Büren an der Aare
Das Warten auf den Venner nimmt kein Ende

Mitten im Stedtli Büren an der Aare steht der altehrwürdige Vennerbrunnen. Ein Vennerbrunnen ohne Venner, wohlgemerkt, denn die namensgebende Hauptfigur fehlt. Und dies jetzt genau seit 365 Tagen.

Oliver Menge
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Ein Bild aus besseren Tagen: Der Venner wacht übers Stedtli. zvg

Ein Bild aus besseren Tagen: Der Venner wacht übers Stedtli. zvg

Wir rekapitulieren: Vor etwas mehr als einem Jahr wurden an der Säule des Brunnens Risse festgestellt. Um diese Säule von einer Spezialfirma reparieren zu lassen, musste die vom Bürener Künstler Peter Travaglini erschaffene Vennerfigur entfernt werden. Die Spezialfirma, die die Reparatur vornehmen sollte – sie war in der Gemeinde schon vorher bei Brunnenrestaurationen tätig gewesen und war auch von der Denkmalpflege empfohlen worden – hatte eine Transportfirma beauftragt, die Vennerfigur, welche mit einer Schraube an der Säule befestigt war, zu demontieren und von der Säule zu heben. Die Transportfirma sollte aber zuwarten, bis der Künstler vor Ort anwesend war, um einen Schaden zu verhindern, so wurde es vereinbart.

Nur hielt man sich seitens der Firmen nicht an diese Abmachung, sondern begann schon vor Eintreffen des Künstlers mit den Arbeiten. Die Figur wurde mit Hebebändern versehen und mit einem Lastwagenkran angehoben, ohne dass man vorher die Befestigungsschraube löste. (Dies ist die eine Variante des Vorfalls, die man vernehmen konnte. In einer anderen Variante führte ein technischer Defekt des Krans dazu, dass der Hebevorgang nicht rechtzeitig abgebrochen werden konnte.) Das hatte zur Folge, dass die Vennerfigur an den Beinen auseinandergerissen und schwer beschädigt wurde.

Als Peter Travaglini vor Ort eintraf, hing sein schwerbeschädigter Venner am Kran des Lastwagens.

Experten sind uneins

Noch am selben Tag wurde mit dem damals amtierenden Bauverwalter vereinbart, dass die kaputte Figur in Travalignis Atelier überführt wird und dieser die Sanierung und Beurteilung des Schadens begleiten solle. Am 1. April 2011 fand in der Folge eine Expertise statt, bei der ein von der Versicherung der Transportfirma beigezogener Kunstsachverständiger zum Schluss kam, die Figur sei nicht mehr zu reparieren, sondern irreparabel beschädigt. Der Sachverständige der Versicherung sprach sich klar für die Herstellung einer Replik aus.

Ende Mai 2011 beschloss die Versicherung zusammen mit Bauverwaltung und den beiden am «Unfall» beteiligten Firmen, entgegen der Meinung des ersten Sachverständigen, die Möglichkeit einer Reparatur der Vennerfigur zu überprüfen. Pikantes Detail: Peter Travaglini war nicht zu dieser Sitzung eingeladen worden. Dies, obwohl er ein paar Wochen zuvor vom Bauverwalter den Auftrag erhalten hatte, die Sanierungsarbeiten zu begleiten. In der Folge legte er sein Mandat nieder, er war der Meinung, dass eine weitere Zusammenarbeit auf der Basis gegenseitigen Vertrauens im Interesse der Sache nicht mehr gewährleistet sei. Der Venner wurde in den Werkhof gebracht, wo ein zweiter Sachverständiger der Versicherung eine neue Expertise durchführte und zum Schluss kam, die Figur könne doch repariert werden.

Der Firma «Kunstbetrieb AG» in Münchenstein wurde in der Folge der Auftrag zur Reparatur der Vennerfigur erteilt. Die Figur wurde zusammengeschweisst und ist, laut Aussage von Mitinhaber Martin Hansen, so gut wie neu. Lediglich die Bemalung sei noch nicht vollständig. Nun stehe der Venner neben dem Brennofen und harre der Dinge, die da kommen. Denn längst sei nicht alles geklärt, sagt Hasler.

Gemeinde will eigene Expertise

Für Gemeindepräsidentin Claudia Witschi steht fest: «Für Büren ist wichtig, dass der Venner wieder auf den Brunnen kommt, er gehört ins Stedtli». Man verstehe die Verärgerung und die Trauer des Künstlers gut, dessen Werk so beschädigt worden sei. Aber primär sei das eine Versicherungssache. Die Gemeinde sei in gewisser Weise die Leidtragende und müsse für etwas den Kopf hinhalten, für das sie nichts könne. Und weil die beiden Gutachter zu völlig verschiedenen Ergebnissen gekommen seien, habe die Gemeinde eine dritte Expertise in Auftrag gegeben. Aufgrund des Ergebnisses dieser Untersuchung werde man dann die weiteren Schritte diskutieren. «Wir müssen wissen, welches Gutachten massgebend ist, denn wir sind nicht einverstanden mit dem Verfahren der Versicherung», so Gemeindepräsidentin Witschi.

Fact ist: Der Venner hat seine Beine wieder. Nur ist nicht klar, ob die zusammengeschweisste Figur auch wirklich so «gut wie neu» ist. Der Künstler selber scheint das zu bezweifeln. Und je nachdem, wie die dritte Expertise ausfällt, könnte die ganze Geschichte auch noch vor Gericht enden.

Dass das Werk Travaglinis an «Wert» verloren hat, ist unbestritten. Aller Wahrscheinlichkeit nimmt diese unsägliche Geschichte aber deshalb noch lange kein Ende, weil es letztlich darum geht, wer wie viel bezahlen muss.