Schon vor vier Jahren hat Rothenfluh für dieses Amt kandidiert und auch Regierungsrat wollte der Lengnauer Inhaber einer Beratungsfirma vor einem Jahr werden. Er sammelte dabei auch die respektable Anzahl von fast 20 000 Wählerstimmen. Rothenfluh macht durch seine Kandidaturen vor allem auch Werbung für seinen Gesundheits-Club Schweiz (GCS), mit dem er sich für ein gesundes Leben und gegen steigende Krankenkassenprämien einsetzt. Und dies schon seit Jahren. «Gesundheit und alles, was dazugehört, ist tatsächlich nach wie vor mein Hauptanliegen», meint Rothenfluh, der dieser Tage wieder seinen Wahlkampf gestartet hat.

«Herkulesaufgabe»

Er sei aber alles andere als ein Einthemenpolitiker, betont er. Denn gesund könne auch die Wirtschaft sein, die Umwelt, «und vor allem aber der gesunde Menschenverstand», wie er meint. Er werde sich für «mehrheitsfähige Lösungen» einsetzen, die das Land weiterbringen.

Gerade bei den Rezepten gegen steigende Krankenkassenprämien gibts allerdings zurzeit keine Mehrheiten gegen den Status quo, wie Rothenfluh einräumt. «Es ist eine Herkulesaufgabe.»

Also konzentriert er sich zunächst einmal auf ein einfacheres, vielleicht greifbareres Teilziel, auch aus dem Gesundheitswesen: Antibiotika-Resistenz. Dazu müssten «Hygiene-Massnahmen im Spital und im Pflegebereich umgesetzt» oder auch Tiere artgerecht gehalten werden, meint er auf seinem aktuellen Flugblatt. Sinnigerweise verteilt er als Wahlkampfgeschenk ein natürliches Desinfektionsmittel im Fläschchen, das mit «elektroaktiviertem Wasser» funktionieren soll. Die eine Hand wäscht die andere, könnte man seine Kooperation mit dem Zofinger Hersteller somit bezeichnen.

100 Franken sind genug

Online sammelt Rothenfluh zurzeit Unterschriften für eine Petition unter dem Motto «100 Franken sind genug». Diese Höhe stellt er sich nämlich vor als Obergrenze für eine monatliche Prämie bei der Krankenkasse vor (Grundversicherung). Dass man dafür vor allem auch gesund leben muss, leuchtet ein. Die GCS-Homepage gibt denn auch Tipps für die «Work-Life-Balance», wie das heute Neudeutsch heisst. «Jedes neue Burnout ist eines zu viel», denn es verursache sowohl Kosten im Gesundheitswesen als auch in der Wirtschaft.

Rothenfluh kämpft aber auch gegen den «gläsernen Menschen», sprich gegen das elektronische Patientendossier, welches «unter dem Deckmantel der steigenden Gesundheitskosten» eingeführt werde und welches Rothenfluh als «riesiges Problem» bezeichnet. Gläsern ist er immerhin, was sein Wahlkampfbudget ausmacht, und spricht von rund 10 000 Franken. Er räumt ein, dass das ein Bruchteil des Betrags ist, denn man für ein nationales Parlamentsmandat an Wahlkampfmitteln einsetzen müsste. «Wo andere enorme Finanzmittel einsetzen, kommt bei mir der persönliche Einsatz», meint er dazu.

«80 Prozent sind parteilos»

Wie wärs, wenn er vielleicht zuerst einmal für ein Grossrats- oder Nationalratsmandat kandidieren würde, bevor er sich um einen Sitz im Stöckli oder gar in der Berner Regierung bemüht? «Bei der Flut von Kandidaten um Nationalratssitze geht meine Kandidatur völlig unter», meint er. Denn an seiner Parteilosigkeit wolle er auf jeden Fall festhalten. «Mindestens einer der beiden Berner Ständeräte müsste parteilos sein, weil 80 Prozent der Bevölkerung in keiner Partei dabei sind», so seine Rechnung.