Grenchen
«Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts»

Fachhochschul-Professor Raoul Waldburger sprach am «Innovations-Frühstück» Grenchen zur «Digitalisierung von Geschäftsprozessen».

Andreas Toggweiler
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Prof. Raoul Waldburger anlässlich seines Vortrags im Velodrome.

Prof. Raoul Waldburger anlässlich seines Vortrags im Velodrome.

Andreas Toggweiler

Die Wirtschaftsförderung von Stadt und Kanton lud am Freitag früh ins Velodrome zu einem weiteren Anlass dieser Reihe ein. Angesagt war ein Update für Industrie-Führungskräfte zur «Digitalisierung von Geschäftsprozessen». Raoul Waldburger, Leiter des Instituts für Businesss Engineering an der Fachhochschule Nordwestschweiz gab zuerst einen Überblick über die Begriffe Industrie 1.0 bis 4.0, wobei schon die nächsten Stufen 5.0 (künstliche Intelligenz KI) und 6.0 (Vernetzung der KI) anstünden. «Zentraler Rohstoff dieser Entwicklung sind die Daten. Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts», sagte Waldburger.

«Allein in den letzten zehn Minuten wurden weltweit mehr Daten generiert, als in der Geschichte der Menschheit bis 2003», erklärte er weiter. Seit 1960 verdopple sich die Datenmenge jährlich. Dazu kommt heute die Vernetzung per Internet, welche Unmengen von Daten über Wissen (Datenbanken, Wikipedia), Menschen (Facebook etc.), Dinge (Internet oft Things) und Orte (z. B. Google, GPS) generiere.

Auch in den Unternehmen seien viele Daten vorhanden - oft aber noch analog, also auf Papier, oder unvernetzt und damit unzugänglich für Algorithmen, welche daraus ihre Schlüsse ziehen könnten. Waldburger zeigte anhand von einigen Beispielen auf, was die «Digitalisierung» in verschiedenen Branchen erreichen kann - von der Medtech-Firma über die Metallbearbeitung bis zum Hausbau.

Letzteres erwies sich allerdings in der Umsetzung als knifflig, da der Kunde (Bauherr) und der Generalunternhmer/Architekt sozusagen den Produktionsprozess gemeinsam gestalten. Waldburger: «Beigezogene Psychologen wiesen uns darauf hin, dass wir das ganze als Wir-Prozess aufgleisen müssen.»

Lieber klein beginnen

Zeitgewinn und Ressourcenersparnis, so könnte man die Segnungen dieser Industrie 4.0 charakterisieren. Waldburger riet den Industrievertretern, bei der Implementierung mit kleinen, überblickbaren Projekten zu beginnen und so Erfahrungen zu sammeln. «Es wird auch immer wieder Fälle geben, wo die Kosten der Digitalisierung höher sind, als der Gewinn daraus.»

Insgesamt hinke die Schweizer Wirtschaft Deutschland aufgrund der dortigen staatlichen Fördermittel bei der Digitalisierung etwa vier Jahre hintennach. Dies sei aber keine Katastrophe. «Denn einerseits können wir damit ganz unverfroren von den Erfahrungen unserer Nachbarn profitieren und anderseits sind die Schweizer Firmen innovationsfreudiger.» Deshalb sei er zuversichtlich. «Wenn wir jetzt beginnen, ist der Rückstand gut aufzuholen.»