Stadtbummel Grenchen
Datensicherheit?

Dagobert Cahannes
Dagobert Cahannes
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Beim Kaffee-Trinken wird viel Persönliches ausgeplaudert.

Beim Kaffee-Trinken wird viel Persönliches ausgeplaudert.

Keystone

Wer von uns ist nicht besonders sensibel, wenn es um die Sicherheit im Umgang mit seinen persönlichen Daten geht? Schnell werden wir misstrauisch, wenn es darum geht, Fragebögen auszufüllen oder anderweitig Auskunft zu unserem Privatbereich zu erteilen. Das ist auch richtig so, denn man kann nicht genug vorsichtig sein. Schnell landen unsere Daten in irgendeiner Datenbank und wir staunen dann über Werbebroschüren und sonstige Sachen.

Aber sind wir konsequent genug? Ich sage Nein. Warum? Haben sie schon einmal bei Gelegenheit die Ohren gespitzt und den anderen Gästen bei ihrem «Kafichränzli» oder beim «Fürobebier» zugehört? Zugegeben, manchmal muss man die Ohren gar nicht spitzen. Viele von uns sind mit einem Stimmorgan ausgerüstet, das problemlos eine mittelgrosse Halle füllen kann. Ein Teil des weiblichen Geschlechts verfügt bekanntlich über eine höhere und durchdringliche Stimmlage und ein Teil der Herren der Schöpfung neigt eher zur Bassstimme. Eines haben sie aber gemeinsam. Sie sind nicht zu überhören. Sie bekommen – ob sie wollen oder nicht – alles mit, was diese «Stimmkategorie» von sich gibt.

Ich habe in den letzten Wochen als unfreiwillig freiwilliger Mithörer so viel Informationen zu hören bekommen, dass die Betroffenen – wüssten sie, was sie selber erzählten oder über sie erzählt wurde – mehr als knallrot anlaufen würden.

Ich könnte Ihnen problemlos sagen, wer neu mit wem liiert ist und warum sich A von der B nach C Jahren Ehe getrennt hat. Weshalb der D Probleme im Job hatte und gekündigt wurde. Dass der E ein neues Auto fährt und dies ganz bestimmt geleast hat, weil er sich mit seinem Lohn einen «solch teuren Chlapf» doch gar nicht leisten könne. Eine Liste mit Namen aus der Tierwelt, mit denen Leute öffentlich bezeichnet wurden, wäre meinerseits rasch erstellt. Von einer mir persönlich gut bekannten Person habe ich – durch sie selbst – im Restaurant erfahren, wie viel sie verdient, obwohl ich im Restaurant ganz alleine in einer anderen Ecke sass ...

Ja, was lernen wir daraus? Wenn es darum geht, im Restaurant über andere zu tratschen oder auch eigenes kundzutun, sind wir geradezu grobfahrlässig. Datensicherheit beschränkt sich nicht auf Ausweise, Fragebögen usw. Während Sie diese Zeilen lesen, bin ich Wengen an den Lauberhornrennen als Speaker im Einsatz. Ich werfe noch und noch mit Daten über Fahrer um mich. Zum Glück sind diese Daten öffentlich.

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