Sie sind nun seit bald einem Jahr Leiter der grössten Schule im Kanton. Wie waren Ihre Erwartungen und wurden sie erfüllt?

Hubert Bläsi: Ich wusste, dass die Neugestaltung der geschaffenen Stelle kein Sonntagsspaziergang werden würde. Insofern begab ich mich mit einer möglichst neutralen Haltung auf den Weg. Die Abteilung ist wie erwähnt gross, an unseren Schulen sind rund 200 Lehrpersonen tätig. Dies führt dazu, dass ich nach wie vor am Aufbauen bin und auch das Kennenlernen noch nicht abgeschlossen ist. Auch sind wir daran, die Aufgaben in der Geschäftsleitung zu konsolidieren, immerhin sind dort die Hälfte der Mitglieder neu. Das Arbeitsklima ist grossmehrheitlich gut. 

Gab es positive oder negative Überraschungen?

In vielen Belangen wurde ich positiv überrascht. Das Verhältnis zur Politik ist gut und das Verständnis für die Schulen da. Ich versuche jetzt, noch genauer festzumachen, welche Reporting-Daten zu den Schulen der Gemeinderat wirklich wünscht. Mein Alltag gestaltet sich überdies dermassen lebendig, dass ich stets von Überraschungen umgeben bin. Bei jedem Läuten des Telefons, beim Klopfen an der Türe oder beim Öffnen eines Couverts, besteht die Gefahr einer schwierigen Angelegenheit oder aber die Chance für eine freudige Botschaft. Speziell gefreut habe ich mich über die Sicherstellung des Erscheinens unserer Broschüre «Grenchner Schulnachrichten». Die Publikation für alle Haushalte mit Schülern, die zweimal jährlich erscheint, wird jetzt auch in Grenchen gedruckt.

Sie waren vorher Lehrer. Vermissen Sie die direkten Kontakte zu den Schülern nicht?

Da ich von klein auf den Lehrerberuf anstrebte, habe ich das Unterrichten stets geschätzt. Ich durfte über Jahrzehnte diese Tätigkeit mehrheitlich ausüben. Jetzt habe ich eine andere Rolle und diese füllt mich ebenso aus. Da mein Büro in einem Schulhaus domiziliert ist und ich zudem viel in Klassen unterwegs bin, fühle ich mich immer noch nahe am Geschehen. Insofern ist der Leidensdruck gering.

Eigentlich sagt der Kanton, wo es in der Schule lang geht. Fühlt man sich da nicht als kantonaler Vollzugsbeamter, oder wo haben die Gemeinden überhaupt noch Spielraum?

Könnte es sein, dass das Wort Kanton bei Ihnen negativ behaftet ist? (lacht) Viele Jahre habe ich als Schulinspektor in meinem damaligen Gebiet quasi den Kanton verkörpert. Darüber hinaus bin ich als kantonaler Politiker mit dem Schwerpunkt Bildung tätig. Auch habe ich in meiner neuen Rolle die Personen, mit welchen ich auf Kantonsebene zu tun hatte, als faire Partner erlebt. In schwierigen Situationen ist es oft dienlich, kompetente Ansprechpartner auf höherer Ebene zu haben. Wenn im Zuge der z. B. vom Volk gewünschten Harmonisierung, Umsetzungen verordnet werden, ist dies in einer Demokratie zu akzeptieren. Natürlich löst das nicht immer nur Freude aus – auch bei mir nicht.

Gegen die integrative Schulung hat sich Grenchen ja gewehrt. Fügt man sich jetzt dem Schicksal?

Ich bin überzeugt, dass wir nach Ablauf der Versuchsperiode einen Weg finden werden. Die Rahmenbedingungen sind zwar gegeben, aber es gibt Freiheiten, die es auszunützen gilt.

Ist es eigentlich schwierig, Lehrkräfte zu finden für eine Stadt mit 35 Prozent Ausländeranteil?

Gar nicht. Das ist bei Anstellungsgesprächen meines Wissens kaum je ein Thema. Wir erhalten sogar Blindbewerbungen. Der hohe Anteil führt im Alltag vorab zu einer multikulturellen Prägung, was positiv genutzt werden kann. Sollte der Begriff «Ausländer»› indes mit negativen Klischees einhergehen, muss ich Gegensteuer geben. Die grosse Mehrheit fügt sich korrekt in unser System ein. Dabei ist zentral, dass sowohl unsere Werte, die Kultur, wie auch Rituale gelebt und akzeptiert werden. Im Bereich der Sprachkompetenz führt Grenchen eine Klasse für Fremdsprachige und engagiert sich mit einem Angebot im Vorschulalter. Zugegebenermassen gibt es auch Problemfelder. Diese binden oft viele Ressourcen ...

Und trotzdem hat die Schule letztes Jahr 1,7 Mio. Fr. gegenüber dem Budget eingespart. Wie war das möglich?

Und da soll noch jemand behaupten, wir würden nicht sparen! Natürlich kommt die ganze Wahrheit nuancierter daher. Nebst der Erkenntnis, dass Ausgaben möglichst begrenzt werden sollen, gab es mit der vom Kanton neu eingerichteten Schülerpauschale einnahmeseitig positive Effekte. In diesem Sinn werden wir auch weiter wo immer möglich dem begründeten Sparauftrag nachleben. Auf der anderen Seite sind die Schülerzahlen steigend und es gibt Aufgaben, wie Angebote, auf welche eine moderne Schule eingehen muss.

Wie reagiert die Stadt auf die steigenden Schülerzahlen?

Die Schulraumplanung hat den Bedarf aufgezeigt, obwohl sich die Situation aufgrund von Zu- und Wegzügen in der Stadt, bzw. einem Schulkreis auch rasch ändern kann. Wir planen beim Schulhaus Kastels ein Provisorium für drei Jahre. In dieser Frist sollte dort der benötigte Schulraum mit einer nachhaltigen Lösung erstellt werden können.

Jetzt feiern Sie ein Fest «Sekundarschule an einem Ort». Manche sehen da nicht so viel zum Feiern ausser etwas neue Bausubstanz …

Persönlich war ich auch skeptisch, ob ein Oberstufenzentrum angestrebt werden soll. Da Grenchen aber das Privileg hat, einer der Standorte für progymnasiale Klassen zu sein, musste der Zusammenzug umgesetzt werden. Nachdem sich das erste Schuljahr mit der neuen Organisation der Ziellinie nähert, dürfen wir ein positives Fazit ziehen. Die Schülerinnen und Schüler haben sich grösstenteils gut eingelebt. Wenn man dann noch die baulichen, wie auch die technischen Erweiterungen der Schulanlage mit in die Betrachtung einbezieht, ist das Feiern durchaus angesagt.

Morgen Freitag wird das Oberstufenzentrum Grenchen mit einem Festakt um 17 Uhr in der alten Turnhalle feierlich eröffnet. Ab 18 Uhr können die neuen Schulräume besichtigt werden mit Führungen durch Schülerinnen und Schüler. Im Schulhaus III sind zudem die Projektarbeiten der Abschlussklassen zu sehen. Ab 20 Uhr Konzert mit Lehrpersonen, Schülern und dem rockenden Schulhauswart Kurt Gilomen (Chappelitüfel 2016)