Auf einen Kaffee mit...
«Das Marktfahren ist eine nie endende Leidenschaft»

Regula Wyss aus Arch ist mit ihrer Firma «Oliveta's» von den Märkten in Solothurn Grenchen nicht mehr wegzudenken. Bereits in ihrer Kindheit hat sie ihre Grossmutter regelmässig auf den Markt nach Grenchen begleitet.

Andreas Toggweiler
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Seit 17 Jahren verwöhnt Regula Wyss ihre Grenchner Marktkunden mit mediterranen Köstlichkeiten.at.

Seit 17 Jahren verwöhnt Regula Wyss ihre Grenchner Marktkunden mit mediterranen Köstlichkeiten.at.

Wer die Düfte und Geschmäcker des Südens liebt – und das sind hierzulande nicht wenige –, ist am Marktstand von Regula Wyss und ihrem Team am richtigen Ort. Vor 21 Jahren hat sie sich selbstständig gemacht und die Firma «Oliveta’s» gegründet. Ihr einladender Marktstand mit einer grossen Auswahl mediterraner Köstlichkeiten, allem voran Oliven vieler Länder, ist aus Solothurn oder Grenchen nicht mehr wegzudenken.

An diesem Markttag in der Uhrenstadt Grenchen, wo sie seit 17 Jahren regelmässig mit ihren Produkten am Freitagsmarkt anzutreffen ist (in Solothurn sogar seit 20 Jahren), findet Regula Wyss aus Arch jetzt Zeit für eine Kaffeepause, denn der erste Kundenansturm ist bewältigt. «Das Marktfahren ist eine faszinierende Leidenschaft», entfährt es der gestandenen Geschäftsfrau.

Man spürt ihre Begeisterung für ein Gewerbe, das längst nicht jedem behagen dürfte: an Markttagen um fünf Uhr früh raus und mehrere Stunden stehen – bisweilen bei garstiger Witterung. Doch wenn man Produkte verarbeitet und verkauft, von denen man selber restlos überzeugt ist und mit denen man vor allem immer mehr Kundinnen und Kunden überzeugen kann, fällt alles halb so schwer.

Mit der Grossmutter am Markt

Bereits in ihrer Kindheit hat Regula Wyss ihre Grossmutter regelmässig auf den Markt nach Grenchen begleitet und sie beim Verkauf von Gemüse und Früchten unterstützt. Ihr heutiger Olivenstand ist nur wenige Meter vom ehemaligen Standplatz ihrer Grossmutter entfernt. Vermutlich ist hier erstmals ihre Begeisterung fürs Marktfahren entfacht worden.

Ihre berufliche Entwicklung ging aber vorerst in eine ganz andere Richtung. Regula Wyss machte eine Ausbildung als Psychiatrieschwester und arbeitete danach mehrere Jahre als Gesundheitsschwester in der Sozialpsychiatrie. «Eine prägende Begegnung mit einer Marktfahrerin, die ebenfalls mediterrane Produkte anbietet, brachte die berufliche Wende. «Die Begeisterung für die Verarbeitung und den Verkauf von Oliven und anderen Köstlichkeiten weckte in mir den Wunsch, mich selbstständig zu machen», erklärt sie.

D Solothurner Zytig und s Grenchner Tagblatt göh z'Märet

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AZ

Aus diesem Entschluss wurde eine Erfolgsgeschichte. Nicht zuletzt dank ihrer Kreativität und Experimentierfreude sowie ihrem Team, das sie all die Jahre in ihrer Arbeit unterstützt hat. «Ich probiere immer wieder neue Rezepte aus und bin jedes Mal gespannt auf das Feedback unserer Kunden».

Was man bei Regula Wyss bald lernt: Oliven sind nicht gleich Oliven. Es gibt sie in allen Grössen und Geschmacksrichtungen: intensiv oder mild, grün oder dunkel, aus Griechenland, Spanien, Südfrankreich, entsteint oder nicht, gefüllt, mariniert, mit Feta-Käse oder als Apéro-Häppchen.

Als Tapenaden oder ganz einfach als Olivenöl. «Oliven haben für mich etwas Edles, Faszinierendes und sind ein wertvolles Naturprodukt», schwärmt Regula Wyss. Und sie teilt ihre Begeisterung zum Beispiel mit ihren Lieferanten, die sie persönlich kennt. «Ein Olivenbauer aus Griechenland bringt uns seine Produkte selber vorbei und übernachtet manchmal sogar bei uns. Dabei entstehen immer wieder spannende Gespräche zum Thema Oliven.»

Begegnung auf Augenhöhe

Mit frischen Kräutern, Gewürzen und weiteren Zutaten, die sie auch von anderen regionalen Marktfahrern bezieht, entstehen in Handarbeit ihre vielfältigen Kreationen. Wer vor dem Marktstand verweilt – es ist übrigens noch ein richtiger Marktstand, bei dem man sich auf Augenhöhe begegnet –, kann auch von dieser Leidenschaft angesteckt werden, nämlich von der Probierleidenschaft. Die Oliven sind zwar Dreh- und Angelpunkt, doch auch weitere Köstlichkeiten wie Antipasti, Käse, Saucen, Dips oder Apérogebäck stehen zur Auswahl.

Regula Wyss schätzt am Markt vor allem, dass man ins Gespräch kommen kann, seine Kunden kennt und weiss, was sie gerne haben. «Der Markt ist ein Ort der Begegnung, der den Menschen guttut», ist sie überzeugt. Und zum Glück gebe es immer noch viele Kunden, die sich für diese Einkaufsatmosphäre ebenfalls begeistern lassen. Das Bedürfnis vieler Kunden nach Frischprodukten aus der Region nimmt stetig zu. «Die Leute auf dem Markt kaufen bewusster ein – sie haben Fragen zu den Erzeugnissen und bekommen auch eine Antwort darauf. Das unterscheidet das Einkaufserlebnis auf dem Markt vom unpersönlichen Einkaufen im Grossverteiler» so Regula Wyss.

«Immer dranbleiben»

Inzwischen beschäftigt «Oliveta’s» 15 (Teilzeit-)Angestellte, die in der Produktion in Arch oder hinter dem Marktstand im Einsatz sind. Das Angebot wird durch einen Partyservice ergänzt. Ist das nicht manchmal etwas viel für eine «One-Woman-Show»? «Man muss immer dranbleiben, das ist klar», meint sie dazu, «und ohne die Unterstützung meines Partners und eines topmotivierten und sehr gut eingespielten Teams wäre dies kaum zu erreichen.»

Hat man nach 20 Jahren im Geschäft noch Ziele und Visionen? – Kurzfristig ist ein Timeout geplant, erstmals in ihrer Marktfahrerkarriere. «Eine Auszeit, in der ich etwas zur Ruhe kommen kann», sagt Regula Wyss. «Der Betrieb ist während meiner Abwesenheit durch mein gut eingespieltes Team sichergestellt.» Und dann hat sie bereits wieder Pläne. Im November nämlich will sie nach mehrjähriger Pause an den Bieler Markt in der Altstadt zurückkehren. Jeweils samstags werden auch dort wieder Produkte von «Oliveta’s» angeboten werden.