Historie
Das kostbare Nass liess sich Grenchen schon früher viel kosten

Vor genau 50 Jahren nahm Grenchen die heutige Gruppenwasserversorgung in Betrieb. Mit dem Hauptpumpwerk Obergerlafingen und dem Zubringer-Pumpwerk Recherswil erhielt die Wasserversorgung Zugang zum Grundwasser im solothurnischen Wasseramt.

Rainer W. Walter
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Ein selten gesehenes Bild: der Blick ins Wasserreservoir Studen.

Ein selten gesehenes Bild: der Blick ins Wasserreservoir Studen.

Hanspeter Bärtschi

Einen ersten Hinweis auf eine öffentliche Wasserversorgung in Grenchen findet man 1541: Die Regierung in Solothurn verlangte von Grenchen, den Dorfbrunnen ins Zentrum der Siedlung zu verlegen. Mit der baulichen Entwicklung der Gemeinde bildeten sich verschiedene Brunnen-Genossenschaften. 1899 beispielsweise versorgte die Unterdorf-Brunnengenossenschaft den unteren Teil Grenchens mit Trinkwasser. Bereits zwei Jahre später wurden in diesem Gebiet sechs Unterflurhydranten eingebaut. Im gleichen Jahr bestanden diese beim Brand der Dorfschmiede den Ernstfall-Test.

Später entstanden weitere Brunnengenossenschaften. So unter anderem jene der Kirchstrasse, der Landstrasse, die Genossenschaft Schmelzi und Bärematte. Dazu kamen die Wasserversorgungen Fäh und Güggi, und es existierte die Wasserversorgung im Bachtelen. Seit 1903 gibt es in Grenchen eine einheitliche Wasserversorgung. Dieses wichtige Vorhaben konnte umgesetzt werden, nachdem sich die Einwohnergemeinde mit den Betreibern der Wasserräder geeinigt hatte. 1905 wurde das Hydrantennetz bis Staad ausgeweitet.

Tunnelbau legt Bachquelle still

Im Januar 1913 wurde die Quelle des Dorfbaches, welche bisher als «Monopolistin» die Versorgung der Bevölkerung Grenchens mit Wasser garantierte, bei den Arbeiten am Grenchenbergtunnel angestochen. Dadurch wurde die Quelle des Dorfbaches lahmgelegt.

Aber auch die 18 in Grenchen existierenden Wasserwerkbesitzer erlebten, dass ihre Wasserräder nicht mehr drehten. Grenchen drohte nicht bloss eine neue «Trockenzeit», sondern auch eine starke wirtschaftliche Einbusse, weil die Unternehmungen ihre Maschinen nicht mehr mit Wasserkraft betreiben konnten. Nach langen Verhandlungen mit der BLS wurden nach dem Bau im Grenchenbergtunnel insgesamt 20 Quellen gefasst. Die meisten davon sind heute noch in Betrieb.

Ursprünglich wurde die Wasserversorgung von der Bauverwaltung betrieben. Ab 1921 ging die Verantwortung ans Gaswerk über. 1952 übernahm die Einwohnergemeinde alle Rechte der Bürgergemeinde an der Wasserversorgung und musste deshalb eine Ablösungssumme von 0,285 Mio. Franken bezahlen. Im Gegenzug verzichtete die Bürgergemeinde auf ihre drei Sitze in der neunköpfigen Wasserkommission.

Ein Traum wird realisiert

Bereits in den 40er-Jahren zeigte es sich, dass die bestehenden Fassungen für den Trinkwasserbedarf nicht ausreichten. Neben dem gefassten Tunellwasser floss eine weit grösserer Menge in einem Kanal aus dem Tunnel. Mit diesem «Kanalwasser» wurde das Kraftwerk der BLS an der Wiesenstrasse betrieben (welches demnächst wieder in Betrieb gehen soll, wir berichteten). Dieses «Kanalwasser» betrug im Mittel 200 Liter pro Sekunde. Doch der Eisenbahnverkehr im Tunnel barg auch die Gefahr der Verschmutzung in sich. Deshalb wurde dieses Wasser mit Chlor keimfrei gemacht, bevor es in die Trinkwasserleitungen gelangte. Abklärungen ergaben, dass das geringe Wasseraufkommen keine weiteren Fassungen im Tunnel zuliess.

1954 wurde das Konzept der Gruppenwasserversorgung erarbeitet. Insgesamt wollten sich neben Grenchen 14 weitere Gemeinden an diesem Projekt beteiligen. An der Gemeindeversammlung 1955 wurde ein 10-Millionen-Kredit zur Verfügung gestellt. Im Verlaufe der Arbeiten wurden Nachtragskredite im Umfang von einer Million bewilligt. Die Netto-Baukosten beliefen sich schliesslich auf 12,1 Millionen Franken. Das Pumpwerk Kyburg, das 1977 in Betrieb genommen werden konnte, kostete rund 3,1 Millionen Franken, sodass die gesamte Gruppenwasserversorgung auf über 15 Millionen Franken zu stehen kam.

Neue Versorgung bewährt sich

Mitte 1962 wurde die neue Wasserversorgung in Betrieb genommen. Alle Arbeiten waren noch nicht beendet. Vor allem erwiesen sich die Verschmutzungen in der Zubringer- und der Fernleitung als hartnäckig. Dies zwang das Wasserwerk, das Trinkwasser noch immer zu chlorieren.

Der Sommer 1962 war sehr heiss und trocken. Ohne die neue Wasserversorgung hätte man in Grenchen den Wasserkonsum stark einschränken müssen. Im Verlaufe des Jahres stieg der Wasserkonsum um sieben Prozent. In den vorhergehenden zehn Jahren stieg der Konsum gar um 71 Prozent.