Jubiläum
Dem Grenchner Volk die eigene Geschichte bewusst machen

Die Museums-Gesellschaft Grenchen feiert ihren 75. Geburtstag mit einer Feier im Kultur-Historischen Museum. 1984 gründete die Gesellschaft zusammen mit der Stadt die Stiftung «Museum Grenchen».

Rainer W. Walter
Drucken
Teilen
Zentrales Anliegen waren für die Mitglieder der Museums-Gesellschaft die Ausgrabungen bei der Burg, die auf Bettlacher Boden liegt.

Zentrales Anliegen waren für die Mitglieder der Museums-Gesellschaft die Ausgrabungen bei der Burg, die auf Bettlacher Boden liegt.

Zur Verfügung gestellt

Am Freitag, den 9. September 1938, trafen sich um Punkt 11 Uhr die Initianten der zukünftigen Museums-Gesellschaft im Büro des Rektors der Grenchner Schulen, René Staempfli. Die bevorstehende Gründung der Museums-Gesellschaft sollte eine klare Antwort Grenchens auf die immer radikaleren politischen Veränderungen in Europa sein, von denen man sich hierzulande bedroht fühlte.

Auf der anderen Seite erinnerte man sich in Grenchen lebhaft an die jüngsten Krisenjahre. Unter dem Zeichen der bewusst gemachten eigenen Geschichte wollte man eine bessere Zukunft in politischer Selbstständigkeit vorbereiten.

Ein optimistischer Start

Anlässlich der Gründungsversammlung befassten sich die Initianten mit der Frage, wer denn als Mitglied der Museums-Gesellschaft infrage kommen könnte. Die Antwort war klar: «Es besteht unter den Vorstandsmitgliedern die Überzeugung, dass sich jeder Mitbürger, der den Bildungswert einer solchen Einrichtung zu schätzen weiss und sich mit Grenchen verbunden fühlt, eine Ehre daraus machen wird, der Gesellschaft anzugehören.»

Als erster Präsident wurde der Industrielle Dr. Rudolf Cäsar Schild gewählt. Sein Vizepräsident war der Schulrektor René Staempfli. Eine wichtige Stellung nahm der Konservator ein. Werner Strub, der Autor des «Heimatbuches Grenchen».

Rudolf G. Schild, erster Präsident der Museums-Gesellschaft.Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1973 aus.

Rudolf G. Schild, erster Präsident der Museums-Gesellschaft.Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1973 aus.

Zur Verfügung gestellt

Nach der Gründung der Museums-Gesellschaft verstrich kein Jahr bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Jetzt wurden auch landesweit die Entrümpelungsaktionen durchgeführt. Bei diesen sollte angesammeltes und auf den Estrichen gelagertes Gut verschwinden, denn man fürchtete damals Angriffe mit Brandbomben. In dieser Phase sorgte die neue Gesellschaft dafür, dass wertvolle Objekte nicht verschwanden, sondern in ihre Sammlung gelangten.

Vorerst wurden die gesammelten Gegenstände in zwei Zimmer der alten Post präsentiert. Doch bereits zu Beginn der Aktivdienstzeit 1939 wurden beide Räume vom Militär beansprucht.

Vier Forschungsschwerpunkte

Die Museums-Gesellschaft wollte sich auch aktiv um die Erforschung der Geschichte Grenchens bemühen. Im Vordergrund standen vier Bereiche: Höchste Priorität wurde Ausgrabungen und Erforschung der Burg Grenchen – Bettle Schloss eingeräumt. Auch die drei weiteren Schwerpunkte waren im Bereich der Archäologie angesiedelt: Die bronzezeitliche Giessereiwerkstatt im Hinzi-Höfli, die Erforschung der römischen Villa und ihrer Nebengebäude im Eichholz und schliesslich die Erforschung des römischen Gutshofes im Gebiet des Kastels.

Es war schliesslich auch die Museums-Gesellschaft, welche die Initiative zur Errichtung eines Bundesrat-Obrecht-Denkmals ergriff. Man sprach damals von einem Brunnen auf dem Marktplatz. Und schliesslich bemühte sich die Gesellschaft um die Erhaltung des «Römerplatzes», der uns heute als Römerbrunnen bekannt ist.

Obwohl viele Mitglieder der Museums-Gesellschaft Militärdienst leisteten, konnte in den Jahren von 1940 bis 1942 das römische Landhaus auf dem Eichholz ausgegraben werden. Damit nicht genug: 1940/41 fand auch die Ausgrabung des berühmten Schalensteins unweit des Römerbrunnens statt. 1942 organisierte die Museums-Gesellschaft eine erste Ausstellung im Luftschutzgebäude.

Ein Jahr nach Kriegsschluss fanden 1946 Ausgrabungen im Hinzi-Höfli statt, und 1949 ging man daran, frühmittelalterliche Gräber auszugraben. Dann endlich, 1962, wurde mit der Ausgrabung des Herzstückes der Museums-Gesellschaft, jene der Burg Grenchen, begonnen.

Die Raumfrage stand auch an der ersten Generalversammlung der Gesellschaft im Vordergrund. Diese fand wegen des Kriegsausbruchs erst am 13. März 1940 statt. Es wurde vereinbart, dass die gesammelten Altertümer im Keller des Bezirksschulhauses gelagert werden. Erst 1962 erhielt die Museums-Gesellschaft im Haus der Stadt an der Breitengasse sowie im Eichholzschulhaus Räume zugesprochen. 1964 bis 1969 wurde das Museumsgut restauriert.

1965 erhielt die Gesellschaft zwei Etagen in den Räumen der ASSA. In der ersten Etage war die Sammlung untergebracht, und die zweite Etage wurde als Ausstellungsplattform benutzt. 1966 zeigte die Gesellschaft in der Galerie Toni Brechbühl die Funde, die bei der Ausgrabung der Burg gemacht wurden. 1968 wurde das Depot in der Zivilschutzanlage des Haldenschulhauses bezogen. 1974 erfolgte die Eröffnung des kleinen historischen Museums an der Breitengasse. Der damalige Stadtarchivar und Präsident der Museums-Gesellschaft, Hans Kaufmann, hatte für die Realisierung jahrelang gekämpft.

1984 wurde die Stiftung «Museum Grenchen» von den beiden Stiftern Museums-Gesellschaft und Stadt Grenchen ins Leben gerufen. Dieser Stiftung übergab die Museums-Gesellschaft ihr Vermögen von 40 000 Franken und ihre Sammlung. 1999 konnte das heutige Kultur-Historische Museum an der Absyte eröffnet werden.

Die Feier «75 Jahre Museums-Gesellschaft» findet am Freitag, 6. September, von 16 bis 20 Uhr im Kultur-Historischen Museum statt. Jedermann ist herzlich eingeladen, besonders aber alle mit Jahrgang 1938, dem Gründungsjahr der Museums-Gesellschaft.

Aktuelle Nachrichten