Das fachliche Wissen, einen Obstbaum zu beschneiden und das Know-how weiterzugeben, ist eine der vornehmsten Pflichten des Ost- und Gartenbauvereins Grenchen, der im letzten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern konnte. «Dass das Interesse bei den Mitgliedern stark nachgelassen hat, ist verständlich», meint Hans Kocher, ein erfahrener Baumwart. Einen Grund sieht er in der Verdichtung von Siedlungen, weil dadurch ein Häuschen mit Garten in Stadtgebieten kaum mehr Platz habe.

Etwas resigniert fragten Roger und Meinrad Jost: «Warum noch einen Baum pflanzen, wenn man das Obst im Supermarkt kaufen kann?» Dennoch sind sie bemüht, ihr Wissen an Mitglieder und Interessenten weiterzugeben. Den Winterschnittkurs bieten sie meistens im Januar und Februar, den Sommerschnittkurs im Juni und Juli an.

Robert Kocher zeigte in beeindruckender Weise, worauf es beim Sommerschnitt ankommt: «Gelernt haben wir, dass ein Baum Licht und Luft braucht. Beim Sommerschnitt kann man den Baum ideal ausdünnen, denn man erkennt am besten Geäst und Triebe, die im Frühling übersehen wurden, weil noch kein Grün vorhanden war.» Wasserschösslinge nennt man Triebe, die dem Baum nur das Wasser entziehen.

Eine Wissenschaft für sich

Das Baumschneiden sei schon eine Wissenschaft für sich, meinte Kursleiter Meinrad Jost. Er ist froh, in Robert Kocher einen erfahrenen Baumwart zur Seite zu haben. Viel öfter als die Schere kommen die Hände zum Einsatz. «Anders als bei den Schnitten werden beim Reissen die schlafenden Augen am Astring mit entfernt.» Dies verhindere, dass der Baum im nächsten Jahr gleich wieder an dieser Stelle ausschlägt. Dass der Baum ausgedünnt werden muss, sei klar.

Äste jedoch, die im nächsten Jahr tragen werden, bleiben verschont. Viele Laien, erklärte Robert Kocher, «verschneiden ihren Baum und sind erstaunt, weil er keine Früchte trägt». Eine Regel im Sommerschnitt sei, dass auch Äste, die schon mit Früchten besetzt sind, zugunsten von mehr Licht und Luft den anderen Früchten mehr Nahrung zur Verfügung stellen können.