Granges Mélanges

Das Laientheater «Ach, du liebe Mauer» regte zum Nachdenken an

Die Schauspieler errichten Mauern, die trennen und einzwängen.

Die Schauspieler errichten Mauern, die trennen und einzwängen.

Das Stück «Ach, du liebe Mauer» des Omnibus Theaters beschäftigt sich experimentell und vielsprachig mit Mauern. Dabei ging es keineswegs nur um physische Mauern, sondern auch um Mauern, die sich in den Köpfen der Menschen befinden.

Die Zuschauer sitzen auf Stühlen in einem grossen Kreis zusammen mit den Schauspielerinnen und Schauspielern. Plötzlich erhebt sich eine Frau mit hochgebundenen Haaren und roter Kleidung, schreitet in den Kreis und legt sich auf den Boden. Daraufhin folgt ihre jüngere Kollegin. Auch sie betritt den Kreis und legt sich nieder. Nach und nach tun es ihnen die anderen Mitglieder der Schauspieltruppe Omnibus Theater gleich. Die ersten Worte werden gen oben zur Decke gesprochen. Für den Zuschauer aber scheint es, als würden sie vom Himmel hinab auf die Erde schauen: «Werde ich ein Mann sein?», wird etwa gefragt. Oder: «Wo werde ich geboren?». «Alle Menschen sind gleich», wird schliesslich gesagt.

Das Laientheater «Ach, du liebe Mauer», das am Freitag in der Aula IV aufgeführt wurde, befasste sich in den verschiedensten Facetten mit dem Thema Mauern. Im Stück ging es nicht nur um physische Mauern oder um politische Landesgrenzen, sondern auch um Mauern, die sich im Kopf eines jeden Menschen befinden. Immer wieder werden Grenzen auf- und wieder abgebaut. Das experimentelle Stück wurde von der Truppe entwickelt und geleitet von Lorenz Belser, der selbst auch mitspielte. Es bietet viel Spielraum für Interpretationen, ist lustig, ernst, fantasievoll, traurig, voller Wut, aber auch voller Hoffnung und stimmt nachdenklich.

Biografisch geprägt

Zahlreiche persönliche und biografische Elemente waren im Stück enthalten und wurden von den Spielenden in ihrer Muttersprache, aber auch in anderen von ihnen erlernten Sprachen wiedergegeben. Da wird eine Anekdote über die reiselustigen Touristen auf Italienisch zum Besten gegeben, dort wird ein türkisches, tiefbewegendes Wiegenlied gesungen. Das Publikum bekam Geschichten aus Syrien, Mazedonien, Peru, Chile, Polen, der Türkei und der Schweiz zu hören.

Im Stück geht es nicht darum, jedes Wort zu verstehen. Bereits Mimik, Gestik und Tonlage einer Stimme führen eine Nachricht und Emotionen mit sich. Dieses Element führte zu einer spielerischen Interaktion mit dem Publikum, weil die zahlreichen, rund siebzig Zuschauer verschiedene Sprachen und entsprechend unterschiedliche Sequenzen des Stücks vollständig verstehen konnten. Organisiert wurde der interkulturelle Anlass von Granges Mélanges. Die Spieler des Theaters stammen aus Solothurn und Biel, sie suchen aktuell auch Mitspieler aus Grenchen (www.omnibustheater.ch).

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