Grenchen
Das Littering im Wald hat stark zugenommen

Revierförster Patrik Mosimann und sein Team sind nicht nur dadurch stark gefordert.

André Weyermann
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Gerade im Waldgebiet hat das Littering stark zugenommen. Abfälle werden dort entsorgt, wo es den Besucherinnen und Besuchern gerade in den Kram passt.

Gerade im Waldgebiet hat das Littering stark zugenommen. Abfälle werden dort entsorgt, wo es den Besucherinnen und Besuchern gerade in den Kram passt.

André Weyermann

Die ausserordentliche Lage mit den hinlänglich bekannten Verhaltensregeln sowie das (vorwiegend) schöne Wetter in den letzten Wochen haben dazu geführt, dass vermehrt Grenchnerinnen und Grenchner Abwechslung und Erholung in den Naherholungsgebieten suchen: ein eigentlich erfreulicher Umstand. Die Abstandsregeln werden denn auch eingehalten.

Weniger wünschenswert, beziehungsweise gar ärgerlich sind aber gewisse Begleiterscheinungen, die damit einhergehen. Gerade im Waldgebiet hat das Littering stark zugenommen. Abfälle werden dort entsorgt, wo es den Besucherinnen und Besuchern gerade in den Kram passt.

Ganz und gar nicht der Sinn der Sache

Das ist selbstverständlich nicht der Sinn der Sache. Revierförster Patrik Mosimann bestätigt den Sachverhalt: «Es ist ja an und für sich schön und auch willkommen, dass die Menschen aus der Region in einer schwierigen Situation die Vorzüge des Waldes als Erholungsgebiet und zum temporären ‹Abschalten› wiederentdeckt haben. Wir stellen einfach fest, dass viele nicht so geübte Waldgänger unterwegs sind und die Gepflogenheiten offenbar auch nicht kennen.» Insbesondere im Talwald, im Gebiet Vita Parcours, Holzerhütte, Dählenwald und Chappeliboden sind die ungeliebten Zivilisationsspuren allgegenwärtig. Aber auch auf den Bergen hat sich das Problem akzentuiert. Er und seine Mitarbeitenden sind denn auch ziemlich damit beschäftigt, diese Spuren zu beseitigen. Ein Aufwand, der nun wirklich nicht zu den Kernaufgaben des Forstteams gehören müsste.

Die Situation im Wald ist schon herausfordernd genug, wurden doch im Gebiet des Dählenwaldes und Chappeliboden alleine zur Sicherheit der Waldbesucher rund 400 Kubikmeter kranke Eschen und absterbende Weisstannen entfernt. Die Eschen sind von einer Pilzkrankheit (Eschentriebsterben) befallen, die Weisstannen kämpfen seit 2018 mit der ­Trockenheit.

Krise macht auch der Holzbranche zu schaffen

Zusätzlich habe man das Problem, dass wegen der anhaltenden Krise der Holzverbrauch stark zurückgegangen ist, die holzverarbeitende Industrie sich mit teilweise sehr schwierigen Bedingungen konfrontiert sieht.

Zum Glück können Mosimann und sein Team einigermassen normal arbeiten, wobei sich die Forstmannschaft wegen der warmen und trockenen Temperaturen seit Ende März auch mit einem alten Bekannten herumzuschlagen hat. Der Borkenkäfer gedeiht nämlich wieder prächtig. Dieses nur schwer zu bewältigende Problem ist allerdings naturgemacht.

Umso schöner wäre es, wenn sich die hart arbeitenden Forstarbeitenden nicht noch mit Zusatzarbeiten beschäftigen müssten, die mit wenig Aufwand seitens der Waldbesucherinnen und Waldbesucher minimiert werden könnten.

Natürlich gibt es im Wald weniger Abfallentsorgungsmöglichkeiten (Abfallkübel, Roby Dog etc.) als im sonstigen Gemeindegebiet. Allein, es dürfte nun wirklich nicht zu viel verlangt sein, den eigenen Müll wieder mitzunehmen und an geeigneter Stelle zu entsorgen. Erholung und Ablenkung in der freien Natur tun gut und sind auch angesagt. Ebenso angesagt ist es jedoch, dafür zu sorgen, dass die Natur auch weiterhin so intakt bleibt, wie wir sie schätzen und lieben. Dafür braucht es wahrlich keine übermenschlichen Anstrengungen.

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