Wenn das neue Jahr beginnt, arbeitet die Stadtpolizei Grenchen bereits seit drei Jahren mit dem Instrument der Wegweisung. Seit 2008 weist sie störende Personen oder Personenansammlungen von öffentlichen Plätzen weg, ohne dass diesen eine Straftat nachgewiesen werden muss. Und: Der öffentliche Raum scheint gesäubert, das Instrument hat sich bewährt, sagt Hugo Kohler, Leiter Sicherheit bei der Stadtpolizei. Die unbeliebten Szenen sind im Vergleich zu früher weniger in öffentlichen Räumen wie dem Marktplatz oder den Bahnhöfen anzutreffen.

«Hat sich in der Szene rumgesprochen»

Die Statistik zeigt es: Im ersten Jahr seit Inkrafttreten des Wegweisungsartikels musste die Polizei 34 Leute ermahnen oder wegweisen sowie 17 Fernhalteverfügungen gegen «Unverbesserliche» aussprechen. Für das Jahr 2008 kann man damit von insgesamt 51 Fällen sprechen. Ein Jahr später waren es 60 Fälle.

2010 allerdings brach die Zahl auf nur noch 9 ein. Laut Hugo Kohler wegen mehr Polizeipräsenz, der konsequenten Umsetzung der Wegweisung und Fernhaltung und weil in diesem Jahr auf dem Marktplatz viele Festivitäten veranstaltet wurden. «Es brauchte aber auch einfach eine gewisse Zeit, bis sich in der Szene rumgesprochen hatte, dass die Polizei durchgreift», erklärt Kohler. Als dies dann aber klar war, habe sich wohl manch einer gesagt, mit der Polizei wolle er lieber keine «Lämpen» haben. Wer gegen die Anordnungen der Polizei verstösst, kann gebüsst oder mit Geldstrafe belegt werden, die in Haft umwandelbar ist. «Und das macht ihnen Respekt, das wollen sie nicht», weiss Kohler.

Im laufenden Jahr wurden 20 Wegweisungsfälle registriert. Kohler glaubt, dass sich die jährliche Gesamtzahl auch in diesem Bereich einpendeln wird. Mit der Kälte sind die Szenen für dieses Jahr wohl verschwunden. Die «Hauptsaison» dauert jeweils von ungefähr April bis Ende September. Ein Grossteil der Szeneleute sind Grenchner, es befinden sich aber auch viele aus den näheren Gemeinden Richtung Solothurn und Seeland darunter.

Meistens anständige Randständige

Die Stadtpolizei Grenchen hat acht relativ klein gehaltene Zonen definiert, die regelmässig auf störende Personengruppen überprüft werden. Die problematischsten sind der Marktplatz und der Bahnhof Süd.
Die Polizisten sind meist zu zweit unterwegs, nur selten brauche man Verstärkung, sagt Hugo Kohler. «Die meisten Randständigen in Grenchen sind anständig und lassen mit sich reden.» So hatte die Polizei die Szenengänger dieses Jahr etwa darum gebeten, sich wieder mehr nach Norden zu verschieben, nachdem die Frauen und Männer mit den Bierbüchsen wieder vermehrt vor der Drogerie und beim Brunnen auf dem Marktplatz rumgehangen seien.

Reklamiert wurde auch schon mehr, weiss Hugo Kohler. Meistens seien es Anwohner oder Geschäftsinhaber, die sich über die Szenen aufregen. Bemerkenswert: Was den Marktplatz anbelangt, hat es noch keine Beschwerden vonseiten des Kiosks oder von Denner gegeben. Was den Südbahnhof anbelangt, auch keine vom Avec. Irgendwo müssen sich die Randständigen schliesslich auch mit Alkohol und Tabak eindecken.

Szene verschwindet nie ganz

Die statistischen Zahlen sind aus zwei Gründen mit Vorsicht zu geniessen: Zum einen besteht eine grosse Dunkelziffer, denn die Polizei macht lediglich Momentaufnahmen. Zum Zweiten geben die Fallzahlen keine Auskunft über die Anzahl Störenfriede. Meistens wird eine Person mehrfach gemahnt oder weggewiesen. Stadtpolizist Kohler schätzt, dass die Randständigenszene aus maximal 20 Männern und Frauen besteht.

«Die Wegweisung ist für die Polizei ein sehr wichtiges Instrument, ohne das uns früher die Hände gebunden waren», sagt der Leiter der Sicherheitsabteilung weiter. «Damit können wir sowohl proaktiv wie auch repressiv agieren.» Dennoch sei klar, dass sich die Szene nicht in Luft aufgelöst hat. Vielmehr verschiebt sie sich und taucht immer wieder auf. Aber man sieht sie weniger, und das beruhigt viele Leute, weiss Hugo Kohler. Letztlich würde eine Szene nie einfach so verschwinden, meint er. «Denn auch diese Leute wollen da sein, wo etwas geht und wo es Menschen hat.» Und damit auch im öffentlichen Raum. Das Problem sei also noch nicht gelöst.