«Das Puff ist vorprogrammiert», prophezeite Verkehrschef Michael Herzog seinen 13 Kollegen und den 42 Zivilschützern bei der Einsatzbesprechung für die Tour de Romandie. Und tatsächlich. Gerade mal eine halbe Stunde, nachdem die Leute um 14 Uhr ihre 44 Posten besetzt haben, gibts neben der Zielgeraden Ärger: Team-Cars haben auf dem Grünstreifen parkiert, dort, wo die Radrennfahrer vorbeirasen werden.

Herzog, der mit Walter Brotschi vom Zivilschutz im Auto unterwegs ist, muss durchgreifen. Die Cars verschwinden, aber nicht ohne die Flüche der Chauffeure – so französisch, dass wir sie an dieser Stelle nicht übersetzen. «Es gibt immer Ärger, das ist halt so», sagt Michael Herzog. Verärgerte Autofahrer – und dadurch Buhrufe für die Polizisten.

Schlechte Voraussetzung

Vor zwei Monaten hat die Polizei mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen: Streckenanrainer informieren, Briefe schreiben, OK-Sitzungen abhalten, Sperrungen mit dem Bundesamt für Strassen organisieren, Sicherheitskonzept schreiben. «Die einzige Unbekannte ist das Verkehrsaufkommen», sagt Herzog. Der Stadtsüden ist ohnehin nach Feierabend überlastet. Am Tourtag bleibt der Autobahnzubringer von 15 bis 17 Uhr ganz zu. Schlechte Voraussetzung.

DreiMal fährt die Tour durch die Stadt, jeweils zirka 20 Minuten vorher müssen die neuralgischen Punkte gesperrt (und zwischenzeitlich wieder geöffnet) werden, damit es keine Probleme oder Unfälle gibt. Die Zivis, Polizisten und Polizistinnen halten über Funk Verbindung zum Einsatzleiter. Und der ist gefragt.

Im Minutentakt muss er quasi verordnen, wo man sperren muss, wo man wieder aufmachen kann, ob man die Leute durchlassen kann, wenn sie halt «unbedingt müssen». «Wegschicken», sagt Herzog immer auf letztere Frage. Extrawürste darf es nicht geben. Safety first.

Stress Pur für die Polizei

Von Anfang an läuft das Funkgerät heiss. Zwischenzeitlich fällt die Verbindung sogar aus. Stress pur – aber der Mann hinter dem Steuer des blauen Mitsubishi Outlander bleibt ruhig. Er beschleunigt stattdessen im 80er Richtung Arch auf 120 km/h, fährt zum nächsten Problempunkt. Kollegen der Berner Kapo haben unglücklicherweise Fahrzeuge auf die Archstrasse gelassen. Die müssen weg, bevor die Radprofis hier durchkrachen.

Hektisch Wird es, als der Tross dann das Stadtgebiet erreicht. Und doch läuft alles – abgesehen von ein paar kleineren Anpassungen – wie geplant. Der einzige Zwischenfall bleibt ein harmloser Auffahrunfall dreier Autos. Wenn es Probleme gibt, wie kurz vor der zweiten Durchfahrt an der Löwenkreuzung, wird gehandelt.

Der Posten wird verstärkt. Erst als alle Strassen kurz vor 18 Uhr wieder offen sind, kommt der grosse Stau. Vom Flughafenkreisel bis fast zur Solothurnstrasse, ähnlich auf der Schlachthausstrasse. Eben auch, weil die toureigenen Sicherheitsleute bei der Zielankunft den Verkehr aufgehalten haben. Etwas, worüber man die Polizei vorher nicht informiert hatte, sagt Herzog. Erst als der Verkehr wieder frei fliesst, dürfen die Zivilschützer und Polizisten ihre Posten verlassen.

«Besser gelaufen, als befürchtet»

Am Ende des Tages zieht der Einsatzleiter eine positive Bilanz. «Es ist besser gelaufen, als befürchtet. Ein hervorragendes Ergebnis», lobt Michael Herzog. Alle seine Leute hätten super gearbeitet. Sogar der massive Rückstau Richtung Autobahn sei zu erwarten gewesen. Das sei für Grenchen ja normal. Dafür habe die Bevölkerung einen ganz besonderen Event geniessen können. Denn vom Stress und dem Chaos dürften die Zuschauer so gut wie gar nichts gemerkt haben. Selbst das ist ziemlich sicher.