Grenchen

Das Theater Gänggi erwacht nach der Coronapause mit dem Klassiker «Momo»

Iris Minder vor ihrem Kleinst-Theater am Höhenweg.

Theateratelier Gänggi

Iris Minder vor ihrem Kleinst-Theater am Höhenweg.

Im November bringt Iris Minder in ihrem kleinen Theater am Höhenweg einen Klassiker auf die Bühne: «Momo» von Michael Ende, ein Stück, das an Aktualität seit den 70er-Jahren nicht eingebüsst habe, schreibt die Autorin und Regisseurin in einer Mitteilung. Minder hat das Thema übernommen und aktualisiert und dem Jahr 2020 und seinen Zeiträubern angepasst.

Ende thematisierte in seinem Buch eine gesellschaftliche Entwicklung, die ihm damals Sorge bereitete: Die Menschen hatten immer weniger Zeit für den andern, weil Arbeit, Rationalisierung und wirtschaftlicher Erfolg an erster Stelle standen. Er prangerte an, dass man nicht im Jetzt lebte, sondern das Leben auf später verschob.

Momo, die Hauptfigur, ist ein kleines Mädchen, dessen ­herausragende Fähigkeit es ist, zuzuhören. Und zwar so gut, dass sich die Menschen ihr öffnen und beginnen, Geschichten zu erzählen. Sie wird quasi die Seelsorgerin der Menschen um sie herum, deren Fantasie so angeregt wird, dass die Kinder besser spielen können und die Erwachsenen Ideen entwickeln.

Bis die Agenten von der Zeitsparkasse auftauchen und versuchen, die Leute dazu zu bringen, ihre Zeit zu sparen, um sie für später sicher und verzinst aufzubewahren. Die Menschen werden jedoch um ihre Zeit betrogen. Während sie versuchen, Zeit zu sparen, vergessen sie, im Jetzt zu leben und den Moment zu geniessen. Momo schafft es aber, mit der Hilfe von Kassiopeia, der Schildkröte und Meister Hora, den Menschen die gestohlene Zeit und damit auch die Fantasie wieder zurückzu­geben.

Es hat sich in 50 Jahren nicht viel verändert

Das war in den 70ern und Iris Minder fragt, wie steht es heute? Ist es besser geworden? Nein, ihrer Meinung nach ist es genau wie damals. Mit dem Unterschied, dass es nicht mehr Barbiepuppen oder Ähnliches sind, die den Kindern und Jugendlichen die Fantasie rauben.

Heutzutage sei es die Vernetzung mit Handy, sozialen Medien oder digitalen Games, alles mit grossem Suchtpotenzial. Oder das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen. Dementsprechend habe sie den Plot aktualisiert und angepasst, ohne die modernen, technischen Errungenschaften verteufeln zu wollen. Minder hat das Stück auch gendergerecht adaptiert: Es gibt mehr Frauenrollen.

Das Hygiene- und Schutzkonzept ist bemerkenswert: Nebst einer Beschränkung auf lediglich 20 Personen, die eingelassen werden, gelten weitere, strenge Vorsichtsmassnahmen wie obligatorische Reservation und Adressangabe fürs Contact-Tracing, Maskenpflicht, Abstandsregeln, der Verzicht auf Kasse, Bistro und Ähnliches. Die Schauspielerinnen und Schauspieler treten sogar mit Gesichtsschild oder Maske auf.

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