Grenchenbergtunnel

Das Tripoli war Heimat für die Tunnelarbeiter

Blick ins Barackendorf Tripoli im Gebiet der Alpenstrasse. Archiv

Blick ins Barackendorf Tripoli im Gebiet der Alpenstrasse. Archiv

Der dritte Teil der Serie zu 100 Jahre Grenchenbergtunnel befasst sich mit dem legendären Arbeiterdorf Tripoli.

Im Gebiet der heutigen Alpenstrasse entstand die Barackensiedlung der Tunnelarbeiter. Die Gemeinde Grenchen behielt die Verpachtung der einzelnen Parzellen in der Hand und wehrte damit den Einfluss von Spekulanten ab.

Im Rahmen der «Grenchner Wohntage» 2003 organisierte das Kultur-Historische Museum eine Ausstellung, in der das Leben der mehrheitlich italienischen Tunnelarbeiter in der Siedlung «Tripoli» geschildert wurde. Zu dieser Ausstellung erschien eine Broschüre, in der Alfred Fasnacht seine Forschungen über das kleine italienischstämmige Gebiet im deutschschweizerischen Grenchen darlegte. – Unter anderem stellte der Autor fest, dass die Gemeinde Grenchen im November 1911 in einem Anhang zum Baureglement die notwendigen rechtlichen Grundlagen festlegte, dank derer eine Spekulation auf Kosten der ausländischen Arbeiter unterbunden werden konnte.

Es war die Gemeinde, welche bei zwei Landwirten unbebautes Land pachtete und dieses parzellenweise weiter vermietete. Damit besass die Gemeinde stets die Gewissheit, dass die Tunnelarbeiter nicht übervorteilt wurden.

67 Häuser

Alfred Fasnacht stellte fest, dass im Tripoli mit der Zeit 67 Häuser entstanden. Von diesen waren 11 aus Stein gefügt, die übrigen 56 waren Holzhäuser. Im Tripoli gab es zudem 27 Wirtschaften und Kantinen sowie elf Verkaufsgeschäfte. Doch damit nicht genug: In der Siedlung existierte ein kleines Spital mit 35 Betten und einem Arzt, Dr. Hagnauer, eine betriebseigene Wäscherei, welche die Arbeitskleidungen pflegte, ein kleines Schulhaus und schliesslich eine Badanstalt mit 35 Duschen und vier Wannenbädern.

Über die Anzahl der Bewohner im Tripoli berichtet Alfred Fasnacht: «Im Barackendorf wohnten zeitweise mehr als 1000 Personen. Die Bewohnerzahl dürfte 600 nur selten unterschritten haben. Diese Zahlen werden erhärtet durch die Angaben im Schlussbericht der Baugesellschaft. Die mittlere Anzahl Arbeiter auf der Baustelle Grenchen belief sich auf 575, die maximale Anzahl betrug 908 Arbeiter.

Sparsame Arbeiter

Das Tripoli war am Anfang sonntags ein beliebtes Ausflugsziel für die Grenchner – hier erlebten sie hautnah südliche Kultur und lernten die italienische Küche kennen. Mit der Zeit jedoch verlor das kleine Backendorf an Anziehungskraft. Offensichtlich wurden zu viele Wirtshäuser erlaubt, sodass die Kantinenbetreiber kaum mehr die Pacht bezahlen konnten. Zudem waren die Arbeiter äusserst sparsam und schickten ihr Erspartes ihren Angehörigen in Italien. Die Gesuche der Kantinen- und Wirtshausbetreiber um Pachtzinsreduktion wurden von der Gemeinde und auch vom Kanton abgelehnt.

Recht viele der Tunnelarbeiter blieben auch nach Abschluss der Arbeiten in Grenchen. Dazu Alfred Fasnacht «Das Tripoli an der Alpenstrasse blieb noch lange ein mehrheitlich von italienischen Familien bewohntes Quartier und behielt laut Aussagen von Zeitzeugen seinen südländischen Charakter.»

In einer Serie beleuchten wir den Werdegang des Grenchenbergtunnels , der vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1915 eröffnet wurde. Er ist mit 8587 Meter länge der längste Juradurchstich. Teil 1 «Vom Eisenbahnfieber erfasst» erschien am 20. Juli, Teil 2 «Die finanzielle Unterstützung kam aus Frankreich» am 27. Juli.

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