Gleich zwei runde Geburtstage feiert das Bachtelen dieses Jahr: das 125-jährige Bestehen als Institution und 100 Jahre am Standort in Grenchen. Wenn das die ganze Geschichte wäre, dann würde ein Festakt mit Reden vor geladenen Gästen der Situation ohne weiteres gerecht.

Doch das Bachtelen steht für viel mehr. Mehr oder weniger ausgeprägt hat die Bevölkerung des ganzen Kantons Solothurn einen Bezug dazu. Deshalb hat das Organisationskomitee beschlossen, das Jubiläum mit insgesamt acht Anlässen zu feiern, verteilt über das ganze Jahr.

Zusammenleben der Generationen

Das Bachtelen steht in erster Linie für Kinder und Jugendliche. Sie waren es, die das Herz des Gründers, Pfarrer Otto Widmer, berührten. Einst waren es Waisen und Kinder aus Alkoholikerfamilien, Kinder aus schwierigen Verhältnissen.

Heute sind es Kinder und Jugendliche, die selbst spezielle Bedürfnisse haben, welche eine besondere Förderung benötigen. Damals wie jetzt erhalten sie diese Förderung durch Erwachsene – Sozialpädagogen, Sonderpädagogen und Therapeuten. Weniger augenfällig ist die Tatsache, dass auch die Generation der Senioren eine wichtige Rolle in der Institution spielt.

Beispielhaft stehen dafür die Ordensschwestern, die über Jahrzehnte das Rückgrat im Zentrum im Bachtelentäli bildeten. Treu versahen sie ihren Dienst im Schulzimmer ebenso wie in der Küche, der Wäscherei und an den Betten der Kleinsten, oft weit über das Pensionsalter hinaus.

Die Verbundenheit der Generationen spiegelt sich auch im Trägerverein, in dem alle Altersgruppen und Personen aus der ganzen Region vertreten sind.

Verschiedene Schwerpunkte, verschiedene Standorte

Alles begann 1891 in Däniken, wo Otto Widmer sein erstes Kinderheim einrichtete. Bald darauf folgten Standorte in Nunningen, in Rickenbach, in Wangen b. Olten und in Dornach, ehe die kleineren Häuser 1916 zugunsten des weitläufigen alten Bachtelenbades im Westen von Grenchen aufgehoben wurden.

Im Jahr 2000 wanderte die Institution wieder nach Osten, mit der TaSo (Tagessonderschule Solothurn). Seit diesem Jahr gehört mit den TaDo (Tagessonderschulen Dornach) sogar wieder eine Filiale ennet dem Berg zum Bachtelen.

Beide neuen Standorte bieten, wie der Name sagt, Sonderpädagogik in Tagesbetreuung an. Wohngruppen mit Internatsplätzen gibt es nur in Grenchen und aufgrund der Unterstützung durch die neuen Standorte weniger als zuvor. Denn mit der dezentralen Struktur können mehr Kinder und Jugendliche vom Elternhaus aus und innerhalb des Kantons geschult und betreut werden.

Kultur und Politik

Wenn die Wände im Girardsaal im Hauptgebäude reden könnten, dann hätten sie eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen – von Konzerten hochkarätiger Künstler, von Versammlungen beachtlicher Tragweite.

Dass das Bachtelen seit Jahrzehnten ein kulturelles Zentrum mit Ausstrahlung weit über die Uhrenstadt hinaus ist, ist nicht zuletzt der der Mazzini-Stiftung zu verdanken.

Politik wurde im Bachtelen bekanntlich gemacht, lange bevor dieses ein Kompetenzzentrum für Sprache und Sonderpädagogik wurde. Untrennbar ist das Bachtelenbad seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Persönlichkeit von Giuseppe Mazzini verknüpft, auch wenn dessen Büste mitten in der Stadt steht.

Wirtschaft und Berufsbildung

Mit seinen 210 Arbeitsplätzen gehört das Bachtelen als Arbeitgeber zu den grossen Playern in Grenchen. Besonders wertvoll: Das Sonderpädagogische Zentrum bietet neben hochqualifizierten, spezialisierten Berufsvertretern auch Personen mit einem bescheidenen beruflichen Rucksack eine Reihe von Arbeitsplätzen.

Zudem werden rund 15 Praktikumsplätze in den Bereichen Sozial- und Sonderpädagogik sowie Psychologie angeboten. Zusätzlich bildet es jedes Jahr sieben bis neun Lernende in den Bereichen Schreinerei, Gärtnerei, Küche, Hauswirtschaft, technischer Dienst, EDV und Administration aus. Weitere Lernende, die ausserhalb arbeiten, finden im Lehrlingsfoyer Ermitage und im Foyer Jeunes Femmes ein betreutes Heim.

Die Grenchner Industriebetriebe sorgen gemeinsam dafür, dass die Abgängerinnen und Abgänger des Bachtelen einen guten Start ins Arbeitsleben haben. Hier kommen bei den Ausbildnern der Industrie und den Pädagogen im Bachtelen Vertrauensbeziehungen zum Tragen, die über diverse Lehrlingsgenerationen gewachsen sind.

Es wächst auch Wein ...

Hinzu kommen die Ehemaligen - Schulkinder wie auch Lehrkräfte, die Weinbauern, die auf dem Areal ihren edlen Tropfen kultivieren und viele weitere Interessengruppen, die mit dem Bachtelen verbunden waren oder sind.

Kein einzelner Anlass und wäre er noch so gross, kann alle diese unterschiedlichen Geschichten abbilden. Deshalb darf sich die Bevölkerung dieses Jahr auf eine Serie von Festen freuen, die allen etwas bieten, vom Kleinkind bis zum Rentner, vom Ehemaligen bis zur Ordensfrau, vom Schwarzbuben bis zur Stadtsolothurnerin, vom Musikliebhaber bis zur Theaterbesucherin. Für das Jubiläum wurde nämlich eigens ein Festspiel geschrieben (Programm vgl. Kasten). (at./dd)