«Heidi, du solltest draussen unbedingt noch die Tische putzen!» meint ein Gast, der eben die Gaststube betritt. «Hättest Heidi fragen können, ob sie dir einen Lumpen gibt und es gleich selber machen», entgegnet einer der Männer am Stammtisch anstelle der Wirtin, die damit beschäftigt ist, ein «Tschumpeli» Weissen einzuschenken. «Nein nein, der Urs arbeitet doch nur noch zehn Tage, danach kann er mir helfen kommen», erwidert Heidi Schmid lachend, bevor sie in der Küche verschwindet. Dort stehen grosse Töpfe auf dem Herd. Poulet-Schenkel stehen heute Mittag auf dem Menü, dazu Gemüse und Teigwaren.

Drei Männer sitzen an der Bar, vor sich hat jeder ein Glas Bier. Am Stammtisch unterhält man sich über das kommende Spiel des FC Grenchen und die finanzielle Lage des Klubs. «Du warst doch da mal Präsident, oder nicht?» fragt einer der Gäste. «Nein, nur Obmann, aber das ist schon lange her», erwidert ein anderer. Es wird diskutiert, politisiert, gelacht, getrunken.

Neues Konzept bewährt sich

«Ohne die Stammgäste würde es nicht gehen, ihnen gebührt mein grösster Dank», sagt die Wirtin. Sie ist froh, kann sie das «Helvetia» weiterführen. Auch wenn das heisst, dass sie von 7.30 Uhr bis nach Mitternacht präsent ist und den Laden alleine schmeissen muss. «Nein, Angestellte habe ich keine mehr. Ich koche selber, serviere, putze, mache einfach alles selber.» Stundenweise kämen zwei Aushilfen, aber das sei auch schon alles.

Das neue Konzept, das sie bereits letztes Jahr angekündigt hatte, bewährt sich. Sie öffnet das Restaurant morgens ein wenig später. Über die Spezialität des Hauses, Pferde-Entrecôtes, freuen sich noch immer viele Leute. Und gejasst wird jeden Nachmittag in der «Helvti».

Konkursverfahren läuft noch

Der Konkurs ist noch nicht ausgestanden, die Zukunft noch nicht gesichert, das weiss Heidi Schmid. Aber nun wolle sie erst einmal nach vorne schauen. Finanziell sieht es jetzt etwas besser aus als auch schon. Die Frist für die Forderungen der Gläubiger ist abgelaufen, irgendwann in nächster Zeit wird klar, wie viel Geld sie wem noch zurückzahlen muss. Selber, betont sie. Denn geholfen habe ihr bisher niemand. Es habe sie auch wütend gemacht, dass einzelne Leute behauptet hatten, sie hätten ihr mit grossen Summen unter die Arme gegriffen und sogar Rechnungen für sie bezahlt.

«Alles gelogen», sagt sie. Kein Mensch habe ihr geholfen, sie sei völlig auf sich alleine gestellt. Nur der Besitzer und die Immobilienverwaltung seien ihr entgegengekommen, und sie müsse etwas weniger Pachtzins bezahlen. «Aber wenigstens hat das ‹Gschnurr› dieses vermeintlichen Wohltäters jetzt aufgehört. Da kommt man sich wirklich dumm verkauft vor. Und das zehrt an den Nerven», sagt sie. Sie habe sich eine Zeit lang sogar völlig zurückgezogen, aber es gehe ihr jetzt wesentlich besser als noch vor einem Jahr.

Im Fumoir gleich nebenan sitzt ein älteres Paar. Sie lesen die Zeitung und rauchen. Auch sie sind Stammgäste, Heidi Schmid serviert ungefragt einen Kaffee und ein frisches Bier und räumt das alte weg.