Der Helikopter vom Typ Robinson 44 mit Kolbenmotor schwebt rund acht Meter über dem Boden. Co-Pilot Enzo Rota des Teams «Blitz Helikopter» aus Oensingen hat die Türe geöffnet und schaut nach unten, in der Hand hält er ein Seil von sechs Metern Länge, an dem ein gefüllter Wasserkessel hängt. Langsam schwebt der Helikopter zum ersten Tor, der Co-Pilot gibt Anweisungen, die der Pilot, Christoph Weber über die Helmkopfhörer entgegennimmt.

Denn nach unten sehen kann er nicht, oder nur sehr beschränkt. «Ich sehe vor mir oder schräg vor mir das nächste Tor, das ich anfliegen muss, aber irgendwann verschwindet es aus meinem Blickfeld und ich bin komplett auf die Anweisungen meines Co-Piloten angewiesen», erklärt Pilot Weber später.

Bei der Helikopter Schweizermeisterschaft absolvieren Christoph Weber und Enzo Rota den Slalom fehlerfrei

Bei der Helikopter Schweizermeisterschaft absolvieren Christoph Weber und Enzo Rota den Slalom fehlerfrei

«Ein perfektes Training für Helikopterpiloten, die beruflich Unterlast fliegen», sagt Hans Wüthrich, Präsident des Schweizerischen Helikopterverbands SHeV und Organisator der Schweizer Meisterschaften. «Man muss sich komplett auf seinen Co-Piloten verlassen können», sagt der amtierende Schweizer Meister, der mit seiner Co-Pilotin Monika Arbenz lange Zeit an den verschiedensten Wettbewerben teilgenommen hat. Die letzte SM fand übrigens ebenfalls in Grenchen statt, im Jahr 2010.

Das Geschehen näher bringen

Damals sperrte man die Piste der Segelflieger. Da nun die Meisterschaft ins Heli-Weekend integriert wurde, wollte man dem Publikum das Geschehen etwas näher bringen und verlegte den Wettbewerb auf die Graspiste unmittelbar neben dem Publikumsgelände. Dort wurde der Parcours für die Disziplin «Slalom» ausgesteckt: Durch zehn unterschiedlich breite Tore gilt es den Kessel zu manövrieren. Die Tore müssen – ähnlich wie bei Kajak-Wettbewerben – zum Teil auch rückwärts angeflogen werden. Berührt der Kessel eine der Torstangen, gibt es Abzug.

Am Ende des Hindernislaufs muss der Kessel auf einem Tischlein abgestellt werden, das einen nur wenig grösseren Durchmesser hat, als der Kessel selber. Und als Abschluss gilt es, eine Präzisionslandung zu machen, bei der jeder Zentimeter Abweichung zählt. Für das ganze Prozedere gibt es genaue Zeitvorgaben, die es einzuhalten gilt. Die Richter am Boden notieren jede Bewegung, für jede Berührung gibt es Strafpunkte. Auch das Wasser im Kessel wird gemessen: Für jeden Zentiliter, der verschüttet wurde, gibt es nochmals Strafpunkte.

Das ist die eine Disziplin, die absolviert werden muss. Die andere wird morgen Samstag ausgetragen, die sogenannte «Fender-Challenge». Hier müssen die Teams drei unterschiedlich lange Seile mit angehängten Fendern durch Tore manövrieren und in Fässer abwerfen. Am Schluss jedes Durchgangs müssen Seile mit einem Kegel, wie man sie aus dem Bowling kennt, abgerollt und im sogenannten «Dog House» versenkt werden, einer kleinen Hütte mit einer Öffnung im Schrägdach von nur etwa 20 Zentimetern Durchmesser.

Urheber war Helmut Schmidt

Diese Übung und die Helikopter Meisterschaften überhaupt haben ihren Ursprung übrigens in der grossen Sturmflut an der Nordsee im Jahr 1962, wo es alleine in Hamburg 315 Tote, 20'000 Obdachlose und rund 6000 zerstörte Gebäude zu beklagen gab. Der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt war damals Senator der Polizeibehörde der Hansestadt. Er erlangte als Krisenmanager grosse Popularität.

Er koordinierte den Einsatz von Polizei, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz. Schmidt nutzte seine Kontakte zur Bundeswehr und zur Nato, um rund 100 Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force sowie Soldaten, Hilfsgüter und Pioniergeräte zu organisieren, ohne dafür die rechtlichen Grundlagen zu haben. Es war das erste Mal, dass so umfassend Hilfe aus der Luft mit Helikoptern geleistet wurde, Menschen aus ihren Häusern gerettet oder eben durch Dachfenster hindurch mit Gütern versorgt wurden. Damals entstand die Idee unter Helikopterpiloten, Meisterschaften durchzuführen.

International seien die Russen unschlagbar, eine Liga für sich, speziell die Frauen, erklärt Enzo Rota, der vor ein paar Jahren als Co-Pilot gleichzeitig wie Hans Wüthrich und Monika Arbenz an der Weltmeisterschaft in Russland teilgenommen hatte. «Da kommen Hausfrauen, denen man es wirklich nicht ansieht und absolvieren einen Parcours, für den wir viereinhalb Minuten brauchen, in anderthalb, ohne einen Fehler zu machen.»

Dem Team aus Oensingen ist es im zweiten Durchgang sehr gut gelaufen. Sie sind auf die Sekunde in der vorgeschriebenen Zeit gelandet, haben die vier Minuten und sieben Sekunden perfekt im Griff gehabt. Bei der Landung waren sie auf zwei Zentimeter genau und Berührung gab es keine – alle Tore wurden fehlerfrei passiert. Dies trotz auffrischendem Wind, der gerade noch knapp regelkonform war.

«Wir haben nicht viel trainiert, aber fliegen schon seit 2010 zusammen», sagt Rota. In Belgien seien sie auch schon gewesen, als dort Meisterschaften stattfanden. «Hier kennt fast jeder jeden und jede, wir sind eine grosse Familie.» Wer von dieser Familie morgen obenaus schwingt, verraten wir am Montag.