Dieser Theaterdirektor ist wahrlich nicht zu beneiden. Was sich Regisseur Frank (Daniel Hajdu) da zum Vorsingen und Vorsprechen auf der ungeheizten Bühne präsentiert, ist bis auf eine Ausnahme höchst durchschnittlich. Und passt damit wiederum zu ihm. Schon bald scheint er heillos überfordert, und er meistert das Geschehen nur dank seiner ihm assistierenden, ebenso divenhaften wie exaltierten Muse Eiler (Katharina von Bock). An das Vorhaben, eine eigene Theatertruppe auf die Beine zu stellen, glauben schon bald beide nicht mehr.

Geniale Chaoten
Kein Wunder ob des Treibens, das sich ihnen bietet. Schauspielerin Pfeil (Miriam Wagner) würde in ihren diversen Rollen wohl eher als Marktschreierin durchgehen. Tenor Vogelsang (David Margulis) kann zwar singen, nur versteht man bei ihm kein Wort, und dazu stellt er jedem Rock nach. Die beiden Sängerinnen Herz (Rebecca Olvera) und Silberklang (Mélissa Petit) fetzen sich aufs Herrlichste.

Dazu gesellen sich der Performance-Künstler Krone (Andreas Storm), der irgendetwas zwischen Dada, lautmalerischem Jandl und Maori-Kriegstanz zum Besten gibt, sowie Schauspieler Buff (Stefan Lahr), der in kompletter Selbstüberschätzung die Apfelschussszene aus dem Tell spielt, inszeniert und gleich selbst erklärt.

Ein Ensemble formt sich
Ganz zum Gaudi des Publikums entwickelt sich auf der Bühne so ein höchst amüsant-chaotisches Treiben mit starken Schauspielern, hervorragenden Stimmen und einem spielfreudigen Orchester. Nur, mit so einer «Gurkentruppe» ein Stück auf die Bühne bringen? Kaum denkbar.

Doch der Befreiungsschlag gelingt, als sich die Protagonisten zusammenraufen, einander unterstützen und die beiden Intendanten in spe die individuellen Stärken jedes Einzelnen akzeptieren und zu einem «Spartentheater» formen mit expressivem Gesang, einer Verwandlungskünstlerin (Pfeil), einem zwar massigen, aber ungemein ausdrucksstarken Tänzer (Krone) und einem begabten Tierimitator (Buff).


Gelungene Koproduktion
Entstanden ist Mozarts Singspiel «Der Schauspieldirektor» mitten in der Arbeit an «Le nozze di Figaro» 1786 als Auftragswerk für Kaiser Joseph II. Das Theater Kanton Zürich und das Opernhaus Zürich spannen für diese Produktion erstmals zusammen. Ihre Aufführung wird ergänzt durch einige der schönsten Mozart-Arien unter anderem aus der «Zauberflöte» und der «Entführung aus dem Serail».

Der Hamburger Autor Stephan Benson hat das Originallibretto (Johann Gottlieb Stephanie der Jüngere) einer Frischzellen-Kur unterzogen und so an die heutigen Gegebenheiten angepasst. Entstanden ist ein höchst unterhaltender Einakter, der durchaus als Parodie auf das Theater, auf kapriziöses Verhalten der Künstler und die für Ausstehende manchmal schwer nachvollziehbaren Mechanismen des Genres verstanden werden kann.