Grenchen
Das Schulhaus Eichholz erhält ein Gesicht

Über 200 Kinder helfen bei der Gestaltung ihres Schulhauses mit. In insgesamt zehn Ateliers wird die ganze Woche über gearbeitet. Es werden unter anderem Eidechsenburgen, Steinmandalas und ein Insektenhotel gebaut.

Oliver Menge
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Mit farbigem Garn werden die Nägel umwoben
17 Bilder
Hier werden Löcher für die Insektenhotels gebohrt
Aline ist mit vollem Elan bei der Sache
Das Sägemehl muss aus den Löchern geschüttelt werden
Hier entstehen Klangkörper
Hier entstehen Entwürfe für die Bemalung der Holzwürfel
Das Nageln gefällt allen Kindern besonders gut
Fahnen für den Eingangsbereich
Yunus ist konzentriert bei der Arbeit
Joél (links) ist schon etwas müde von den schweren Werkzeugen
Ein Steinmandala entsteht
Wo muss dieser Stein hin?
Astronauten malen den Regenbogenweg
Achtung: Nicht den Daumen abschneiden!
Eine Mauer für die Eidechsen steht schon
Die Eidechsenburg ist schon fast fertig
Grenchen: Über 200 Kinder helfen bei der Gestaltung des Schulhauses Eichholz mit

Mit farbigem Garn werden die Nägel umwoben

Oliver Menge

«Das Werkzeug ist megaschwer», meint der elfjährige José, der mit Inbrunst einen Stein mit Meissel und Holzklüpfel – so nennt man den speziellen Holzhammer der Steinmetze – bearbeitet. Unter der Anleitung der Steinbildhauer Alois Herger und Tobias Ryser aus Solothurn formt eine Gruppe Kinder Figuren aus grossen Kalksteinbrocken. Gespenster sollen es werden. Jedes Kind hat aus Modelliermasse eine Vorlage geformt und versucht nun, den Stein in die richtige Form zu bringen.

«Es geht in erster Linie darum, einfach einmal auszuprobieren, wie man den Stein bearbeiten kann, sich die Hände schmutzig zu machen und erste Erfahrungen mit dem Material zu machen. Das ist für die Kinder ein echtes Erlebnis», sagt Herger. Dass der Stein nicht immer so reagiert, wie man es gerne möchte, diese Erfahrung muss Yunus machen. Der Elfjährige hatte eine konkrete Vorstellung, wollte einen Kopf mit Gesicht aus dem Stein hauen. Sein Werk war schon nach kurzer Zeit weit fortgeschritten, aber dann: Ein Schlag zu viel, zu stark, und schon war das eine Auge weg. Auch beim Mund fehlt ein Stück. «Jetzt muss ich halt etwas anderes versuchen». Die fertigen Werke werden später im Innenhof des renovierten Traktes aufgestellt.

Diverse Ateliers

In insgesamt zehn Ateliers wird die ganze Woche über gearbeitet, über 200 Kinder sind an der Projektwoche im Einsatz (wir berichteten). Die Vorbereitungen für diese ganz spezielle Woche haben allerdings schon vor mehreren Monaten begonnen, erklärt Werklehrerin Brigit Leuenberger. Eltern werden als Betreuungspersonen eingespannt, Lehrpersonen haben ihr Pensum befristet aufgestockt.

Ebenfalls mit von der Partie sind an diversen Orten Mitarbeiter der Stadtgärtnerei: Sie helfen bei den Arbeiten, bringen Material und haben schon vor dieser Woche grosse Vorarbeit geleistet. Revierförster Patrick Mosimann lieferte Holz, Stammstücke und Äste aus dem Grenchner Wald, die nun von den Kindern weiterverarbeitet werden.

Etwas weiter westlich ist Joel Equagoo mit einer Gruppe Erstklässler daran, ein grosses Steinmandala zu gestalten. Der Solothurner Künstler bespricht mit den Kleinen, welche Steine man wohin legen muss. Sie schleppen die Steine von einem Steinhaufen zum Mandala und legen sie dann vorsichtig in den Kreis. «Du bist aber ein starkes Mädchen», lobt Equagoo ein kleines Mädchen, das einen Stein hochhebt, der mindestens so gross ist, wie ihr eigener Kopf. Der Künstler nimmt ihr den Stein ab und legt ihn vorsichtig an den richtigen Platz. «Nach dem Mandala werde ich noch etwas anderes bauen mit den Kindern. Aber das soll noch eine Überraschung bleiben», meint er schmunzelnd.

Insektenhotels und Echsenburgen

Südlich des Schulhauses sind gleich mehrere Gruppen bei der Arbeit. Einerseits werden aus Steinplatten, die bei der Sanierung des Schulhauses anfielen, Eidechsenburgen gebaut: Die Platten werden zu Haufen aufeinander geschichtet, sodass Löcher und Spalten entstehen, in denen sich Eidechsen, Insekten und andere Kleinlebewesen verkriechen und verstecken können. Andererseits haben einige Schülerinnen und Schüler kleine Mauern aus den wiederverwerteten Platten gebaut, die denselben Zweck erfüllen. Aus Sand haben die Kinder eine grosse Eidechse geformt, die im Verlauf der Woche noch zementiert und so für die Zukunft erhalten werden soll. Sie weist quasi ihren kleinen, lebendigen Artgenossen den Weg ins neue Zuhause.

Gleich nebenan sind einige Schüler damit beschäftigt, ein Holzgestell, das die Stadtgärtnerei gezimmert hat, mit grösseren Holzstücken und kleinen Ästen zu befüllen. Hier soll ein Insektenhotel entstehen. Zu diesem Zweck bohrt eine andere Gruppe im Werkraum viele Löcher in die grossen Holzstücke, damit die Insekten darin ihre Nester bauen können. Rund fünf Akkubohrer sind pausenlos im Einsatz. «Man muss so viele Löcher wie möglich in die Aststücke bohren, die sollten möglichst gross sein, aber auch nicht zu nahe beieinander liegen», erklärt die 12-jährige Aline. Zusammen mit einem anderen Mädchen arbeitet sie schon fast Akkord.

Regenbogenweg als wichtiges Symbol

Auf dem Pausenhof hinter dem östlichen Trakt treibt Kindergärtnerin Daniela Glauser ihre Schützlinge an. In Papieroveralls gekleidet sehen diese ein wenig aus wie Astronauten. «Beeilung, die Farbe trocknet schnell!» Die Kinder malen den Regenbogenweg auf den Asphalt, ein für das Eichholz wichtiges Symbol. «Die Kindergärteler gehen jeweils bei Schulbeginn über den Regenbogenweg zur Schule, dieses Ritual gehörte im Eichholz immer dazu und ist wichtig», erklärt Brigit Leuenberger. Sie selber betreut in einem Raum unter der Turnhalle Kinder, die an einem Klanggarten arbeiten. Aus bemalten Holzstücken, Nägeln, Garn und Glöckchen werden Klangkörper gefertigt, die in ein Gestell gehängt werden.

Aus bemalten Hölzern soll im Lauf der Woche auch eine Klang-Tonleiter gefertigt werden, die später im Freien montiert wird.

Neben dem Eingang zum wieder zugänglichen Pausenhof sind rund zehn Kinder damit beschäftigt, lange Fahnen zu bemalen, die für das Fest beim Schulhauseingang aufgehängt werden. Bunte Sterne in den verschiedensten Farben werden auf den weissen Stoff gebracht.

Im Osttrakt werden farbige Holzwürfel gestaltet, die später von den Kindern mobil verwendet werden können. Das heisst, die Schülerinnen und Schüler können sie irgendwo hintragen, sich darauf setzen, mit ihnen spielen. Bevor die Kinder die Würfel bemalen und ihnen das definitive Erscheinungsbild verpassen, machen sie im Klassenzimmer farbige Entwürfe auf Zeichenpapier. Vor der neuen Bibliothek werden Buchstelen und andere Kunstobjekte aufgestellt, die aus alten Büchern hergestellt wurden. Und eine Gruppe beschäftigt sich die ganze Woche mit den Vorbereitungen für das grosse Fest, das morgen Abend steigen soll.

Alles in allem eine unvergessliche Woche für die Kinder. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Projektwochen, die grösstenteils «Vergängliches» hervorbringen, werden hier in dieser Woche Werke geschaffen, welche die Umgebung des Schulhauses noch lange zieren werden.