Grenchen

Das Kino Rex bleibt vorerst geschlossen

Seit Ende April ist das Kino Rex an der Bielstrasse geschlossen – ein Schild am Eingang weist darauf hin.

Seit Ende April ist das Kino Rex an der Bielstrasse geschlossen – ein Schild am Eingang weist darauf hin.

Seit Ende April ist das Kino Rex geschlossen. Nachdem der Betreiber viel Geld in die Renovation und Digitalisierung des Kinos gesteckt hatte, blieben die erhofften Besucher aus. Verhandlungen mit einem Nachfolger laufen.

«Als den schönsten Kinosaal der Region, von Biel bis Solothurn, haben etliche Besucher das ‹Rex› an der Bielstrasse bezeichnet, nur leider haben das einfach zu wenige Leute realisiert.» Walter Loosli, der vor vier Jahren zusammen mit der Hausbesitzerin über eine halbe Million Franken in den Umbau und die Gesamtrenovation des Kinos mit 270 Plätzen steckte, hat aufgegeben. Seit Ende April ist das «Rex» zu. An der Tür ein Schild: «Das Kino bleibt wegen Geschäftsübergabe geschlossen».

«Ich habe mich mit dem Umbau ‹überlüpft›, sagt Loosli auf die Frage, weshalb er die Segel in Grenchen streicht. Er habe zu viel Geld in die Gesamtrenovation und die Digitalisierung gesteckt, dafür sogar eine neue Hypothek auf sein Haus aufgenommen. «Diese Schulden abzubezahlen, gleichzeitig den Mietzins zu berappen, das war jetzt einfach zu viel.»

Die Besucherzahlen – und damit auch die Einnahmen – blieben hinter den Erwartungen Looslis zurück, obwohl sich das «Rex» mit dem Umbau und der Digitalisierung zu einem der modernsten Kinos der Region mauserte und auch ein ansprechendes Programm mit vielen Blockbustern und Reprisen geboten wurde. «Ich hatte wirklich erwartet, dass mehr Leute ins Kino kommen.»

Grenchen, die tote Stadt

Und woran liegt es, dass die Kinogänger in Grenchen eher rar sind? Das Problem seien die fehlenden Ausgangsmöglichkeiten in der Stadt, meint Loosli. «Das macht schon fast die Hälfte des Problems aus, denke ich.» Die Jungen und Teenager würden eher nach Solothurn oder Biel fahren, wo sie vor oder nach dem
Kino wesentlich mehr Möglichkeiten hätten, noch etwas trinken zu gehen. «Grenchen ist eine tote Stadt. Für Junge – sie machen den grössten Teil des Kinopublikums aus – fehlt ein Angebot.»

Seiner Meinung nach ist in Grenchen in der Vergangenheit auch sonst viel zu viel falsch gemacht worden. «Ich erhoffte mir durch den Wechsel im Hôtel-de-Ville auch einen Wandel in der Stadt, aber mir ist auch klar, dass so etwas nicht von heute auf morgen funktioniert.»

Andere Aktionen, welche er unternommen habe, hätten nicht das erwünschte Ergebnis gezeigt, so Loosli. «Beispielsweise habe ich Kino für Senioren durchgeführt und Studiofilmreihen lanciert. Beides hat leider nicht gehauen.» Manchmal habe er Vorführungen für nur gerade drei Besucher gefahren.

So habe er sich für dieses «Ende mit Schrecken» entscheiden müssen. Früher, als er eigentlich gerechnet habe. Es sei eine schöne Zeit in Grenchen gewesen, die er sehr genossen habe. «Es hat grossen Spass gemacht im ‹Rex›, und ich bin auch stolz darauf, einen der schönsten Kinosäle weit und breit realisiert zu haben.»

Spekulationen um Nachfolge

Und wie soll es mit dem «Rex» weitergehen? Spekulationen um einen möglichen Nachfolger machen bereits die Runde. «Konkret kann ich dazu nichts sagen, da die Verhandlungen noch im Gang sind», so Loosli. Verhandlungen zwischen der Hausbesitzerin und einem neuen Pächter, notabene. Denn er selber habe seine Sache mit der Hausbesitzerin geregelt. Was für ihn mit dem Nachfolger zu klären bleibe, seien Kleinigkeiten, bewegliche Materialien und die Lagerbestände des Kiosks.

Eines sei klar für ihn: «Jemand, der nicht solche Altlasten mitbringt, wie ich sie habe, kann mit den aktuellen Besucherfrequenzen im ‹Rex› gut leben.»

Übernimmt der Konkurrent?

Angesprochen auf die Konkurrenzsituation in Grenchen, meint Loosli nur: «Eine Konkurrenz mit nur zwei Kinos, die von verschiedenen Personen betrieben werden, ist sicher keine ideale Voraussetzung.» Mit zwei Sälen könnte man auch das Programm besser gestalten, beispielsweise Blockbuster, die manchmal im 2-Wochen-Rhythmus aufeinanderfolgen, länger laufen lassen und mit dem neuen Film auf den anderen Saal ausweichen. «Zwei Säle zur Verfügung zu haben, macht die Sache wesentlich einfacher.»

Was unweigerlich die Frage aufkommen lässt, ob nicht Angel Rodriguez, der junge Mann, der seit Anfang Jahr das Kino Palace betreibt, der mögliche Nachfolger im Kino Rex sein könnte und so sein Portefeuille um den erwähnten zweiten Kinosaal erweitert. Loosli will sich dazu nicht äussern. Er betont aber, dass zwischen ihm und Rodriguez ein gutes Einvernehmen geherrscht habe.

Rodriguez ist auf Anfrage diesbezüglich bloss ein filmreifes und vielsagendes «No comment – kein Kommentar» zu entlocken.

Für den ehemaligen Kinobetreiber Loosli ist es schon das zweite Kino, das er aufgibt: Letztes Jahr verkaufte er das Kino Royal in Aarberg. Jetzt wechselt er die Sparte komplett: In seinem Wohnort Thun übernimmt er eine Aufgabe im Fussballclub «Rot-Schwarz Thun», dessen Frauenmannschaft 2009 Cupsieger wurde. «Wir wollen versuchen, da etwas mehr Professionalität reinzubringen.» Und mit dem, was er dort verdiene, komme er über die Runden, auch wenn die Hälfte seines Jobs ehrenamtlich sei.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1