Schweizer Archivtag
Das Stadtwiki wartet auf Grenchner Schätze: Jetzt sind die Autoren gefragt

Die Wissensdatenbank zu Grenchen ist aufgegleist, nun hängt der Erfolg vom Engagement der Bevölkerung ab.

Daniela Deck
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Stefan Haudenschild und Salome Moser (von links) zeigen Interessierten Pläne und Fotos des Grenchner Stadtarchivs.

Stefan Haudenschild und Salome Moser (von links) zeigen Interessierten Pläne und Fotos des Grenchner Stadtarchivs.

Hansjörg Sahli

Der Anfang ist gemacht. Ob das Stadtwiki als Nachschlagewerk für künftige Generationen in der Region Grenchen und für Forscher weltweit eine wertvolle Datenbank wird, hängt vom Engagement der Bevölkerung ab, von den Bildern und Texten, die die Leute dort hochladen. Am Schweizer Archivtag am vergangenen Wochenende präsentierten Stadtarchivarin Salome Moser und Stadtwiki-Mitbegründer Stefan Haudenschild die Wissensdatenbank der Öffentlichkeit.

Das Grenchner Stadtwiki wiki.stadtgeschichte-grenchen.ch ist ein Gemeinschaftsprojekt der Museums-Gesellschaft Grenchen (MGG), des Kultur-Historischen Museums und des Stadtarchivs. Entstanden ist die Wissensdatenbank mit gratis Zugang für alle in der Umgebung Grenchen sowie alle an Grenchen Interessierten im Zusammenhang mit der neuen Stadtgeschichte, die ein Autorenteam diesen Herbst veröffentlichen wird.

Originale werden geschont

Der Schweizer Archivtag, früher ein Samstag im November, fand dieses Jahr erstmals am internationalen Archivtag statt. Das Motto, Archive – verbinden, bot den passenden Anlass, um die Fortschritte beim Stadtwiki vorzustellen, das bereits im September 2014 seinen Anfang genommen hat.

Erfasst sind bisher die umfangreichen Dokumentationen des ehemaligen MGG-Präsidenten Alfred Fasnacht sowie private Archivbestände des Lokalhistorikers Rainer W. Walter. Das Stadtarchiv hat in einem ersten Schritt Fotografien vom Bau des Grenchenbergtunnels hochgeladen. Weitere Themen sollen folgen.

Stadtarchivarin Salome Moser erklärt: «Die Schonung der Originaldokumente ist ein wichtiger Grund, warum wir diese scannen und digitalisieren.» Was für Profis recht ist, ist für Amateure billig – im wahrsten Sinn des Wortes. Wer daheim keinen Scanner hat (die meisten Drucker verfügen heutzutage über diese Funktion) oder wem das Scannen zu mühsam ist, dem nimmt Stefan Haudenschild diese Arbeit ab. Wer auf dem Stadtwiki selbst tätig werden möchte, kann sich dort mit Benutzernamen und Passwort registrieren und sogleich loslegen. Willkommen sind alle Dokumente mit Bezug zur Region Grenchen: Fotos und Gemälde von Personen und Gebäuden, wenn möglich beschriftet und datiert, Tagebücher, Briefe, Baupläne, Verträge und vieles mehr.

Zentrale Wissensplattform

«Meine Grossmutter habe ich auf Karton», sagt eine Besucherin über ein privates Porträt, während sie an der Archivführung einen der Schätze bewundert, eine Daguerreotypie (Vorläufer des Fotos) von Bachtelenbad-Arzt Dr. Josef Girard (1803–1869). Hier zeigt sich, wie wichtig digitale Dokumente für die Erhaltung des Wissens sind. Allein das Öffnen der säurefreien Archivschachtel belastet das Bild durch das Licht, das für einige Sekunden auf den Glasrahmen fällt.

Bei der Führung zeigt die Stadtarchivarin einen Ortsplan aus dem 19. Jahrhundert sowie die Wettbewerbseingaben für den Bau des Parktheaters in den Fünfzigerjahren. Die Bürgergemeinde und die Kirchgemeinden hätten eigene Archive, erklärt sie. Auch die Baudirektion bewahre einen grossen Teil ihrer Unterlagen bei sich an der Dammstrasse auf. «Erstens haben sie Platz dafür und zweitens brauchen sie auf der Baudirektion die alten Pläne bis heute.»

Selbst wenn das Stadtwiki von privater Seite bisher noch nicht im grossen Stil gefüttert wurde, wahrgenommen wird es bereits weit über die Stadtgrenze hinaus. «Die Filmemacher des Schweizer Fernsehens, die zum Jubiläum einen Film zum Generalstreik 1918 drehen, sind via Stadtwiki auf unsere Archivbestände aufmerksam geworden», freut sich Salome Moser. «Je mehr Material wir auf dieser Plattform zugänglich machen, desto mehr Forscher werden darauf aufmerksam.»

Weitere Informationen: Stefan Haudenschild, info@museumgrenchen.ch