Zum Auftakt des heurigen Jubiläumsjahres 100 Jahre Musikschule startete diese vor einem Jahr ein Projekt: Nach den Sommerferien wurden der Klasse 4d des Eichholzschulhauses die Instrumente Saxofon, Klarinette und Trompete vorgestellt.

Jedes Kind konnte eines auswählen und dann für ein ganzes Jahr damit musizieren; zu Hause können die Schüler je nach Lust und Laune üben und in der Schule wird jeden Dienstag ab 11.05 Uhr für eine Lektion geprobt.

Ueli Steffen, Leiter der Jugendmusik und Lehrer für Blechblasinstrumente an der Musikschule Grenchen, unterrichtet Trompete, Werner Steffen, Musikschullehrer für Saxofon und Klarinette, bringt dem anderen Teil der Klasse die zwei übrigen Instrumente näher.

Speziell für Migranten

Die vierzehn Schüler übten sich in der Improvisation, lernten Noten lesen und studierten Stücke ein. Diese spielen sie in Ensembles oder alleine vor. Dabei ist es wichtig, dass sie zu den Instrumenten Sorge tragen, denn diese sind geliehen.

Die Kosten übernimmt die Musikschule. Diese hat zum hundertjährigen Jubiläum dieses Projekt gestartet, um einer Schulklasse mit Migrationshintergrund das Musizieren näherzubringen. «Wir möchten zu unserem runden Geburtstag den Kindern etwas schenken», erklärt Musikschulleiterin Christa Vogt. Zu diesen Geschenken gehöre auch die Bläserklasse.

Es sei die Erfahrung gemacht worden, dass wenig Migrantenkinder die Musikschule besuchen, vor allem die Blasinstrumente würden kaum ausgewählt. «Den Familien dieser Kinder fehlt oft der Bezug zur Musikschule», beschreibt Vogt.

«Deshalb wird von der Familie auch nicht in Betracht gezogen, das eigene Kind bei uns anzumelden.» Die Kinder können auch lernen, einen besseren Umgang untereinander zu pflegen. Vogt: «Beim gemeinsamen Musizieren ist Respekt wichtig: Man muss aufeinander achten. Und wenn jemand alleine ein Stück vorträgt, muss man still zuhören.»

Schwierigkeiten und Euphorie

Barbara Zoss und Priska Humair sind die Klassenlehrerinnen der 4d und wurden von der Musikschule angefragt, ob sie am Projekt teilnehmen möchten. Nicht verwunderlich, dass sie sogleich zugestimmt haben: Sie beide sind selber musikalisch und finden Musik wichtig. Humair spielt Saxofon in der Jugendmusik und Stadtmusik, Zoss singt. «Es ist eine Chance für die Kinder», beschreibt Humair. «Sie lernen mehr Verantwortung zu übernehmen, da sie auf ein Instrument achtgeben – und es jeden Dienstag mitnehmen müssen.»

Wenn Humair sich an die ersten Musizierstunden zurückerinnert, lächelt sie: «Fast alle Kinder waren hell begeistert. Noch immer macht es allen Spass, jedoch haben sie gemerkt, dass sie etwas dafür tun müssen.»

Das Üben zu Hause sei nicht vorgeschrieben, aber wer nicht übe, könne nicht die gleiche Leistung in der Musizierstunde erbringen. «Ich sehe grossen Stolz vonseiten der Schüler und Schülerinnen: Sie haben es geschafft, ein Instrument zu beherrschen», erläutert Humair.

Fragt man die Kinder, so sieht man, dass dies zutrifft: Sie freuen sich darüber, neue Lieder zu lernen. Das Vorspielen gefällt: Man kann zeigen, was man gelernt hat. «Wir hatten sehr Glück, dass wir ausgewählt wurden», äussert sich Anja (Saxofon). Sie ist eine von wenigen ihrer Klasse, die bereits ein Instrument spielt und damit daheim zwei Instrumente vorbereiten musste.

Die beiden Musikschullehrer sind zufrieden. «Es ist anstrengend, aber sehr spannend», erklärt Werner Steffen. «Ich habe sehr viel in diesem Jahr lernen und weitergeben können.» Ueli Steffen ist überzeugt: «Es sind alle fähig, Musik zu machen, was man auch am Beispiel dieser Klasse sieht. Es tat allen gut.»

Letzte Woche konnten die Kinder ihren Familien in einem schulinternen Konzert zeigen, was sie in diesem Jahr gelernt haben. Da die Bläserklasse ein Erfolg war, wird im nächsten Schuljahr die neue Klasse von Humair und Zoss, eine dritte Klasse, die Chance bekommen, ein Jahr lang zu musizieren.

Sollte es finanziell möglich sein, will die Musikschule dieses Angebot auch zukünftig anbieten. Vogt spricht eine Vision an, die aber noch weit entfernt ist: «Es wäre schön, wenn wir dieses Angebot für alle Klassen einer Schulstufe, beispielsweise einer dritten Klasse, anbieten und auch weitere Ensembleinstrumente hinzunehmen könnten.»