Sonntagabend, gegen 20 Uhr. Die Stadtschreiberin Luzia Meister begibt sich noch rasch in ihr Büro im Rathaus, weil sie etwas zu erledigen hat, das nicht bis Montag warten kann. Als sie wenig später die Damentoilette auf demselben Stockwerk aufsucht, bemerkt sie, dass dort das Licht brennt und es irgendwie verbrannt riecht. «Woher der Geruch kommt, habe ich schnell feststellen können, es war die Lampe über dem Lavabo. Ich habe als erstes das Licht gelöscht und die Plastik-Abdeckung über den Glühbirnen entfernt. Dort sah ich, dass sich hinter beiden Glühbirnen bereits braunschwarze Brandlöcher in der Wand gebildet hatten und die Abdeckung bereits ein Loch aufwies, durchgeschmolzen war.»

Mit nassen Lumpen drehte sie die glühend heissen Glühbirnen aus der Fassung und löschte den Glimmbrand darunter. Dieser hatte sich schon weitgehend durch den Novilonbelag und die darunterliegende Kunststoffverkleidung gefressen und beinahe die Holzwand darunter erreicht. «Ich prüfte dann mit den Fingern, ob es noch warm ist. Aber meiner Ansicht nach war die Löschaktion erfolgreich.»

Deutlich zu sehen: die beiden Brandlöcher, die durch die Hitze entstanden sind.

Deutlich zu sehen: die beiden Brandlöcher, die durch die Hitze entstanden sind.

Feuerwehrkommandant Thomas Maritz kam etwas in die Sätze, als er die Brandstelle Tage später untersuchte. «Das hätte böse ausgehen können», denn so ein Glimmbrand könne sich unbemerkt unter der Wandverkleidung weiterverbreiten und plötzlich zu einem ausgewachsenen Feuer werden. «Deshalb ist es in solchen Fällen immer gut, die Feuerwehr zu rufen. Wir haben die Mittel, wie zum Beispiel Wärmebildkameras, mit denen wir versteckte Glutnester aufspüren können.»

Ursache für den «Beinahebrand» waren die in der Lampe eingeschraubten Glühbirnen – sogenannte Spiegelkopfbirnen, wie man sie früher oft verwendete. Allerdings viel zu Starke. «Normalerweise ist in solchen Lampen doch auf einem Kleber angegeben, wie viel Watt man maximal verwenden darf. Auf dieser Lampe sieht man zwar, dass mal so ein Kleber dran war, jetzt fehlt er aber», sagt Luzia Meister. Die Glühbirnen, die sie rausgeschraubt hat, wiesen eine Leistung von je 100 Watt aus, also viel zu stark und folglich auch mit zu grosser Hitzeentwicklung.

Diese alten Kopfspiegellampen mit 100 Watt Leistung waren in der Lampe angebracht.

Diese alten Kopfspiegellampen mit 100 Watt Leistung waren in der Lampe angebracht.

«Das Licht hat wahrscheinlich von Freitagnachmittag an dauernd gebrannt. Es war wirklich reiner Zufall, habe ich das Rathaus nochmals aufgesucht an diesem Wochenende.»
Also nochmals Glück im Unglück gehabt. In der betreffenden Lampe wurden nun LED-Birnen eingeschraubt und auch die anderen Toilettenbeleuchtungen wurden kontrolliert. Man wurde fündig: Auch in einer anderen Lampe über dem Lavabo befanden sich baugleiche Spiegelkopfbirnen, ebenfalls mit viel zu hoher Leistung.