Schopfbühne

Das war teuflisch gut gemachtes Theater

Benjamin Obrecht in seiner Rolle als Satan. Stephanie Daumüller

Benjamin Obrecht in seiner Rolle als Satan. Stephanie Daumüller

Mit ihrer neuen Produktion feierte die Schopfbühne Grenchen Premiere. Die Komödie von Robert Lamoureux, «Diable d’Homme», glänzend gespielt von Laien, schlug ein. Das Stück hat das Zeug, zum Renner in der Uhrenstadt zu werden.

Die Bühne zeigt das Herz der Firma «Paris Interim». Hier werden Teilzeitsekretärinnen vermittelt und es ist gleichzeitig Schaltzentrale von Frauenzeitschriften. Die Chefin, ihre Tochter und ihre Freundin gehen im Büro ein und aus und geben reichlich Einblicke in ihre Privatsphären. Die Persönlichkeiten der Protagonisten und ihre Lebensumstände werden so rasch für die Zuschauer deutlich. Eine Sekretärin, ein flatterhaftes Ding, schwirrt zwischen Büro und Empfang umher und sorgt für Unruhe.

Die schusselige, ältliche Angestellte, Gilberte, kommt aufgelöst von einem Auftrag zurück, den sie nicht erfüllen konnte. Schon im ersten Teil bestechen die weiblichen Darstellerinnen ausnahmslos. Felisa del Rio, Regula Wyss Stappen, Lilian Jeannerat, Evi Christen und Pia Schild sorgen mit gekonnter Präsenz für vergnügliche Dialoge und Stimmung. Bruno Meier spielt einen schmierigen Kunden, der bei Sekretärinnen, die er stundenweise mietet, Lolitas bevorzugt.

Doch kommt Satan nicht zum Ziel

Heftig gestört wird die Idylle durch den fulminanten Auftritt des Teufels. Der Regisseur lässt ihn vorerst nicht auf die Bühne. Satan schlängelt sich durch die Sitzreihen, begrüsst mit Handschlag Sünder und Heilige und sprüht voller Wortwitz und Häme. Benjamin Obrecht spielt seine Rolle mit grosser Energie, diabolischem Charme und Können. Auf der Bühne wird in der Zwischenzeit etwas erhöht der Arbeitsraum eines Schriftstellers sichtbar. Der Teufel gesellt sich zum erfolglosen Schreiberling, dem Bahnhofkiosk-Balzac, wie er ihn spöttisch nennt und das Duo schliesst einen Pakt. Der Teufel will die fünf Damen von «Paris Interim» zu Missetaten verführen und dem Schriftsteller so süffigen Stoff für einen neuen Roman liefern.

Als Lohn verspricht er ihm dafür den bedeutendsten Literaturpreis. Roland Favre überzeugt in seiner Rolle als Literat. Als Werkzeug für sein schändliches Tun hat Satan einen Gehilfen mitgebracht, der seinen Höllenurlaub mit Geturtel und Verführungskünsten auskostet. Davide Bruno gelingt sein Part grossartig. Er verführt reihenweise Damen, intrigiert und sorgt für Lügen und Falschheit. Diese Szenen spielen sich auf einer Nebenbühne ab, die verblüffenderweise plötzlich sichtbar wird.

Originelle Regiearbeit

Währen der elegant Gekleidete Frauen verführt, verfolgen Teufel und Schriftsteller die frivolen Szenen lustvoll am PC. Das Spiel der beiden in der Schreibkammer, während sich die Zuschauer auf die bewegliche Bühne konzentrieren, ist geprägt von eindrücklicher Schauspielerei. Warum Satan sein grausames Spiel nicht gewinnt, nicht gewinnen kann, weil er gegen fünf patente Frauen antritt, sei hier nicht verraten.

Die gescheite, schnörkellose und originelle Regiearbeit von Peter E. Wüthrich, die aufwändige und perfekt getimte Bühnentechnik (Walter Leu, Walter Brotschi), das clevere Bühnenbild (Robert Koch) und vor allem die neun Laiendarsteller, die über sich hinauswuchsen, machten den Abend in der Schopfbühne zum eindrücklichen Erlebnis.

Infos unter: www.schopfbuehne.ch oder bei der Vorverkaufsstelle (Apotheke Coop Vitality, Bettlachstrasse 8, 2540 Grenchen).

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