Fesselnde Interpretinnen und Interpreten, ein tanzfreudiges Ensemble sowie ein Liveorchester, das einen eindrücklichen Klangteppich in den Saal zauberte, sorgten für einen beschwingten Abend. Dazu bereicherten Regisseur Ulf Dietrich und Bühnenbildner Dietmar Tessmann die Erfolgsproduktion von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice in der deutschen Fassung von Michael Kunze mit einigen gelungenen Einfällen.

Das Stück erzählt vom Aufstieg der ehrgeizigen, in kleinen Verhältnissen aufgewachsenen Schauspielerin Eva Duarte (de Perón), genannt Evita, zur argentinischen «Nationalheiligen» und einflussreichen Präsidentengattin, die auf ihrem Weg nach oben kaum Skrupel zeigt und ihre Weiblichkeit als gezielte Waffe einsetzt. Sozusagen als Widerpart tritt der junge Revolutionär «Che» auf, der den Mythos Evita kritisch hinterfragt.

Manuel Lopez gibt diesen stimmlich bravourös und sympathisch, vielleicht etwas gar sympathisch, sodass er oftmals mehr als braver Erzähler denn als bissiger Kommentator wirkt. Stephanie Theiss weiss als Evita zu überzeugen. Dabei ist es für sie bestimmt nicht immer einfach, zwischen grossen Gefühlen (Don’t Cry for me Argentina) und sprechgesangartigen Reden zu wechseln.

Ungemein intensiv wirkt dank ausgeklügelter Lichteffekte das Duett der beiden, in welchem sie sich nahe kommen und doch in ihren Welten gefangen bleiben. Michael Hiller füllt die Figur von Juan Perón mit viel Bühnenpräsenz aus und gesteht dem machthungrigen Politiker doch einiges an Emotionen zu.

Die Zuschauer jedenfalls werden bestens unterhalten und in eine Welt entführt, in welcher Fiktion und Realität sich schon mal überlagern, in eine Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die nicht nur in Argentinien noch immer unvergessen ist. Berührend die Schlusssequenz der erst 33-jährigen, todkranken Evita: «Mein Leben, niemand wird es ganz verstehen.»