Grenchen
Das Mini-Wasserkraftwerk ist eine ganz grosse Sache

Armin Meier ist einer, der Arbeit und Freizeit der Förderung nachhaltiger Energieformen und dem sinnvollen Umgang damit gewidmet hat. 18 Jahre lang arbeitete er als Grenchner Energieberater, zeigte wie sie Strom und Geld sparen können.

Patrick Furrer
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Armin Meier im Turbinenhaus, wo er ein Mini-Wasserkraftwerk erstellt

Armin Meier im Turbinenhaus, wo er ein Mini-Wasserkraftwerk erstellt

Patrick Furrer

«Jeder von uns kann einen Beitrag leisten», weiss Armin Meier. Sein eigener, ganz besonderer, ist ein Projekt, mit welchem sich die Energiestadt Grenchen bald brüsten wird: Anfang 2013 soll Meiers Wasserkraftwerk in Betrieb gehen.
Im ehemaligen Pumphaus an der Wiesenstrasse 21, das um 1930 herum erbaut wurde, will er noch dieses Jahr eine neue Turbine einrichten, die künftig mit Wasser aus dem BLS-Tunnel betrieben wird. Die Stadt saniert die Entwässerung in diesem Gebiet, was die Sanierung des Zuflusses für das Pumphaus möglich macht.
Keine einfache Geburt
«Die Leistung der Turbine wird mit 35 Kilowatt gering sein», sagt Armin Meier, «doch produziert das Kleinkraftwerk jährlich rund 210 000 Kilowattstunden Strom. Um die gleiche Strommenge thermisch zu erzeugen, müsste man über 60 000 Liter Öl pro Jahr verbrennen.» Versorgen kann Armin Meier mit seinem Kraftwerk rund 75 Haushalte.
Die Geburt des Projekts war nicht einfach: Einen hohen sechsstelligen Betrag muss Armin Meier investieren. Bürokratie und Wirtschaft, die Fragen nach den Besitzverhältnissen der Wasserzuleitung und des Hauses selbst sowie Sicherheitsaspekte und diverse Vorschriften führten zu ärgerlichen Verzögerungen, die Meier heute öffentlich nicht mehr weiter kommentieren will. Sieben Jahre musste er für seine Idee kämpfen, die ihm ein Investor sogar einmal wegnehmen wollte.
Heute freut sich der Energiefachmann über das Erreichte. Ein Traum wird wahr. Auch wenn Meier zugibt: «Heute würde ich den ganzen Aufwand wohl nicht mehr auf mich nehmen.» Und doch ist er froh, gerade von der Baudirektion stark unterstützt worden zu sein. «Ohne Claude Barbey wäre es mir wohl nicht gelungen», meint Meier.
Wärme für neues Hochhaus
Die Turbine wird neu durch Drainagewasser aus dem BLS-Tunnel über einen Abzweigekanal aus der Leitung unter der Alpenstrasse gespeist werden. Mitte des laufenden Jahres soll der Kanal gemäss Meier saniert werden. Im Frühsommer will er dann die Turbine bestellen. Bei alledem geht es ihm aber nicht etwa darum, viel Geld zu verdienen, auch wenn er viel Geld investiert hat. Die Einnahmen generiert Armin Meier über die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes. Auch mit der Espace Real Estate, die auf dem Gelände vor dem Viadukt ein Hochhaus bauen will, besteht ein Projekt, die neue Liegenschaft mit Heizwärme zu versorgen. Dies würde über eine Wärmepumpe geschehen, welche die nötige Energie dem Unterwasser entzieht.
Etwas ist Armin Meier besonders wichtig: «Ich greife mit meinem Projekt nicht zusätzlich negativ in die Natur ein», betont er. «Alles ist bereits vorhanden, und ich nutze lediglich eine für die Natur ‹tote› Röhre unter der Stadt. Das ist Gratisenergie, die genutzt werden muss.»
Meier ist sicher, dass das grosse zentrale Wunder in der Energiegewinnung nicht mehr kommt. Deshalb seien kleine dezentrale Projekte umso wichtiger. Das Wasserkraftwerk passt gut in die Energiestadt Grenchen, in der auf dem Flugplatzgelände eine Solaranlage und auf dem Grenchenberg ein Windpark entstehen. Doch mit solchen Projekten steht auch die Uhrenstadt erst am Anfang. Es gibt noch viel zu tun, sagt Armin Meier. «Effizient, erneuerbar, suffizient», müsse Energie in Zukunft genutzt werden. Denn: «Auch wenn es viele schöne lobenswerte Ansätze gibt - noch ist die Energiefrage nicht gelöst.»