aber in den letzten Jahren immer mehr verschwunden. Heute ist die altehrwürdige Liegenschaft nicht mehr viel mehr als ein von der soH verwaltetes aber verwaistes Gebäude. Für Christoph Künzli steht fest, dass er diese Atmosphäre wieder zurückbringen will. «Das ist eines der Dinge, die mir am Herzen liegen», sagt der Geschäftsführer. «Und ich bin überzeugt, das kriegen wir hin.»